Bayern 2


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Biblisches Figurentheater Max Schmederer und seine Krippen

Krippen sind für einige an Weihnachten so unverzichtbar wie Christbaum und "Oh du fröhliche". Das Jesuskind auf Heu und Stroh, dazu Maria und Josef, Ochs und Esel, Engel und Hirten: All das gehört zum Stall von Bethlehem.

Von: Ulrich Zwack

Stand: 24.12.2018 | Archiv

Obwohl es die figürliche Darstellung des Geschehens im berühmtesten Stall der Welt mittlerweile für wenig Geld als komplettes Plastik-Ensemble "Made in China" zu kaufen gibt, setzen die echten Krippenfans natürlich auf Selbstgebautes und investieren dafür viel Zeit, Können und häufig auch hübsche Summen an Geld. Sie stehen damit in einer großen Tradition: Seit der Barockzeit beschäftigte man sich in katholischen Adelskreisen leidenschaftlich mit der szenischen Gestaltung des Weihnachtsgeschehens. Vor allem am Hof von Neapel gab es jedes Jahr eine Art Wettstreit, wer die schönste, die größte, die detailgetreuste Krippe besaß.

Neapolitanische Krippen

Straße in Neapel mit Marktszenen, Mitte oder zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts

Eine neapolitanische Gassenszene: Metzger, Gemüse- und Fischverkäufer. Passantinnen und Passanten aller Altersstufen. Fröhliche Zecher in einer Spelonca. Eine stillende Mutter. Ein Hufschmied. Und dazwischen auch noch Hund und Katz. Pferde und Hühner. Mediterranes Flair pur, sozusagen. Das Straßengewimmel ist Teil einer "neapolitanischen Krippe". Mit rund 40 cm großen Figuren. Ihre Köpfe aus gebranntem, sorgfältig bemaltem Ton zeigen eindrucksvolle Charaktergesichter, meisterhaft realistisch ausgearbeitet bis zur Nasenwarze oder dem Alterskropf. Ebenso die Hände, denen die überlangen Finger theatralische Ausdruckskraft verleihen.

Was der prächtigen Krippe allerdings auf den ersten Blick völlig zu fehlen scheint, ist das, was eine Krippe nach allgemeinem Verständnis eigentlich ausmacht, nämlich der Bezug zum biblischen Geschehen im Stall von Bethlehem. Kein Ochs und kein Esel, keine Hirten, keine Engel auf dem Felde. Stattdessen ein wahres Wimmelbild prallen italienischen Alltaglebens.

Max Schmederers Krippensammlung im Bayerischen Nationalmuseum

Schmederer kümmerte sich persönlich um die Aufstellung der Krippen

Max Schmederer mit einer neapolitanischen Krippenfigur (München, nach 1900)

Einige dieser Kunstwerke sind heute im Bayerischen Nationalmuseum in München zu bestaunen, Standort der bedeutendsten Krippensammlung der Welt. Sie geht zurück auf den Münchner Geschäftsmann Max Schmederer. Er kaufte Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts für seine Privatsammlung neben prächtigen neapolitanischen Krippen auch Exemplare aus anderen Regionen, insbesondere aus dem alpenländischen und alpinen Raum.

Schmederer übergab die Sammlung später dem Münchner Nationalmuseum und kümmerte sich dort auch persönlich um die Aufstellung. So prägen seine Vorstellungen einer idealen Krippeninszenierung bis heute das vertraute Krippenbild.


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