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Diagnose Brustkrebs Antikörpertherapien

Die Antikörpertherapie wird speziell ausgerichtet auf die Eigenschaften der Tumorzellen, die bei der einzelnen Patientin vorliegen.

Stand: 02.12.2019

Bei Brustkrebs sind Antikörpertherapien eine der zahlreichen Behandlungsmöglichkeiten - im Bild: Brustkrebs-Gewebe unter dem Mikroskop | Bild: picture-alliance/dpa

Mehrere solche Therapien sind in Deutschland zugelassen für Brustkrebs im frühen Stadium zur Vorbeugung von Metastasen und/oder im fortgeschrittenen Stadium zur Behandlung von Metastasen.

"Diese biologischen Therapien sind ein großer Fortschritt, weil man damit die Tumorerkrankung sehr gut kontrollieren kann und eventuell auch noch höhere Heilungsraten erreichen kann."

Prof. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums der LMU München 

HER2-positive Tumoren

HER2 ist ein Wachstumsfaktorrezeptor, über den Signale von der Zelloberfläche ins Zellinnere weitergegeben werden, sodass sich die Zelle öfter teilt. HER2-positiv bedeutet, dass große Mengen dieses Rezeptors im Gewebe nachgewiesen wurden. Dies ist ein Zeichen für einen eher aggressiven Tumor, an dem ca. 15-20 Prozent der Brustkrebspatientinnen erkranken. Aber heutzutage gibt es zielgerichtete Therapien, die gegen spezielle Eigenschaften des Tumors gerichtet sind, wie z. B. die Antikörpertherapie bei HER2-positiven Tumoren. Eine solche Therapie wird bei einer Ersterkrankung vorbeugend für ein Jahr gegeben.

Moderne Wirkstoffe

Heute weiß man aufgrund großer Studien mit über 13,000 Patientinnen, dass eine einjährige Antikörpertherapie mit Trastuzumab (Herceptin®) bei HER2-positivem Brustkrebs (das heißt: der Tumor hat viele Empfangsantennen für diesen Antikörper auf der Zelloberfläche) eine deutliche Verbesserung der Heilungschancen bewirkt. Die Zulassung für diesen Antikörper bei frühem Brustkrebs gibt es seit Mai 2006 für Patientinnen mit HER2-positivem Tumor und der Indikation für eine Chemotherapie, die heute in der Regel bereits vor der Operation (neoadjuvant) gegeben wird. Prof. Nadia Harbeck: "Diese Patientinnen behandeln wir bereits jetzt nach der Erstdiagnose vorbeugend für ein Jahr mit Antikörpern. Seit 2015 gibt es auch die Möglichkeit, vor der Operation zwei gegen HER2 gerichtete Antikörper (Trastuzumab und Pertuzumab) zu verabreichen, die die Wirkung der Chemotherapie auf den Tumor noch einmal verstärken. Und wenn dann bei der Opeartion noch nicht alle Tumorzellen in der brust verschwunden sind, wird heute nach Operation ein anderer Antikörper gegeben, der mit einer Chemotherapie gekoppelt ist (T-DM1; Kadcyla®). Dadurch können dann die Heilungschancen nochmal verbessert werden.

Zielgerichtete Medikamente

Der Fortschritt bei diesen zielgerichteten Medikamenten ist sehr rasch: Bei Patientinnen mit fortgeschrittenem HER2-positivem Brustkrebs wird heute Trastuzumab mit Pertuzumab (und einer Chemotherapie) kombiniert. Gleichzeitig gibt es nicht nur diese Antikörper, sondern zusätzlich einen Antikörper der direkt an eine Chemotherapie gekoppelt ist (T-DM1,Kadcyla®) sowie ein sogenanntes kleines Molekül (Lapatinib, Tyverb®), die beide heute nach Versagen von Trastuzumab® zugelassen sind. Ein weiterer Antikörper gegen Blutgefäßneubildung (Bevacizumab, Avastin®) ist bereits bei fortgeschrittenem HER2-negativem Brustkrebs zugelassen.
Für die hormonempfindliche HER2-negative fortgeschrittene Erkrankung sind bereits zwei Medikamente zugelassen, die die Wirkung der Antihormontherapie noch deutlich verstärken können: Everolimus (Afinitor®) und seitkurzem auch drei sogenannte CDK 4/6 Hemmstoffe, Palbociclib (Ibrance®), Ribociclib (Kisquali®) und Abemaciclib (Verzenios®).

Die erste Immuntherapie bei Brustkrebs, Atezolizumab (Tecentriq®), wurde im Sommer 2019 beim fortgeschrittenen triple-negativen Brustkrebs zugelassen. Auch bei familiärem Brustkrebs mit BRCA-1- oder -2-Mutationen gibt es heute mit den PAPR-Inhibitoren neue zielgerichtete Medikamente für die fortgeschrittene Brustkrebserkrankung.

Andere moderne zielgerichtete Medikamente, wie z.B. neue Antikörper-Medikamenten-Konjugate oder kleine Moleküle werden derzeit auch in Deutschland in Studien erprobt. Es besteht begründete Hoffnung, dass mit den neuen zielgerichteten Therapien in Zukunft viele Tumoren wirksamer und gleichzeitig nebenwirkungsärmer behandelt werden können. In einem sogenannten molekularen Tumorboard kann man heute das Gewebe der metastasierten Erkrankung auf Genveränderungen prüfen lassen und sich daraus ergebende Therapieempfehlungen erhalten sofern sich behandelbare Veränderungen zeigen.


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