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Auslöser und Begleitfaktoren Wann wird man depressiv?

Nicht immer, aber recht häufig gehen einer Depression erkennbare Auslöser voraus. Es ist jedoch selten eine einzelne, einwandfrei zu identifizierende Ursache.

Von: Holger Kiesel

Stand: 04.04.2017

Depressionen: Depressiver Mann mit Whiskyglas vor vollem Aschenbecher | Bild: picture-alliance/dpa

Meist handelt es sich um ein komplexes Geflecht von Umständen oder eine relativ rasche Abfolge von negativen (in seltenen Fällen aber auch mal positiven) Ereignissen. Mit jedem weiteren Schicksalsschlag steigt dann letztlich die Gefahr, dass sich eine Depression entwickelt.

Woher die Depression kommt

Für eine Depression ist durchaus nicht in jedem Einzelfall ein Grund auszumachen. Das hat damit zu tun, dass depressive Empfindungen sozusagen evolutionär in uns eingebaut sind. Sie verhindern, dass sich Menschen wie Maschinen in jeder Situation gleich verhalten. Sie bringen den Einzelnen dazu, auch bei gleichen Ausgangsbedingungen in seiner Reaktion zu variieren. Denn: Ein ausgewogenes Verhältnis von Optimismus und Pessimismus ist für unser Leben von Vorteil, um Entscheidungen abzuwägen und Risiken richtig einzuschätzen.

Die Rolle der Gene

Dass die Gene bei Depressionen eine relativ große Rolle spielen, ist sicher. Die genetischen Mitursachen affektiver Erkrankungen sind jedoch noch nicht annähernd ausreichend aufgeklärt. Bekannt ist jedoch beispielsweise, dass bestimmte Genvariationen die Ausschüttung und Wirksamkeit einzelner Botenstoffe im Gehirn (Dopamin, Serotonin) ungünstig beeinflussen. Damit erschweren diese Variationen ihren Trägern oft von Kindheit an die Bewältigung von Problemen und begünstigen somit Depressionen oder auch Suchtverhalten.

Depressionen in der Familie

Wer in der nahen Verwandtschaft Fälle von Depressionen hat, hat auch selbst ein höheres Risiko, an ihnen zu erkranken. Nicht nur aus genetischen Gründen, sondern auch durch die frühe prägende Erfahrung mit Depressivität. Aber er hat mitunter auch die Chance, frühzeitig erfolgreiche Strategien zu entwickeln, um besser mit Krisensituationen klarzukommen.

Erhöhtes Demenz-Risiko

Eine frühere Depression verdoppelt das Risiko, später an einer Demenz zu erkranken. Es gilt: Je schwerer die Depression war und je länger sie dauerte, umso höher ist das Risiko für eine Demenz. Der Grund: Die überdurchschnittliche Menge an Kortison, die während einer Depression langfristig ausgeschüttet wird, schädigt das Gehirn. Und: In depressiven Phasen haben wir kaum noch Antikörper gegen das Alzheimer-Protein Amyloid. Durch den bei einer Depression meist gestörten Schlaf wird auch weniger Alzheimer-Eiweiß aus dem Gehirn abtransportiert.


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