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Mittel- und Rückfußerkrankungen Beispiel Knick-Senkfuß

Mediziner sprechen dabei vom "Pes plano valgus", der sich bei der körperlichen und radiologischen Untersuchung meist einfach erkennen lässt, denn dabei knickt der Rückfuß nach innen ab (Knickfuß), und das Längsgewölbe sinkt ab (Senkfuß bzw. Plattfuß). Im Anfangsstadium empfehlen Orthopäden, individuell angepasste Einlagen zu tragen und Kräftigungsübungen z.B. nach dem Prinzip der Spiraldynamik zu machen.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 22.07.2019

Typische Fußprobleme einer Frau: Schmerzen aufgrund falschen Schuhwerks - im Bild: Eine Frau hält sich den Fuß, nachdem sie einen ihrer hochhackigen Schuhe ausgezogen hat | Bild: picture-alliance/dpa

Da ein Knick-Senkfuß vier unterschiedlich stark ausgeprägte Formen annehmen kann, sieht die Therapie jeweils verschieden aus.

Tibialis posterior Sehne

Ein Großteil aller Knick-Senkfüße wird verursacht durch die Fehlfunktion einer bestimmten Sehne am Innenfuß (Sehne des Musculus tibialis posterior), sie führt um den Innenknöchel herum und setzt am Übergang von Mittel- zu Rückfuß an einem Knochenhöcker des Kahnbeins an. Reißt diese Sehne (der Länge nach) oder degeneriert sie, dann fällt ihre sehr wichtige Halt- und Stützfunktion weg, das Fußgewölbe sinkt ein, der Fuß wird platt (englisch: "flat foot").

Andere Ursachen

Das sogenannte Pfannenband scheint eine ebenso wichtige Rolle wie die Tibialis posterior-Sehne zu spielen. Ist dieses Band ausgeleiert ("elongiert") oder gar gerissen, so kann auch eine gesunde Sehne dieses Defizit nicht auf Dauer kompensieren und der Fuß kollabiert. Auch beim Knick-Senkfuß kann eine familiäre Veranlagung eine Rolle spielen, in seltenen Fällen haben Patienten auch eine ungewollte Verschmelzung von Knochen (tarsale coalitio). Darüber hinaus kennen Mediziner noch etwa ein Dutzend anderer, weniger häufige Ursachen. Insofern ist die Kenntnis der genauen Ursache für die Wahl der korrekten Therapie wichtig.

Einlagen

Ein Knick-Senkfuß im Anfangsstadium kann mit Hilfe fachgerechter Einlagen in vielen Fällen aufgehalten werden - allerdings müssen sie individuell angefertigt sein und auch regelmäßig getragen werden. Ist der Fuß schon stärker deformiert, können Einlagen alleine nicht dafür sorgen, dass die Erkrankung aufgehalten wird, dann ist eine Operation des Knick-Senkfußes nötig.

Operation

Grob zusammengefasst teilen Mediziner die Ausprägung des Knick-Senkfußes in vier Stadien ein. In der ersten Stufe muss man nicht unbedingt operieren, bei Stadium zwei sollte man es tun, denn sonst verschlimmert sich das Problem, erreicht also Stadium drei oder vier. Muss operiert werden, dann korrigieren Orthopäden in den Stadien drei und vier diejenigen Gelenke mittels Versteifung, die hauptverantwortlich für die Fehlstellung sind. So eine Versteifung lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Insofern ist es umso wichtiger, einen Knick-Senkfuß möglichst frühzeitig korrekt zu therapieren. Im Stadium zwei, dem flexiblen Knick-Senkfuß, muss nicht versteift werden. Hier erfolgt in der Regel eine Verstärkung der geschwächten Sehne und eine knöcherne Korrektur ohne Versteifung.

Plantarfasziitis (Fersensporn)

Bei dem Fußproblem des Fersensporns unterscheiden Mediziner zwei Formen. Die bekanntere ist die plantare Variante am Fersenbein, unten an der Fußsohle. Diese wird auch als Plantarfasziitis bezeichnet. Die andere Form (dorsal) sitzt hinten an der Ferse. Die Ursache der Plantarfasziitis ist eine Überreizung und Überlastung der Plantaraponeurose, einer Sehnenplatte, die das Fußgewölbe aufrechterhält. Diese Überreizung kann durch eine verkürzte Wadenmuskulatur ausgelöst werden, Übergewicht oder bestimmte Fußdeformitäten. Patienten haben bei jedem einzelnen Schritt einen stechenden Schmerz an der Ferse und berichten typischerweise über einen Anlaufschmerz beim morgendlichen Aufstehen aus dem Bett oder nach längerem Sitzen.

