Bayern 2


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Engel, Kugeln, Zuckerzeug Christbaumschmuck einst und jetzt – Sammler erzählen

Versilbertes Obst, Nüsse und Zuckerzeug: Die Volkskunde lernt viel durch den Brauch des Christbaumschmückens – Sammler erzählen von den Anfängen in der Oberschicht und Besonderheiten wie Schnitzereien des Berchtesgadener Christbaums.

Von: Carola Zinner

Stand: 24.12.2020 | Archiv

„In einigen der Häuser waren schon die Frucht- und Zuckerbäume angezündet und die Kinder hüpften um die brennenden Zweige und um versilbertes Obst“, heißt es Ende des 18. Jahrhunderts bei Jean Paul. Damals waren Christbäume noch eine der Oberschicht vorbehaltene Seltenheit. Sie wurden in erster Linie mit versilbertem oder vergoldetem Obst geschmückt, mit Nüssen und Zuckerzeug.

Holzmodel für "Springerle"

"Auch heute bieten ja manche Bäckereien in München und auch im Oberland noch die bekannten Springerle an - die aus feinen Holzmodeln ausgedrückten Eier-Zucker-Plätzchen. Die werden dann häufig, damit man die Muster besser erkennt, auch noch mit Speisefarbe fein bemalt. Und die waren natürlich immer schon dafür gedacht, im Anschluss gegessen zu werden, wenn der Baum geplündert werden durfte - wie das früher oft genannt wurde.

Und dann gab es noch etwas ganz elaboriertes, nämlich aus Messing oder Silber geflochtene Körbchen mit einem Henkel, den man über die Zweige streifen konnte. Und da hat gerade mal eine Praline reingepasst."

(Nina Gockerell, Volkskundlerin)

Der geschmückte Weihnachtsbaum wurde immer beliebter

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde der Weihnachtsbaum dann in Deutschland zu dem Attribut des familiären Schenk-Festes. Parallel dazu entstand eine bunte Vielfalt an speziellem Christbaumschmuck: kunstvoll geblasene Glaskugeln und -zapfen, kleine Wachsfigürchen, Anhänger aus Zinn, glitzernde Streifen aus Flittergold und Lametta oder phantasievolle Gebilde aus Glasröhrchen und -perlen.

Und dann gibt es noch den „Berchtesgadener Christbaum“, der mit traditionellen Holzwaren en miniature behängt wird - und der erst in den 1970er Jahren so richtig in Mode kam.

Vorne rechts im Bild der innen verspiegelte Stern, das älteste Stück in der Sammlung von Christoph Kürzeder

"Das älteste Stück meiner Sammlung ist ein Stern aus der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, aus geschliffenem und geätzten Glas und mit einem ganz feinen Holzrahmen. Er wurde sicherlich auch so am oberen Ende des Baumes befestigt, um eben für die Botschaft der Weihnacht, für den Stern von Bethlehem, der Geburt Christi, zu stehen.

Die Spiegel im Inneren des Sterns sind natürlich bewusst hier eingebracht, um das Kerzenlicht zu reflektieren. Damit strahlt der Stern hell auf, wenn die Kerzen brennen."

(Christoph Kürzeder, Diözesanmuseum Freising)

Von Jean Pauls illuminierten Baum der Erkenntnis blieb nicht viel übrig

Christoph Kürzeder vom Diözesanmuseum Freising präsentiert historischen Christbaumschmuck aus seiner Sammlung

Die Volkskundlerin Nina Gockerell und Christoph Kürzeder vom Freisinger Diözesanmuseum erzählen von altem und neuem Christbaumschmuck und präsentieren ausgewählte Stücke aus den eigenen Sammlungen.

Von Jean Pauls Christbaum, dem „beladenen, mit Goldquasten von Äpfeln, Nuß- und Fruchtschnüren und mit Hängezucker illuminierten Baum der Erkenntnis“ allerdings ist darin nichts vertreten - es blieb nicht die geringste Spur davon übrig.


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