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Allogene Stammzellentherapie Blutkrebs mit gesunden Zellen heilen

Die allogene Stammzelltransplantation ist immer noch ein sehr wichtiges Therapieelement, das gerade bei den akuten Leukämien eingesetzt wird. 30 bis 50 Prozent der Patienten mit akuten Leukämie benötigen eine solche Stammzelltransplantation, um geheilt werden zu können.

Von: Klaus Schneider

Stand: 05.02.2018

Infomaterial und Wattestäbchen für die Aufnahme in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) liegen auf einem Tisch. Mit dem Wattestäbchen wir dem möglichen Spender Mundschleimhautzellen entnommen. Durch die Datei kann der passende Spender für einen an Blutkrebs erkrankten Patienten gefunden werden. | Bild: picture-alliance/dpa

Das Prinzip der allogenen Stammzelltransplantation: Gesunde Zellen eines fremden Spenders werden entnommen und dem Patienten transplantiert (im Gegensatz zur autologen Transplantation, bei der Stammzellen des Patienten selbst verwendet werden).

Blutbildung wiederherstellen, Immunsystem stärken

Mit der allogenen Stammzelltransplantation verfolgen die Ärzte zwei Ziele Man möchte zum einen durch eine intensivere Vorbehandlung des Patienten die restlichen Leukämiezellen komplett abtöten. Dafür müssen sie Dosierungen von Medikamenten verwenden, die das normale Knochenmark nicht überstehen würde.

"Das heißt, wir müssen durch die Spenderzellen die Blutbildung wieder herstellen."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann

Das zweite Ziel der Stammzelltransplantation: Mit dem neuen Immunsystem kann eine Immunreaktion der Spenderzellen gegen die Leukämiezellen erreicht werden.

"Wir wissen, dass das bei bestimmten Leukämieformen ein ganz wichtiger Mechanismus ist, weil diese Zellen gegenüber vielen Medikamenten, die wir einsetzen, unempfindlich sind, sie einer direkten Zerstörung durch die Spenderzellen hingegen durchaus zugänglich sind. Und wir wissen auch, dass Patienten, die eine sehr gute Reaktion gegen die Leukämiezellen haben, eine bessere Überlebenschance haben."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann

Woher nimmt man die Stammzellen?

Die Stammzellen sind primär im Knochenmark. Allerdings wandern die Blutstammzellen im Vergleich zu anderen Stammzellen im Körper ständig zwischen verschiedenen Bereichen des Knochenmarks hin- und her. Dabei benutzen sie das Blut als Fahrbahn.

"Und das machen wir uns zunutze, wenn wir solche Stammzellen gewinnen wollen: Wir können einmal diese Stammzellen aus dem Knochenmark durch eine Punktion des Knochenmarks entnehmen. Wir können sie aber auch mit Hilfe eines Medikaments in das Blut bringen und dann wie mit einer Blutwäsche aus dem Blut herauswaschen. Es sind aber dann letztendlich die gleichen Stammzellen, nur dass sie mal im Blut und mal im Knochenmark praktisch gefangen werden."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann

Risiko für den Spender

"Zum einen bestehen bei einer Knochenmarksentnahme die üblichen Risiken der Allgemeinnarkose. Zum anderen bekommen die Spender bei der Spende von Blutstammzellen vorab ein Medikament gespritzt, das auch Nebenwirkungen haben kann. Diese Nebenwirkungen sind aber nur vorübergehend, sodass es bei nur wenigen Patienten wirklich medizinische Gründe gibt, warum man eine Spende nicht durchführen sollte. Langzeitnebenwirkungen bei einer Stammzell- oder Knochenmarkspende sind uns bisher nicht bekannt."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann

Erfolgsquote

Die Erfolgsquote hängt sehr davon ab, bei welcher Erkrankung transplantiert wird. Dazu kommen noch weitere Faktoren:

"Zum Beispiel, ob die Leukämie schon vor der Transplantation gut behandelt worden ist, wie alt der Patient ist, welche Begleiterkrankungen er mitbringt. Von daher ist es schwer, für den einzelnen Patienten eine genaue Vorhersage zu machen. Wir können nur sagen, wenn wir große Patientenzahlen sehen und diese Faktoren mitteln, dass wir mit der Transplantation je nach Situation zwischen 50 und 70 Prozent der Patienten heilen können."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann

Heilungschancen bei Kindern

Bei Kindern sind Tumorerkrankungen deutlich seltener als bei Erwachsenen. Bei Kindern kommen akute lymphatische Leukämien am häufigsten vor. Die Heilungschancen liegen hier recht hoch: 

"Wir können bei Kindern über 90 Prozent der Patienten mit akuten lymphatischen Leukämien heilen, das ist etwas, was im Erwachsenenalter bisher nicht erreicht werden kann."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann

Rückfallrisiko

Auch das Risiko eines Rückfalls besteht. Allerdings sinkt es nach einer gewissen Zeit.

"Wir wissen, dass die meisten Rückfälle innerhalb der ersten drei bis maximal fünf Jahre passieren, sodass wir in dieser Zeit den Patienten sehr eng beobachten."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann


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