Bayern 2


18

Auf Kur mit Gerd Begegnung mit Holocaust-Überlebendem in Deutschland

Gerd Maschkowski ist 94 Jahre alt, hat das Konzentrationslager Auschwitz und die Todesmärsche überlebt. Er wohnt in Kalifornien, kommt aber regelmäßig nach Deutschland, um seine Geschichte zu erzählen. Gabriele Knetsch hat ihn zur Kur in Bad Boll begleitet.

Von: Gabriele Knetsch

Stand: 06.11.2019

Gerd Maschkowski, 94, aus San Diego, Kalifornien, ist einer der letzten Überlebenden von Auschwitz und der Todesmärsche. Jedes Jahr kommt Maschkowski für drei Wochen nach Deutschland, auf Kur nach Bad Boll auf der Schwäbischen Alb – um die Schmerzen an seinem Rücken zu lindern.

Sie erinnern ihn ein Leben lang daran, wie SS-Hauptscharführer Bernard Rakers ihn so verprügelte, dass er nur knapp überlebte. Gabriele Knetsch begleitete Maschkowski und tauchte mit ihm ab in die schmerzhaften Erinnerungen an seine Lager-Zeit.

Überleben war alles

Gerd Maschkowski war 17, als er nach Auschwitz kam. Die SS-Schergen schickten ihn ins Lager Auschwitz III Monowitz, genannt "Buna". So hieß der synthetische Kautschuk, den die IG Farben von Häftlingen produzieren ließ. Neben einem weiteren Produkt namens Zyklon B. Dieses Gas wurde ursprünglich zur Insektenvernichtung eingesetzt – und später zur Vernichtung der Juden in Auschwitz. Maschkowski wurde in Auschwitz die Häftlingsnummer 117028 eintätowiert, die noch heute an seinem Arm sichtbar ist. Maschkowski überlebte, weil er jung und stark war – er konnte arbeiten.

"Der Judenrat in Berlin hat uns gesagt: Kleidet euch in schwere Arbeitskleidung. Wie ein Arbeiter. So kamen wir zu Selektion. Rechts heißt Arbeit. Links heißt Gas."

(Gerd Maschkowski)

Maschkowski kam nach rechts. Das bedeutete: Zwangsarbeit in Auschwitz III Monowitz. Er trug schwere Zementsäcke im Zementkommando, dann grub er Gräben, um Kabel für Siemens zu verlegen. Schließlich rettete er sich durch einen Bürojob – sein Meister beschützte ihn. Immer wieder hat Gerd Maschkowski Glück gehabt. Außerdem war der Zionist gut vernetzt – ältere Mithäftlinge setzten sich für ihn ein. Er und zwei Freunde gingen durch Dick und Dünn.

Der Todesmarsch

Gerd Maschkowski und seine beiden Freunde wurden auf den Todesmarsch geschickt, als die Truppen der Roten Armee näher rückten. Für Maschkowski die schlimmste Erfahrung seines Lebens. Dreieinhalb eisige Monate lang musste er marschieren – vom 17. Januar bis zum 23. April 1945. Nur wenige haben überlebt. Einer war Gerd Maschkowski.

"Jeder, der hingefallen ist, wurde erschossen. Und – das hört sich jetzt nicht schön an – wir haben sie ausgezogen. Ich hatte schließlich fünf Mäntel an. Es war doch kalt!"

(Gerd Maschkowski)

Auf dem Todesmarsch wäre Gerd Maschkowski beinahe gestorben – erfroren. Durch Erschöpfung umgekommen. Doch seine zwei Freunde schleppten ihn weiter.

Überleben, um alles zu berichten

Alle drei Freunde haben die "Befreiung" überlebt. Sie hatten sich geschworen, darüber Zeugnis abzulegen, was die Nationalsozialisten den Menschen im Lager und auf dem Todesmarsch angetan hatten:

"So lange wir leben, werden wir berichten. Nicht erzählen, sondern berichten. Erzählen heißt eine Geschichte erzählen, ob sie wahr ist oder nicht. Ich werde berichten."

(Gerd Maschkowski)

Gerd Machkowski und Gabriele Knetsch.

Gerd Maschkowski besucht Schulen und Buchhandlungen, gibt Journalisten Interviews. Knapp 75 Jahre danach will er in Deutschland das Versprechen einlösen, das sich die drei Freunde gegeben hatten: Auschwitz nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.


18