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"Klimawandel für Dummies" Zwei Studenten machen den Klimawandel (be-)greifbar

Christian Serrer und David Nelles haben "Kleine Gase – große Wirkung: Der Klimawandel" geschrieben – ein kompaktes Büchlein im Hosentaschenformat. Auf 132 Seiten vermitteln sie mit kurzen Texten und anschaulichen Grafiken grundlegendes Wissen zum Klimawandel. Damit wollen sie den Menschen klarmachen, wie sehr sie der Klimawandel persönlich betrifft. Christian Serrer erklärt im Interview wie es dazu kam.

Stand: 13.05.2019

Christian Serrer und David Nelles, die Autoren von "Kleine Gase - große Wirkung: Der Klimawandel". | Bild: Edmund Möhrle Photography

Uwe Pagels: Es gibt reichlich Infomaterial über den Klimawandel und seine Folgen. Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen "Klimawandel für Dummies" zu schreiben?

Christian Serrer: Die Idee zu unserem Buch entstand vor mittlerweile genau zwei Jahren in der Mensa unserer Universität. Mein Mitautor David und ich saßen beim Mittagessen, haben über den Klimawandel diskutiert und wir konnten Fragen, wie z.B: "Werden Extreme heute schon mehr?", "Was bedeutet der Klimawandel für unsere Gesundheit?" oder "Welche ökonomischen Auswirkungen sind mit dem Klimawandel verbunden?" nicht für uns beantworten. Und da haben wir gedacht, das kann es ja eigentlich nicht sein, denn das Thema ist in aller Munde! Wir haben ein Buch gesucht, das die Thematik einfach kurz anschaulich und verständlich auf den Punkt bringt. Und um es kurz zu machen, so ein Buch haben wir nicht gefunden und haben uns dazu entschlossen, dieses selbst zu schreiben.

Das ist doch eigentlich erstaunlich, denn es redet ja in der Tat jeder über den Klimawandel. Sind die Leute da so wenig kenntnisreich?

Nein, ich glaube das Problem ist tatsächlich, dass das Problem ziemlich umfassend ist. Man kann nicht jedem zumuten, sich wie wir beide ein dreiviertel Jahr lang damit sich zu beschäftigen. Es hat einfach eine Informationsquelle gefehlt, um sich wirklich mal in kürzester Zeit einen Überblick über diese Thematik zu verschaffen.

Aber Herr Serrer, wenn man das Phänomen Klimawandel stark vereinfacht, bleiben doch wichtige Zusammenhänge vermutlich außen vor. Reicht das also?

Petersberger Klimadialog 13./14. Mai 2019

Vertreter aus 35 Staaten sind in Berlin zum Petersberger Klimadialog zusammengekommen. Sie beraten, wie die Verpflichtungen des Klima-Abkommens von Paris konkret umgesetzt werden können und bereiten die nächste Weltklimakonferenz vor, die im Dezember 2019 in Chile stattfindet.

Das haben wir uns natürlich auch gefragt. Zum einen war unser großer Vorteil, dass wir tatsächlich nicht vom Fach sind. Das heißt, wir haben alles zusammengefasst, wie Sie sagen, stark vereinfacht, so wie es für uns interessant klingt. Und wir hatten natürlich Unterstützung von über 100 Wissenschaftlern, die uns dabei auf die Finger geschaut, uns mit Rat und Tat unterstützt und unsere Texte auch gegengelesen haben, so dass sich trotz der Vereinfachung kein fachlicher Fehler in das Buch einschleicht.

Ihr Text hat mittlerweile so viel Erfolg, dass sie auch Vorträge halten. Wie schafft man es, bei einem Thema, bei dem viele meinen, schon alles gehört zu haben, die Aufmerksamkeit hochzuhalten?

Man muss den Menschen verdeutlichen, dass Klimawandel mehr bedeutet, als nur schmelzende Gletscher und Meeresspiegel-Anstieg. Denn der Klimawandel betrifft z.B. über die gesundheitlichen Auswirkungen jeden von uns hier in Europa direkt. Ein Beispiel: Durch die höhere Hitzebelastung kommt es häufiger zu Hitze-Krankheiten wie Hitzschlag, oder auch: Durch die höheren Temperaturen etablieren sich neue Arten wie die Tigermücke, welche Krankheitserreger wie das Denguefieber oder Tropenkrankheiten verbreiten können. Wenn den Leuten bewusst ist, wie direkt der Klimawandel jeden von uns betrifft, dann hat man meist auch die Aufmerksamkeit.

Sie haben Ihr Buch kurz vor Beginn der Fridays-for-Future-Bewegung verfasst, die jungen Menschen demonstrieren immer noch jeden Freitag. Das ist politisch. Wie stehen Sie zu dieser Bewegung?

Überaus positiv, denn die Schülerinnen und Schüler schaffen es, das Thema Klimawandel in der Öffentlichkeit zu etablieren und damit auch Druck auf die Politik auszuüben. Und dieser Druck von unten auf die Politik ist sehr sehr wichtig, denn nur mit diesem Druck wird es auch zu notwendigen Veränderungen kommen.

Der Petersberger Klimadialog das ist Politik auf der hohen offiziellen Ebene. Dazu die Klimakonferenz Ende des Jahres. Sind das in Ihren Augen sinnvolle Veranstaltungen, bringt das was oder dann doch lieber von der Basis?

Beides muss geschehen. Zum Einen muss natürlich das Interesse der Bevölkerung und auch der Druck von der Bevölkerung da sein, damit sich genau auf solchen Dialogen, wie dem Petersberger Dialog oder der Klimakonferenz in Kattowitz etwas bewegt. Und da sind einfach beide Instrumente gleich wichtig, würde ich sagen.

Und wie kann es gelingen, das Interesse an diesem Klimaschutz, beziehungsweise am Thema Klimawandel weiter hochzuhalten?

Ganz einfach dadurch, dass der Bevölkerung die Dringlichkeit der Thematik verständlich gemacht wird. Denn es ist vielleicht nicht fünf vor zwölf sondern eher fünf nach zwölf. Und wenn den Menschen bewusst wird, wie direkt jeder Lebensalltag betroffen ist, dann sind die Menschen auch zu Veränderungen bereit.

Buchtipp:

"Kleine Gase - Große Wirkung: Der Klimawandel" von Christian Serrer und David Nelles ist im Eigenverlag für 5 Euro erschienen.


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