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Hilfe bei Burn out Burn-out-Prävention in der Landwirtschaft: Per online und Telefon

Burn out. Mit der Landwirtschaft und anderen "grünen" Berufen wird das kaum in Verbindung gebracht. Doch auch hier leiden Menschen unter Dauerstress, sind zu Tode erschöpft, niedergeschlagen. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) hat ein Programm entwickelt, um ihnen zu helfen.

Von: Cornelia Benne, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 22.02.2019

Das Phänomen Burn out, das seelisch Ausgebrannt-sein, war lange Zeit als die Manager-Krankheit bekannt. Der Burn out betrifft aber auch Berufsstände, von denen man als Außenstehender so etwas nicht unbedingt erwarten würde - nämlich Landwirte, Forst und Gartenbaubetriebe. Aber das Klischee des sorgenlosen Bauern, der in Einklang mit der Natur lebt, ist längst überholt. Auch bei den Landwirtinnen und Landwirten steigt der Druck stetig und damit auch die Zahl derer, die überlastet sind.

Nach außen hin scheint alles gut

"Gerade als Hausfrau, Mutter und Bäuerin macht man sich wahnsinnig viel Gedanken, wie es den anderen geht. Man ist ja immer damit beschäftigt, es für die anderen schön zu machen. Und oft vergisst man nachzudenken, wie es einem selber geht."

Bäuerin mit Burn-out-Syndrom

Auch bei dieser Bäuerin, die anonym bleiben will, war es ein schleichender Prozess, dass der Alltag immer mehr zur Belastung wurde. Sie will ihre Rolle als Bäuerin möglichst gut erfüllen, bildet sich fort, besucht die Hauswirtschaftsschule und setzt sich selbst immer weiter unter Druck. Wenn es ihr schlechtgeht, macht sie trotzdem weiter.

"Du hast es dir ja ausgesucht!"

Sie wollte ja dieses Leben, und das wird schon wieder, hofft sie. Aber es wird halt nicht wieder, sondern im Gegenteil immer schlimmer. Es wird so schlimm, dass sie nicht einmal mehr ihre Kinder an sich heranlassen kann. Das ist der Zeitpunkt, an dem sie zu sich selbst sagt:

"Da ist etwas ganz, ganz schief gelaufen, da muss ich was ändern."

Bäuerin mit Burn-out-Syndrom

GET.ON - Prävention und Hilfe online

Die landwirtschaftliche Sozialversicherung bietet ihren Mitgliedern über das Online-Programm GET.ON Hilfe an, als präventive Maßnahme. GET.ON steht für "GesundheitsTraining.Online". Es ist ein von Universitäten entwickeltes Gesundheitsprogramm zur Förderung der psychischen Gesundheit und zum Umgang mit chronischen Erkrankungen.

Um das Programm zu starten, erhalten Hilfesuchende per e-Mail einen Zugangscode vom Telezentrum, in dem Versicherte zu den neuen Angeboten beraten werden.

Jede Woche bearbeitet die Bäuerin nun eine "Lektion". Darin geht es in erster Linie um sie: etwa um ihre Ziele, Träume und Sorgen im Alltag. Was sie in der Lektion aufschreibt, wird von einem Psychologen gelesen, der ihr anschließend auch persönliche Rückmeldungen gibt - wahlweise per e-Mail oder Telefon.

"Ich habe immer gedacht, ich bin es nicht wert ..."

"Es wurde immer schwerer. Alles war ein Gewicht! Jetzt merke ich erst wieder, wie leicht es sein kann."

Bäuerin anonym

Ein halbes Jahr hat die Bäuerin mit dem Online-Training daran gearbeitet, sich selbst lieben zu lernen, so wie sie ist. Sich bewusst Auszeiten zu nehmen, sich selbst immer wieder etwas Gutes zu tun. Ein weiteres Jahr wird sie durch das Online-Training unterstützt.

Hier finden Sie Hilfe bei seelischen Problemen

Das Telezentrum übernimmt die versicherungsrechtliche Prüfung inklusive des Teilnehmer-Managements und bietet dem jeweiligen Teilnehmer ein spezifisches Angebot gemäß dem ermittelten Bedarf an.

Was in dem Programm mit den betreuenden Psychologen geschrieben oder besprochen wird, bleibt vertraulich und wird nicht an die Krankenkasse zurückgemeldet.

Internet: www.svlfg.de/gleichgewicht
Telefonisch:  0561 / 78510512

Außerdem hat die Landwirtschaftliche Sozialversicherung für seelische Krisen eine telefonische Krisen-Hotline eingerichtet, die immer erreichbar ist.
Telefon: 0561 / 785-10101
Bauernnotruf online: Krisenhotline der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung

GET.ON zählt zu sogenannten internet- und mobil-basierten Gesundheitsprogrammen zur Förderung der psychischen Gesundheit und zum Umgang mit chronischen Erkrankungen. Entwickelt werden diese Programme von einem Konsortium von Universitäten unter der Leitung der Leuphana Universität Lüneburg und der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg. Link zur Internetseite: geton-training.de


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