Bayern 2


4

Buchtipp: Historische Landschaften Italien neu sehen - und verstehen

In seinem neuen Buch "Historische Landschaften Italiens: Wanderungen zwischen Venedig und Syrakus" erleben wir den Historiker und Archäologen Arnold Esch als einen staunenden Wanderer in italienischer Landschaft. Er lädt zu 21 Wanderungen ein und dazu, die Vergangenheit nicht nur in Handschriften und Büchern zu suchen, sondern auch in der Natur.

Von: Jan-Christoph Kitzler

Stand: 25.09.2018

Arnold Esch - Historische Landschaften Italiens | Bild: C.H. Beck

Seine Forschung begann mit den Straßen des Römischen Reiches, die bis heute ihre alten Namen tragen. Arnold Esch ist zum Beispiel der Via Appia de Salaria de Flaminia gefolgt. In der Antike waren das Straßen, die sich kompromisslos und oft gerade ihren Weg durch die Landschaft bahnten.

Italien neu sehen - und verstehen

Und dann darf man Arnold Esch dabei begleiten, wie er in schwierigem Gelände alte Brücken entdeckt oder frühe Kirchen.

So sieht man in Italien bis heute die Effekte, die der Untergang des Römischen Reiches hatte. Das Land war mit der Völkerwanderung unsicher geworden und die Menschen zogen sich aus den bequemen Ebenen zurück auf die sichereren Hügel, die man zu Festungen ausbauen konnte.

"Diese Orte, dieser Castra, hoch oben: Ganz Italien ist voll davon. Die werden, weil sie so hoch liegen, im 19. Jahrhundert keinen Eisenbahnanschluss bekommen. Weil sie keinen Eisenbahnanschluss bekommen, werden sie auch keine Industrie bekommen. Weil sie keine Industrie bekommen, werden sie auch im Zweiten Weltkrieg nicht bombardiert werden und weil sie nicht bombardiert werden, werden sie nach dem Zweiten Weltkrieg auch nicht modern wieder aufgebaut werden."

Arnold Esch, Historiker und Archäologe

Spurensuche von historischen Entwicklungen

Und heute bezaubern sich deshalb Kulturreisende an Altem, das die Jahrhunderte überdauert hat. Wie Venedig geworden ist, kann man in Arnold Eschs Buch lernen und wie Ruinenlandschaften entstanden sind.

Eine Ruinenlandschaft ist für ihn nicht einfach nur Zeugnis längst vergangener Zeiten, sondern Anlass historischen Entwicklungen nachzuspüren. Und da lohnt es sich genauer hinzuschauen: Die vielleicht wichtigsten Ausgrabungen Italiens, Pompeii und Ostia Antica, sind deshalb auch völlig unterschiedlich.

"Eine Stadt, die innerhalb von achtundvierzig Stunden unter Asche gerät und sozusagen versiegelt ist für die Zukunft, schafft ganz andere Ruinen als eine Stadt, die 300 Jahre braucht, um sozusagen verlassen zu werden. Das sind vollkommen andere Ruinen."

Arnold Esch

Die Landschaft in Italien durch verschiedene Augen

Und schließlich untersucht Arnold Esch, wie sich der Blick auf die Landschaften Italiens verändert hat. Von Reiseberichten von Pilgern oder vom kühlen Blick deutscher Militärs im Zweiten Weltkrieg.

"Einfach nur darauf aufmerksam zu machen, wie unterschiedlich der Literat und der Militär, wie unterschiedlich der Pilger und der Soldat und wie unterschiedlich der Papst und sein missmutiges Gefolge, das lieber in einem Palazzo gegessen hätte, die Landschaft sehen."

Arnold Esch

Das macht Lust, selbst los zu ziehen, genau hinzuschauen und den eigenen Blick zu hinterfragen. Das Buch von Arnold Esch ist kein Reiseführer, aber es kann helfen, Italien neu zu sehen.


4