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Kleine Bühne, große Wirkung Das Münchner TamS wird 50

Die großen städtischen oder staatlichen Bühnen mögen die Renommierstücke sein, die kleinen Off-Theater hingegen, mit wenig Geld und umso größerer Phantasie ausgestattet, sind die Herzschrittmacher des Kulturlebens. So auch das TamS – eine Münchner Institution, die seit einem halben Jahrhundert Flagge zeigt und den Zeitläuften trotzt.

Von: Eva Demmelhuber

Stand: 18.01.2020 | Archiv

Es war einmal ein "Tröpferlbad" in Altschwabing. Da die Münchner nicht viel von Hygiene hielten und um 1910 durchschnittlich nur ein- bis zweimal pro Jahr in solche öffentlichen Bäder gingen, wurden im Lauf der Jahrzehnte viele solcher Brause- und Wannenbäder geschlossen und bröselten vor sich hin.

Eines, in der Haimhauserstraße, nahe dem Englischen Garten, wurde 1969 vor dem Abriss gerettet und zu einem Theater umgebaut. Eine Name wurde schnell gefunden. Da es direkt neben dem Sozialamt lag, nannten es die beiden Künstler Spola und Arp "Theater am Sozialamt", kurz das TamS.

Aus den Badekabinen wurden Bühne und Zuschauerraum, der Heizraum wurde zum Foyer und der imposante Ofen zum Empfangstresen umgestaltet. Und, wie Gerhard Polt schreibt, "hier wohnt die Phantasie".

Das erste Bühnenstück im "TamS" war ein totaler Flop

Philip Arp mit Drachen

Am 27. Januar 1970 brachten Philip Arp, ein im Geiste Karl Valentins denkender, feinsinnig versponnener Schriftsteller, und seine Partnerin, Anette Spola, Schauspielerin und Prinzipalin des "Theaters am Sozialamt", ihr erstes Stück auf die Bühne: "Die stummen Affen" von Fritz Herrmann.

Ein totaler Flop, es hagelte Verrisse, dem "TamS" wurde ein früher Untergang prophezeit.

Doch es ist das einzige Münchner Privattheater, das ein halbes Jahrhundert durchgehalten hat. Denn Totgesagte leben länger!

Philip Arp hielt den Geist Karl Valentins lebendig

Theater-Garderobe im TamS

Ein feines, kleines Theaterchen, unter Freunden "TamSerl" genannt. Berühmt durch seine Valentin-Abende, die neben aller Komik und Groteske die Hintergründigkeit des Spintisierens und die Verletzlichkeit einer scheuen Künstler-Seele zeigten.

Philip Arp, Intendant und Hausautor, hielt den Geist seines großen Vorbilds lebendig.

Theater um das "Theater am Sozialamt"

"Hier wohnt die Phantasie!"

... sagt Gerhard Polt, der immer wieder nur fürs TamS schreibt, die Experimentier- und Spielfreude, hier biegt man gerne ab, wandert fröhlich über Abgründe.

Eine Oase für Autoren wie Ernst Jandl, Robert Gernhardt, Peter Handke, Thomas Bernhard oder Urs Widmer.

Das Theater "Apropos"

Zum TamS gehört auch die Gründung des Theaters "Apropos" (1998) in Zusammenarbeit mit der Psychiatrie des Klinikums rechts der Isar. Hier wurde Inklusion praktiziert, lange bevor der Begriff auf die Tagesordnung kam.

50 Jahre TamS sind zugleich 50 Jahre Münchner Kulturgeschichte und Förderungspolitik. Zum Jubiläum eine Hommage von Eva Demmelhuber.


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