Dorsaler Fersensporn

Der dorsale Fersensporn, der im hinteren Bereich der Ferse entsteht, dort, wo die Achillessehne am Knochen festgewachsen ist, bildet sich möglicherweise durch einen Schuhkonflikt. Da diese Veränderungen aber bereits an prähistorischen menschlichen Skeletten nachweisbar sind, müssen auch andere Gründe wie genetische Veranlagung, Stoffwechselerkrankungen und mechanische Überlastung als Ursachen diskutiert werden.

Knochennase

Früher vermuteten Mediziner, die Schmerzen bei der Plantarfasziitis hängen hauptsächlich von einer knöchernen Ausziehung an der Unterseite der Ferse ab. Heute weiß man, dass so eine Knochennase ein Hinweis auf eine Plantarfasziitis darstellen kann. Sie muss aber nicht dafür verantwortlich sein. Außerdem kann die Plantarfasziitis auch ohne diesen Knochensporn entstehen.

"Deswegen wird dieses Fußproblem meist passender als Plantarfasziitis und nicht als plantarer Fersensporn bezeichnet."

Dr. med. Andreas Toepfer

Gezielte Übungen

In weit über 90 Prozent der Fälle muss man eine Plantarfasziitis nicht operieren, sondern kann mit Hilfe einer Kombinationstherapie aus gezielten Dehnübungen, Einlagen und Lagerungsschienen, die in der Nacht getragen werden, gute Erfolge erzielen. Allerdings müssen Patienten geduldig drei Monate oder länger regelmäßig selbstständig üben, doch dann können sie wieder beschwerdefrei werden. Hartnäckige Ausprägungen können außerdem gut durch bestimmte Infiltrationsbehandlungen (zum Beispiel Spritzentherapie mit Eigenblut) und mit Hilfe einer Stoßwellentherapie erfolgreich behandelt werden.

Übung 1

Dehnung der ischio-cruralen Muskulatur vom Gesäß bis zur Zehenspitze (bei gestrecktem Bein).

Übung 2

Übungen bei Plantarfasziitis | Bild: TU München / Dr. Töpfer

Dehnung mit dem Handtuch (jeden Morgen vor dem Aufstehen für 10 Minuten).

Übung 3

Dehnung an der Treppenstufe. Vier mal täglich für je zehn Minuten. Die Ferse dabei für je 30 Sekunden nach unten drücken.

Wer ist betroffen?

Anfällig für eine Plantarfasziitis sind Menschen mit Übergewicht und diejenigen, die im Alltag oft lange stehen und gehen müssen - wer zum Beispiel im Einzelhandel arbeitet, kann sich nicht einfach hinsetzen und ausruhen. Anlagebedingt und durch das dauerhafte Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen können sich jedoch die Wadenmuskeln bis hin zum Gesäß verkürzen, das spürt man als Patient nicht, man fühlt sich jedoch möglicherweise weniger gelenkig. Die verkürzten Muskeln sorgen allerdings für eine enorme Spannung im Fuß.

Eher Frauen als Männer

Die Plantarfasziitis tritt meistens bei Erwachsenen ab dem 40. Lebensjahr auf, viele (aber nicht alle) haben Übergewicht, bei einigen sind die Füße deformiert und bei den meisten Betroffenen ist die Wadenmuskulatur verkürzt. Generell sind etwas mehr Frauen als Männer betroffen.

Dorsale Variante

Weniger häufig tritt die dorsale Form des Fersensporns auf, dieser sitzt unter dem Ansatz der Achillessehne, an der Stelle, an der die Sehne am Fersenbein festgewachsen ist. Dieser dorsale Fersensporn ist hartnäckiger als die plantare Variante, denn er ist längst nicht so leicht zugänglich. Bildet sich ein großer Knochensporn, der im Schuh stört, reibt und schmerzt, dann kann man ihn nur operativ entfernen.


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