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"Corona und Du" Hilfe für Jugendliche in der Krise

Corona belastet jede Generation auf andere Weise. Die Münchner Uniklinik hat jetzt eine Online-Plattform entwickelt, die Kindern und Jugendlichen ab zehn Jahren helfen soll, mit den Herausforderungen durch Corona klarzukommen.

Von: Silvia Wilhelm

Stand: 22.09.2020

Mehrere Jugendliche mit Corona-Masken gehen auf einer Strasse. | Bild: picture-alliance/dpa

Kaum hatte die Schule nach den Sommerferien wieder angefangen, wurden schon wieder die ersten Schulschließungen bekannt gegeben. Wer zur Schule gehen kann, muss zumindest zeitweise Maske tragen und sich auf eine ganze Menge Regeln einstellen. Aktuell steigen die Infektionszahlen wieder und so bleibt die Unsicherheit, wie es in Zukunft weiter geht.

Untersuchungen zeigen: Unter Jugendlichen haben Ängste und Depressionen zugenommen. Erste Hilfsangebote speziell für diese Zielgruppe enstehen. Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Münchner Universität hat eine Online-Plattform entwickelt, die Kindern und Jugendlichen ab zehn Jahren helfen soll, mit den Herausforderungen durch Corona klarzukommen.

"Corona und Du" 

Therapeuten habe die Internetseite "Corona und Du" zusammen mit Jugendlichen entwickelt. Die informativen aber leicht geschriebenen Texte sollen Heranwachsenden ab zehn Jahren helfen, denen die Pandemie besonders zu schaffen macht. Denn Lockdown, Schulschließungen und Quarantäne haben viele hart getroffen. Sie berichten von Streit in der Familie oder dem Fehlen sozialer Kontakte.

Gerd Schulte-Körne leitet die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Münchner Universität und hat seit Frühjahr rund 20 Prozent mehr Anfragen.

"Wir sehen zunehmende Konstellationen in Folge von Corona, bei denen die Familien durch Eltern belastet sind, die die Arbeit verloren haben oder wo die Familie, vielmehr als sonst, zuhause mit den Alltagssituationen konfrontiert ist."

Gerd Schulte-Körne, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Münchner Universität

Die Online-Plattform "Corona und du" will ängstlichen Kindern und Jugendlichen helfen, die Gedankenspirale im Kopf zu durchbrechen. Denn viele machen sich Sorgen, dass sie sich an dem Virus anstecken, die Großeltern krank werden und vieles mehr. "Die Kinder denken immer mehr darüber nach, was alles passieren könnte und zum Teil verselbständigen sich solche Ängste und werden übermächtig", erzählt Gerd Schulte-Körne. Viele könnten dann an nichts anderes mehr denken und bekämen Zukunftsängste.

Praktische Tipps für positive Gedanken

Die Internetseite "Corona und Du" will Mut machen und Teenagern ganz praktische Tipps geben, wie sie sich jeden Tag wieder neu motivieren und auf positive Gedanken kommen können.

  • Versuche dich auf kleine, gute Dinge in deinem Alltag zu konzentrieren.
  • Nimm dir jeden Tag ein paar Minuten Zeit, um aufzuschreiben, welche schönen Dinge du heute erlebst hast.
  • Sprich dir selbst Mut zu. ("Ich werde es schaffen, die Corona-Zeit zu meistern.")

Langfristige Folgen

Sich auch professionelle Hilfe zu suchen, sei sehr wichtig, meint Gerd Schulte-Körne. Er rechnet durch die Pandemie mit längerfristigen Folgen. Denn eine solch andauernde Belastungssituation könne auch erst einiges später zu psychischen Krankheiten führen.

Um so wichtiger findet es der Klinikdirektor, die Heranwachsenden in dieser Situation nicht allein zu lassen. Denn sie sind seiner Meinung nach eine der großen Verlierer-Gruppen dieser Pandemie.

"Sie sind eine Gruppe, die in der Öffentlichkeit keine Stimme hat und nicht gehört wird und auch nicht für ihre Belange so auftreten kann wie viele andere Gruppen in der Gesellschaft. Man soll Kinder nicht als kleine Erwachsene auffassen, sie haben eine eigene Meinung, eine eigene Entwicklung, die anders ist, als manche Erwachsene glauben."

Gerd Schulte-Körne, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Münchner Universität


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