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#ChallenceAccepted auf Instagram Wichtiger Protest gegen Femizide oder sinnlose Selfie-Aktion?

Ein Instagram-Trend sorgt gerade für Wirbel. Unter dem Hashtag "ChallengeAccepted" nominieren sich Frauen gegenseitig, ein schwarz-weißes Selfie von sich zu posten, um ein Zeichen für weibliche Solidarität zu setzen. Der Ursprung der Aktion ist unklar - und sie gefällt nicht jedem.

Von: Karen Zoller

Stand: 30.07.2020

Auf schwarzem Untergrund steht der Schriftzug Hashtag Challenge Accepted | Bild: BR

Unter all den bunten Bildern, stechen sie deutlich hervor: Auf Instagram haben seit Mitte Juli rund vier Millionen Frauen aus der ganzen Welt ein Schwarz-Weiß-Foto von sich veröffentlicht. Insgesamt wurden mehr als sechs Millionen Bilder mit dem Hashtag #challengeaccepted gepostet.

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sunnyleone 30.07.2020 | 08:23 Uhr #challengeaccepted thanks for making me a part of this @jeetihairtstylist @nuria.contreras @devinanarangbeauty love you 3 so much and happy to be amoung strong women!! Love you! #womenempowerment

#challengeaccepted thanks for making me a part of this @jeetihairtstylist @nuria.contreras @devinanarangbeauty love you 3 so much and happy to be amoung strong women!! Love you! #womenempowerment | Bild: sunnyleone (via Instagram)

Dabei scheint nicht allen klar zu sein, worum es eigentlich geht. Einig sind sie sich darin, dass es um gegenseitige Unterstützung, um feministisches Empowerment geht. Viele Posts sind daher zusätzlich auch mit #WomenSupportingWomen gekennzeichnet.

Erst ein Zeichen gegen Krebs, dann gegen Femizide

Neu ist der Hashtag nicht. Seit Jahren wird er als Zeichen im Kampf gegen Krebs benutzt. Die aktuelle Kampagne soll aus dem Kampf gegen Femizide entstanden sein, der Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts. Die genauen Ursprünge sind aber unklar und die Aktion droht zu verwässern.

Der New York Times gegenüber sagte ein Instagram-Vertreter, der erste Post zur aktuellen ChallengeAccepted-Kampagne sei Anfang Juli von einer brasilianischen Journalistin veröffentlicht worden.

Vor allem in der Türkei wird viel gepostet

Stark aufgegriffen wird #ChallengeAccepted in der Türkei. Dort veröffentlichen Frauen auf allen Kanälen Schwarz-Weiß-Bilder ermordeter Frauen – verstärkt seit Mitte Juli. Auslöser könnte der Mord an der 27-jährigen Pınar Gültekin gewesen sein, der zu einem landesweiten Aufschrei der Empörung führte.

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elikarad_ 30.07.2020 | 06:22 Uhr Elika Rad was murdered early this morning. Now that I have your attention: I’ve been getting tagged and have seen lots of women on social media doing a black and white photo challenge in the name of women’s empowerment. Unfortunately not a lot of people know the true origin of this trend as it has been lost in translation. Despite the good intentions, these ‘Empowerment’ Selfies are burying a Turkish women's rights campaign fighting femicide and violence against women. Turkey has a long history of femicide, and just this week alone several women were murdered. Turkish people constantly wake up to a black and white photo of a woman recently murdered on their social media accounts, in the newspaper or on their TV screens. That's what the black and white filter represents. The recent murder of Turkish student Pinar Gültekin by her ex-boyfriend has sparked protests across the country, which inspired the challenge as a way of showing solidarity and raising awareness. In many cases of femicide, perpetrators are not persecuted with sentences that match their crimes, and even completely get away with it. And that is simply not good enough. I urge all the women who did this challenge without knowing this info, to repost their black and white photos, and include the hashtag #challengeacceptedturkey. Let's show our solidarity for the women of Turkey and help empower them by raising awareness. Like, share and spread the message. 🙏🏼♥️

