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Bild im Bild Scene Hunting in Andalusien

Die einen sammeln Briefmarken, unsere Autorin jagt Filmszenen hinterher. Für das perfekte Foto verrenkt sie sich beim Scene-Hunting die Finger und fragt sich, warum Indiana Jones gerade beim Lieblingsfelsen der Nacktbader gedreht werden musste.

Von: Bettina Dunkel

Stand: 08.03.2018

Sevilla - Eine Stadt für Geschichte, Fantasy und einen ganz anderen Planeten

Seit "Game of Thrones"-Fans wissen, dass im Königspalast von Sevilla ein Teil ihrer Lieblingsserie gedreht wurde, ist der Alcázar ein Anlaufpunkt für Serienfans. Die Gartenanlage des mehr als 600 Jahre alten UNESCO Welterbes stellt in der Fantasy-Serie die fiktive Halbinsel Dorne dar – genauer: die Wassergärten von Sonnsperr, dem Sitz des Hauses Martell. Unter anderem wurde hier die Szene gedreht, in der Trystan Martell Prinzessin Myrcella seine Liebe gesteht.

Die geschichtsträchtige Altstadt von Sevilla hat allerdings schon lange vor "Game of Thrones" Filmteams angelockt. Anfang der 60er Jahre wurde hier der Film gedreht, der ganz Andalusien einen mehrere Jahrzehnte währenden Filmboom beschert hat: "Lawrence von Arabien".

Diverse Szenen, die im Film in Kairo, Jerusalem oder Damaskus spielen, wurden in Sevilla aufgenommen. Denn in der ganzen Stadt finden sich orientalische Einflüsse, die aus der Zeit der Maurenherrschaft stammen – farbenprächtige Mosaike, kunstvoll verzierte Torbögen und Innenhöfe mit kühlenden Brunnenanlagen, wie sie unter anderem im Alcázar zu finden sind. Der Königspalast taucht in "Lawrence von Arabien" ebenso auf wie eine weitere Hauptsehenswürdigkeit von Sevilla: die Plaza de Espana. Auch George Lucas war fasziniert von dem Platz und dem ihn umsäumenden Gebäude: Er hat hier eine winzige Szene für sein Weltraum-Epos "Star Wars" gedreht.

Mini Hollywood in der Desierto de Tabernas

Östlich von Sevilla liegt die einzige Wüste Europas. Die Desierto de Tabernas ist eine wilde Hügellandschaft, durchzogen von tiefen Schluchten. An die 300 Filme sind hier gedreht worden. Die Hochphase war in den 60er- und 70er-Jahren: Damals entstanden hier Klassiker wie "El Cid" mit Charlton Heston, "Cleopatra" mit Elizabeth Taylor und einige der bekanntesten Filme von Sergio Leone. Leone war es auch, der in der Wüste von Tabernas mehrere Westernstädte errichten ließ. Die begehbaren Filmkulissen sind mittlerweile vielbesuchte Touristenattraktionen und tragen so schöne Namen wie "Western Leone", "Fort Bravo" und "Mini Hollywood". Hier drehte der Meister der Spaghetti-Western unter anderem "Spiel mir das Lied vom Tod" und die komplette Dollar-Trilogie mit Clint Eastwood.

Die Zeiten, in denen Stars wie Clint Eastwood und Klaus Kinski in "Mini Hollywood" gedreht haben, sind allerdings schon lange vorbei. Heute werden in der  Ansammlung aus flachen Holz- und Steingebäuden eher Musikvideos, Kurzfilme oder mal eine Episode der britischen Serie "Dr. Who" gefilmt. Ach ja: Und Bully Herbig war auch mal da. Nebenan in "Fort Bravo" hat er einen Teil von "Der Schuh des Manitu" gedreht.

Mit Sean Connery an der Playa de Monsul in Cabo de Gata

Südlich der Tabernas-Wüste liegt der Cabo de Gata. Teil des Naturparks ist die Playa de Monsul: eine isoliert liegende Strandbucht, die als die schönste in ganz Spanien gilt. Klar, dass so eine Naturschönheit den Sprung nach Hollywood schafft. Bewundern kann man sie unter anderem in "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug".

Im dritten Teil von Steven Spielbergs Abenteuerreihe spielt Sean Connery den Vater von Indiana Jones. Während einer Verfolgungsjagd flüchten sie an einen Strand, ein Kampfflieger rast auf sie zu. Sean Connery schafft es aber mithilfe seines Regenschirms und einer Reihe aufgescheuchter Möwen, das Flugzeug zum Absturz zu bringen.

Möwen gibt es hier allerdings keine. Dafür jede Menge Tauben, die mehr oder weniger elegant durch den Sand staksen. Sie sind lebende Urban Legends. Denn angeblich sind sie die Nachfahren der Vögel, die für "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" an den Playa de Monsul gebracht hat. Tauben lassen sich im Gegensatz zu Möwen nämlich trainieren – Spielberg hat bei den Dreharbeiten also ein bisschen geschummelt.

Alle Beiträge der Sendung

  • Bild im Bild. Scene Hunting in Andalusien. Von Tina Dunkel
  • Ferne Galaxien in der Wüste. Wie viel Tunesien steckt in Star Wars? Von Werner Bloch
  • Ich seh' Dir in die Augen, Kleines. Mythos und Realität von Casablanca. Von Jens Borchers

Alle Songs der Sendung

  • Radio Tarifa - Las Cuevas
  • Youmni Rabii - Gouli Je T'Aime
  • Helge Schneider & Pete York - As Time Goes By

Moderation: Bärbel Wossagk


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