Bayern 2


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Überschreitung des Blaubergkamms Bergtour durch die Wolfsschlucht zur Blaubergalm

Manchmal sind schon regelrechte Völkerwanderungen unterwegs in den Tegernseer Bergen, aber auf der größten Bergtour, die es in der Umgebung des neuen Bergsteigerdorfs Kreuth gibt, ist man meist einsam unterwegs: auf der Überschreitung des Blaubergkamms ganz im Süden von Kreuth.

Von: Georg Bayerle

Stand: 07.07.2018

Von Kreuth durch die Wolfsschlucht zur Blaubergalm  | Bild: BR; Georg Bayerle

Den Zustieg kennen selbst viele Einheimische nicht, führt er doch durch einen der letzten Urwälder in den bayerischen Bergen.

Unterwegs mit zwei Tegernseerinnen

Nur dürftige Steigspuren leiten durch das von wilden Gräben und Schluchten durchzogene Gelände. Selbst Caro, Tegernseerin und Tourenführerin im Alpenverein, kennt diese Route nicht. Auf dem Weg liegt ein Urwaldrelikt, so abgelegen und unzugänglich, dass der Mensch hier niemals eine Axt angelegt hat. Hier wachsen Bäume, die Urwaldriesen gleichen, wie zum Beispiel eine 300 oder 400 Jahre alte Tanne mit über vier Metern Stamm-Umfang. Solche Eindrücke begleiten uns, als wir auf der Königsalm das bekannte und beliebte Wandergebiet betreten.

Drehort in der Schlucht

Der Steiner Schorsch, Wegewart der DAV-Sektion Kaufering, ist in diesen Wochen mit einer Handvoll Männer am Wanderweg tätig, den es arg ausgewaschen und mitgenommen hat. Das Prädikat Bergsteigerdorf bringt auch die Fördermittel. Weiter oben führt dieser Wanderweg um den Schildenstein herum, bis der bekannte alpine Aufstieg von der Wolfsschlucht einmündet. Dann geht es auf die Rückseite der Blauberge zur Blaubergalm. Ein tibetisch anmutendes Glöckchenkonzert weckt uns anderntags im Morgengrauen, in dem die bewaldeten Bergketten Richtung Achensee im Dunst tatsächlich verbläuen. Kälbchen, rosige Ferkel und ein paar Milchkühe beleben die Alm.

Der Blaubergkamm über der Wolfsschlucht

Der Tiroler Almbauer Meinrad betreibt mit dem Sohn und seiner Frau Pauline eine komplette Selbstversorgerwirtschaft. Alles, was es hier gibt, haben sie selbst erzeugt, vom Graukäse über die Butter bis zur Buttermilch. Es schmeckt alles wunderbar. Pauline kommt aus den Niederlanden. Ihr Mann war einst ihr Skilehrer im Winterurlaub – über 30 Jahre ist das her. Seitdem lebt sie 1500 Meter über dem Meeresspiegel statt wie früher auf Meereshöhe. Stundenlang schauen wir von oben auf die Landschaft zwischen Tegernsee und Achensee, den felsigen Guffert immer direkt vor Augen. Dem Grenzverlauf Bayern – Tirol folgt die Blauberge-Überschreitung bis zum höchsten Punkt, der 1862 Meter hohe Halserspitz, bevor es in weitem Bogen zurück ins Tal. geht. Gut eineinhalb Tage waren wir unterwegs, zwischen den Becken mit Saiblingen und Forellen kehren wir nun in der Fischzucht an der Hofbauernweißach ein. Auf ganz unterschiedliche Weise zeigt die Tour den besonderen Wert der Landschaft für uns, die wir in und mit ihr leben. Das Bergsteigerdorf Kreuth verfügt hier über einen besonderen Schatz, der hier und da noch unberührt durch die Zeit gekommen ist.

Dem neuen Bergsteigerdorf Kreuth widmet sich im BR Fernsehen auch Bergauf-Bergab am morgigen Sonntag, 8. Juli, um 18.45 Uhr mit der Tour über die Blauberge und einer Kletterei am Leonhardstein.

Die Blaubergalm


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