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Umfeld und Hilfe Gute Ratschläge von außen

Sätze wie 'Tu Dir doch mal was Gutes!' oder 'Denk doch positiv!' hören depressive Menschen häufig. Bei einer leichten Depression können solche Ratschläge auch durchaus hilfreich sein.

Von: Holger Kiesel

Stand: 04.04.2017

Depressionen: Was hilft? | Bild: picture-alliance/dpa

In schwereren Fällen können sie von den Betroffenen jedoch einfach nicht mehr umgesetzt werden, führen deshalb oft zu eher abwehrenden Reaktionen und verschärfen so das Problem eher.

"Als Angehöriger sollte man auf jeden Fall Hilfe und Unterstützung anbieten, sich aber nicht ständig aufdrängen!"

Prof. Dr. Hans Förstl, Direktor der Psychiatrischen Klinik an der Technischen Universität München

Angehörige brauchen viel Kraft

Angehörige von Depressiven müssen mit verschiedenen extremen Stimmungslagen der Betroffenen zurechtkommen. Neben der massiven Traurigkeit und Perspektivlosigkeit können zudem Aggressivität oder Selbstmordgedanken auch für das Umfeld sehr belastend sein. Ratschläge, wie Angehörige sich idealerweise verhalten sollten, kann man nur begrenzt geben. Natürlich wird man sich bemühen, die Betroffenen nach Kräften zu unterstützen.

Hilfe richtig dosieren

Aber: Dem Depressiven darf auch nicht zu viel abgenommen werden. Er sollte nicht in eine permanente Patientenrolle geraten, so dass er sich möglicherweise noch stärker als ohnehin schon entwertet fühlt. Gleichzeitig sollte Hilfe nicht mit einem permanenten unterschwelligen Vorwurf wegen der entstehenden Belastung verbunden sein.

Kinder von Depressiven

Besonders schwierig ist die Lage von Kindern von schwer depressiv Erkrankten. Sie geraten oft zu früh in eine Verantwortung für den erkrankten Elternteil, der sie sich nicht entziehen können. Sie stellen häufig ihre eigenen kindlichen Bedürfnisse hinten an, um die Familie zu stabilisieren und müssen ganz früh lernen, für andere da zu sein. Dadurch fehlt ihnen Zeit, sich selbst zu entwickeln und zu entfalten.

Suizidgedanken ernstnehmen

Wenn jemand öfter und eindringlich mit Suizid droht, muss man dies unbedingt ernst nehmen. Dies gilt besonders dann, wenn Mittel zur Selbsttötung direkt verfügbar sind. Dies erfordert in jedem Fall eine stationäre Behandlung.

Hilfe bei Depressionen

Die erste Anlaufstelle für Depressive und ihre Angehörigen ist meist der Hausarzt. Er kann in der Regel gut einschätzen, wann die Verschreibung eines Medikaments oder ambulante Hilfe ausreichen und wann fachärztliche Unterstützung nötig ist. Bei Bedarf kann der Hausarzt dann auch an den geeigneten Spezialisten weiterüberweisen.

Weitere Informationen und hilfreiche Links finden Sie auf den Seiten des Vereins Horizonte.

Hilfe nach einem Suizid

Wenn jemand, der Depressionen hat, sich tatsächlich das Leben nimmt, finden Hinterbliebene Hilfe bei Vereinen wie DIE ARCHE e.V. in München oder AGUS e.V. bundesweit.


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