Elika Rad was murdered early this morning.
Now that I have your attention: I’ve been getting tagged and have seen lots of women on social media doing a black and white photo challenge in the name of women’s empowerment. Unfortunately not a lot of people know the true origin of this trend as it has been lost in translation. Despite the good intentions, these ‘Empowerment’ Selfies are burying a Turkish women's rights campaign fighting femicide and violence against women. Turkey has a long history of femicide, and just this week alone several women were murdered. Turkish people constantly wake up to a black and white photo of a woman recently murdered on their social media accounts, in the newspaper or on their TV screens. That's what the black and white filter represents. The recent murder of Turkish student Pinar Gültekin by her ex-boyfriend has sparked protests across the country, which inspired the challenge as a way of showing solidarity and raising awareness. In many cases of femicide, perpetrators are not persecuted with sentences that match their crimes, and even completely get away with it. And that is simply not good enough. I urge all the women who did this challenge without knowing this info, to repost their black and white photos, and include the hashtag #challengeacceptedturkey. Let's show our solidarity for the women of Turkey and help empower them by raising awareness. Like, share and spread the message. 🙏🏼♥️ | Bild: elikarad_ (via Instagram)

Femizide sind in der Türkei zunehmend ein Thema. Laut der Initiative "Wir stoppen Frauenmorde" wurden 2019 in der Türkei 474 Frauen von ihren Ehemännern, Partnern oder Ex-Partnern getötet. In der Initiative haben sich tausende Frauen aus dem ganzen Land zusammengetan, um Gewalt gegen Frauen entgegenzutreten. Ihre Anhängerinnen tragen bei Protesten Bilder ermordeter Frauen oder hängen sie im öffentlichen Raum auf – so, wie es weltweit Menschen machen, um an Mord und Folter von Angehörigen zu erinnern.

Aus dem Protest werden Selfies ohne Botschaft

Parallel zur Veröffentlichung von Bildern ermordeter Frauen entwickelte sich der Instagram-Trend zur Selfie-Aktion. Das eigene Schwarz-Weiß-Bild soll Solidarität mit den Opfern zeigen und aufrütteln – schließlich könnte man selbst die nächste sein.

Aber: Bei Selfies liegt der Fokus vor allem auf einem: dem gutem Aussehen. Das zeigen die Posts von prominenten Frauen wie Khloé Kardashian, Reese Witherspoon oder Eva Langoria. Darauf reagieren manche Influencerinnen empört, befürchten ein Verdrängen und Verwässern der Aktion und wehren sich gegen die Aktion.

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evalongoria 27.07.2020 | 00:28 Uhr Challenge accepted ladies! Women supporting women! So many women to tag and thank! @realalexmeneses @kerrywashington @karenruimy @daniajramirez #BlackAndWhiteChallenge

Challenge accepted ladies! Women supporting women! So many women to tag and thank! @realalexmeneses @kerrywashington @karenruimy @daniajramirez #BlackAndWhiteChallenge | Bild: evalongoria (via Instagram)

Inzwischen mehrt sich die Kritik an der Selfie-Challenge

Die Autorin Nora Imlau schreibt auf Facebook: "Nein, ich poste kein Schwarz-Weiß-Bild von mir mit dem Hashtag, der gerade überall ist. Wie so oft ist hier ein politischer Hashtag mit einer klaren Botschaft und einem festen Ziel gekapert und bis zur Unkenntlichkeit verwässert worden. Und das macht mich wütend."

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Nora Imlau

Nein, ich poste kein Schwarz-Weiß-Bild von mir mit dem Hashtag, der gerade überall ist. Obwohl ich es natürlich wichtig...Gepostet von Nora Imlau am Dienstag, 28. Juli 2020

Die taz schreibt: "Anstatt inszenierter Selfies, braucht es inhaltliche Forderungen oder das Thematisieren von problematischen Verhältnissen".


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