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Luftverschmutzung Stickoxidbelastung: So dreckig sind deutsche Großstädte

Bislang galt die Landshuter Allee als die dreckigste Straße in München. Neu aufbereitete Daten zeigen: Die Stickoxidbelastung überschreitet den Jahresgrenzwert von 40 µg/m³ in vielen deutschen Großstädten und zwar fast flächendeckend.

Stand: 16.01.2019

Stickoxidbelastung in München  | Bild: Greenpeace/BR

Das Abgas Stickstoffdioxid reizt und schädigt die Lunge und erhöht das Risiko für Asthmaerkrankungen. Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamts schätzt, dass im Jahr 2014 mehr als eine Million Krankheitsfälle auf das Reizgas zurückzuführen sind, ebenso wie 6.000 vorzeitige Todesfälle.

In vielen deutschen Großstädten wird der Jahresgrenzwert von 40 µg/m³ weit überschritten und zwar nicht nur an einzelnen Stellen, das geht aus offiziellen Modellierungsdaten hervor, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace aufbereitet hat.

Dreckige Luft an der Isar

So wird in München in der Frauenstraße nahe des Viktualienmarkts mit über 80 µg/m³ ein ähnlicher Wert erreicht wie an der Landshuter Allee, die bislang als dreckigste Straße in der bayerischen Landeshauptstadt galt. Noch höher ist die Stickstoffdioxidbelastung in der Kapuzinerstraße nahe der Isar. Dort liegt der ermittelte Wert bei über 100 µg/m³. Für die Umweltschutzorganisation Greenpeace steht deshalb fest: "München ist Stickoxid-Hauptstadt."

München: Nicht nur politisch rot-schwarz

Straßenabschnitte in denen der gesetzliche Grenzwert von 40 µg/m³ überschritten wird, sind auf der Karte rot eingefärbt. Ab einem Wert von 60 µg/m³ wird die Farbskala dunkelrot und ab 80 µg/m3 schwarz. Bayerns Landeshaupt ist demnach nicht nur politisch rot-schwarz.

Deutsche Umwelthilfe: Schlechte Luft in ganz Bayern

Die Belastung mit Stickstoffdioxid betrifft aber nicht nur Großstädte. Bayern steht in Sachen Luftverschmutzung insgesamt nicht gut da. Das zeigte bereits im vergangenen Jahr eine Auswertung der Deutschen Umwelthilfe von über 500 Messstationen im Freistaat.

Nach den Worten des Greenpeace-Verkehrsexperten Benjamin Stephan kann sich jeder Münchner anhand der Karte ein Bild machen, "wie fahrlässig Ministerpräsident Markus Söder flächendeckende Luftverschmutzung ignoriert". Notwendig seien Fahrverbote und Alternativen zum Autoverkehr. "Die bisherige Autofixierung des Münchner Verkehrs führt dazu, dass die Lebensqualität in der Stadt auf dem Spiel steht." Die Zukunft gehöre einer abgasfreien Innenstadt, in der Diesel-, aber auch Benzinmotoren nichts mehr zu suchen hätten.

Umweltreferat München widerspricht

Das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) in München bewertet die Stickoxid-Situation in der Landeshauptstadt weniger dramatisch als Greenpeace und bezieht sich dabei auf eigene Messungen. München halte nicht an allen Stellen den Jahresgrenzwert von 40 µg/m³ ein, räumt Umweltreferentin Stephanie Jacobs ein. Allerdings sei ein "erfreulicher Trend" erkennbar, wenn man die tatsächlichen Messungen des RGU von 2018 den errechneten Daten des Freistaats von 2015 gegenüberstelle. Demnach seien die Messwerte nur noch an Verkehrsknotenpunkten dauerhaft zu hoch.
"Wir arbeiten mit unserem Masterplan zur Luftreinhaltung mit Hochdruck daran, die Werte weiter zu verbessern."


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