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Diagnose Brustkrebs Zu viele Chemotherapien?

Eine Chemotherapie birgt immer ein Risiko: Bis zu zwei Prozent der Patientinnen erleiden schwere Nebenwirkungen. Deswegen gilt die Regel: Eine Chemotherapie wird nur eingeleitet, wenn die Patientin ein Rückfallrisiko von über zehn Prozent über zehn Jahre hat.

Stand: 02.12.2019

Ist Chemotherapie bei Brustkrebs sinnvoll oder nicht? - im Bild: Krebspatientin in einer onkologischen Praxis bei der Chemotherapie | Bild: picture-alliance/dpa

Prof. Harbeck schätzt, dass ca. 10.000 Frauen pro Jahr in Deutschland eine unnötige Chemotherapie erhalten. Denn es gibt noch keine sicheren Diagnosefaktoren, um festzustellen, ob der Tumor auf die Chemotherapie anspricht.

"Früher konnte man nur sehr grob das Risiko, wie sich der Krebs weiterentwickeln wird, beschreiben. Aus Angst, dass eine Frau zu wenig Therapie bekommt, hat man daher bei zu vielen Frauen eine Chemotherapie verschrieben, z.B. bei allen Frauen mit befallenden Lymphknoten. Das muss man heute nicht mehr machen. Mit Hilfe von sogenannten Multigentests untersuchen wir beispielsweise den Tumor und schauen, wie aggressiv die Tumorzellen sind. So können Ärzte Frauen, die zur Ersttherapie kommen, dann raten, ob sie eine vorbeugende Chemotherapie brauchen oder ob sie nicht erforderlich ist, weil der Tumor wenig aggressiv ist."

Prof. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums der LMU München

Gentests können helfen

Heutzutage kann bei hormonempfindlichen HER-negativen Tumoren und 0-3 befallenen Lymphknoten das Tumorgewebe mit Multigentests untersucht werden, um festzustellen, wie hoch das Rückfallrisiko ist. Dazu gibt es vier verschiedene Testverfahren: Endopredict, MammaPrint, Onkotype DX und Prosigna. Dabei wird in zentralen Laboratorien (bei Onkotype DX z.B. eines in den USA) oder in den lokalen Pathologieinstituten getestet, wie aggressiv und schnellwachsend der Tumor ist. Der Grund für die Zentralisierung bei einigen dieser Tests ist, dass man bestimmte teure Geräte, eine optimale Qualitätssicherung und viel Fachexpertise dafür braucht. Aufgrund des Genmusters kann errechnet werden, wie hoch das Risiko für einen Rückfall ist. Bei Patientinnen ohne Lymphknotenbefall wird einer dieser Tests (Oncotype DX) seit Sommer 2019 im Rahmen der Regelversorgung angeboten. Auch bei 1-3 befallenen Lymphknoten kann ein solcher Test jedoch sinnvoll sein – hier muss die Kostenübernahme mit der Krankenkasse vorher abgeklärt werden.

Chemotherapie: ja oder nein?

Eine Chemotherapie birgt immer ein Risiko: Bis zu zwei Prozent der Patientinnen erleiden schwere Nebenwirkungen. Deswegen gilt die Regel: Eine Chemotherapie wird nur eingeleitet, wenn die Patientin ein Rückfallrisiko von über zehn Prozent über zehn Jahre hat.

"Ansonsten sind die Nebenwirkungen womöglich höher als die Wirkung der Therapie."

Prof. Harbeck

Tipp: Wie man sich vor einer unnötigen Chemo schützt

  • In ein zertifiziertes Brustzentrum gehen, denn Brustkrebs ist kein Notfall, bei dem man sofort handeln muss. Es ist immer genug Zeit, zusammen mit den Frauenarzt zu besprechen, welches Brustzentrum geeignet ist.
  • Im Brustzentrum nachfragen, welche Therapien oder Studien angeboten werden. Durchaus auch direkt fragen, wie die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie getroffen wird, ob eben ein Multigentest am Tumorgewebe durchgeführt wird.

Triple-negativ

Tumoren, die weder hormonempfindlich (also weder auf Östrogen noch auf Progesteron reagieren) noch HER2-positiv sind, nennt man triple-negativ, d.h. dreifach negativ. Sie werden immer mit einer Chemotherapie behandelt, da die anderen Therapien keinen Erfolg versprechen. Diese Chemotherapie wird heute in Regel bereits vor der Operation durchgeführt.


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