Bayern 2


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Ein großes Hörbuch-Glück Mirjam Pressler: "Ich bin's, Kitty"

Kitty ist eine rotbraun getigerte Katze, mit etwas zu kurzen Beinen und interessant auseinander stehenden Augen. Sie lebt in einem Reiheneckhaus bei der pensionierten Lehrerin Emma Schwerdt und ist die Ich-Erzählerin des wunderbaren neuen Kinderbuchs von Mirjam Pressler, in der Hörbuchfassung gelesen von Andrea Sawatzki: "Ich bin's, Kitty".

Von: Christoph Leibold

Stand: 20.02.2018

Moderator Christoph Leibold mit Hörbuch "Ich bins Kitty" von Mirjam Pressler in der Hand | Bild: BR/Patrick Heiß

Kitty führt bei Emma ein recht behagliches Leben. Von ihr lernt sie aber nicht nur, das eigene kleine Glück zu schätzen, sondern auch die großen Ungerechtigkeiten dieser Welt nicht einfach achselzuckend hinzunehmen. Emma erklärt Kitty, was Solidarität, Hilfsbereitschaft und Empathie sind.

Was diese Werte wirklich bedeuten, versteht Kitty aber erst viel später, als sie nicht mehr bei Emma ist. Denn Emma ist schon alt, Ende 70, also übrigens ziemlich genau so alt wie Autorin Mirjam Pressler. Eines Tages wird Emma krank und zum Pflegefall, muss ins Heim.                                                                                   

"Wie sollte ich überleben, wenn Emma wirklich längere Zeit nicht zurück kam? Daran, dass sie vielleicht überhaupt nicht mehr zurückkommen würde, wollte ich gar nicht denken. Das verbot ich mir ganz einfach. Allerdings brachte das nicht viel. Mein dummer Kopf wollte mir nicht gehorchen. Auch wenn ich nur an die nächsten Tage oder Wochen denken wollte, lauerte hinter den Überlegungen das Bild von Emma an Schläuchen. Und darüber schwebte ein drohendes 'Vielleicht-nie-Wieder'."

Auszug aus dem Buch

Von der Schoßkatze zur Streunerin

Notgedrungen wird Kitty von der Schoßkatze zur Streunerin. Der Abschied von ihrem alten Dasein mit Emma fällt ihr unendlich schwer. Aber Kitty findet neue Gefährten. Die grünäugige Flecki zum Beispiel, die zu ihrer "Als-ob-großen-Schwester" wird. Oder den alten, weisen Kater Bruno, mit dem Kitty über das Leben im Allgemeinen philosophiert, aber auch über aktuell drängende Fragen.

Als aus einem Bürgerkriegsgebiet fremde Katzen in die Nachbarschaft kommen, und viele heimische Katzen fürchten, die Mäuse könnten knapp werden, machen sich Bruno, Flecki und Kitty stark für das Teilen und die Toleranz.

Mirjam Pressler hat eine Tiergeschichte geschrieben, aber natürlich geht es um Fragen, die Menschen bewegen.                                              

"Entscheidet sich ein Geschöpf zur Güte? Ich meine, steht es ihm frei zu sagen: Ich will zu den Guten gehören!? Oder kann ein Böser nichts anderes tun als böse zu sein? Und sollte deshalb von uns eher nachsichtig und sogar liebevoll behandelt werden, damit er am eigenen Leib erfährt, dass er ein eigenes Leben haben könnte, wenn er es nur wollte. Schließlich ist es allemal angenehmer geliebt zu werden als gefürchtet."

Auszug aus dem Buch

Eine Geschichte auf leisen Pfoten

Mirjam Pressler: "Ich bin's, Kitty"

"Ich bin’s, Kitty" dreht sich um die wesentlichen Dinge im Leben, und Mirjam Pressler beweist, dass man Wichtiges verhandeln kann, ohne wichtigtuerisch aufzutrumpfen. Die Geschichte, die sie erzählt, kommt auf leisen Pfoten daher. Andrea Sawatzki ist dabei eine großartige Interpretin, die gleichfalls nie großspurig liest oder ihre Stimme ins Extreme verstellt, um Menschen und Katzencharaktere zu zeichnen. Feine Nuancen reichen ihr völlig. Sawatzki schmiegt sich dem Text an, wie Kitty in Emmas Schoß.

Man möchte wohlig schnurren beim Zuhören, muss aber immer wieder auch die Ohren aufstellen, wenn's ans Eingemachte geht. Denn Pressler fährt mit ihrer Geschichte keinen reinen Schmusekurs. Nach Emma verliert Kitty auch irgendwann ihren Freund Bruno, der altersschwach stirbt.                                            

"Sterben ist nicht schlimm, wenn man alle sieben Leben gelebt hat, sagte er. Es ist nur dann schlimm, wenn zwei oder drei Leben fehlen. Und wenn man sich voll Bedauern fragen muss, was man wohl alles versäumt hat. Warum müssen wir eigentlich sterben?, fragte ich. Ach, Kitty. Bruno wurde auf einmal sehr ernst. Wir müssen sterben, um Platz für die nächsten Generationen zu machen. Unsere Kinder und Kindeskinder wollen auch leben. Und sie wollen die Nachkommen der Mäuse fangen, die wir übrig lassen mussten."

Auszug aus dem Buch

Nicht nur für Kinder, nicht nur für Katzenliebhaber

Es ist ein manchmal trauriges, aber immer auch tröstliches Buch, das Mirjam Pressler geschrieben hat. Unaufgeregt in der Sprache, aber tief berührend und anregend. Und so ist "Ich bin’s, Kitty" sicher nicht nur was für Kinder. Und auch nicht nur was für Katzenliebhaber.

Die Hörbuchlesung mit Andrea Sawatzki ist im Audio Verlag erschienen. Wer die Geschichte gerne selber lesen möchte: das Buch  – mit wunderschönen Illustrationen von Rotraut Susanne Berner – ist bei Beltz und Gelberg erschienen, es kostet 14,95 Euro.                    

"Glück ist - wenigstens für mich, und vielleicht überhaupt für alle Katzen - eine sehr sehr seltene Empfindung. Es fühlt sich an wie ein sanftes Summen. Tief in meinem Inneren. Es ist ein warmes Gefühl, das sich vom Bauch aus ausbreitet und bis in die Pfoten fließt."

Auszug aus dem Buch


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