Bayern 2


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Blut, Stahl und Edelweiß Bayerische Soldaten im Dolomitenkrieg

Begeistert reisten Bayerns Soldaten im ersten Jahr des Ersten Weltkriegs in die Südtiroler Berge, um dort im Alpenkrieg die österreichischen Truppen gegen Italien zu unterstützen. Doch der Einsatz in den Dolomiten wurde alles andere als ein Urlaub.

Von: Justina Schreiber

Stand: 03.10.2018 | Archiv

"Liebe Tante Lina. Unser Schneeschuhbataillon ist auf der Reise nach der Südgrenze. In München oder auf dem Lechfeld werden wir noch zusammengestellt. Dann geht’s weiter. Die Reise ist furchtbar lustig. Viele Grüße von Deinen 5 Neffen."

(Johann, Franz, Kurt, Friedrich und Wilhelm Feustel)

Was für ein Abenteuer!

Johann, Franz, Kurt, Friedrich und Wilhelm Feustel jubelten. Die fünf aus der Oberpfalz stammenden Brüder durften mit dem 1. Bayerischen Schneeschuh-Bataillon in den Alpenkrieg ziehen. Die sportlichen jungen Männer, die noch dazu gut Skilaufen konnten, freuten sich auf ein schönes "Gipfelpöstle", also auf eine Stellung im Hochgebirge der Dolomiten. Zwei Wochen später war schon einer von ihnen tot. Erschossen auf einem Patrouillengang im Pellegrinotal.

"Das bayerische Kriegsministerium, hat ja dem Landeskommando in Innsbruck den Vorschlag gemacht: Wenn der Krieg gegen Italien beginnt, schicken wir ihnen das Alpenkorps, dann (…) am 25. Mai 1915 standen die Bayern bereit, waren über 25.000 Mann."

(Rudolf Holzer, Dorf-Chronist von Sexten)

Die Alpenfront im Ersten Weltkrieg

Frontverlauf 1915-1917

Die Front des Gebirgskrieges zwischen Österreich-Ungarn und Italien im Ersten Weltkrieg verlief zwischen 1915 und 1917 vom Stilfser Joch über den Ortler bis zum nördlichen Gardasee und östlich der Etsch über den Pasubio bis zu den Sieben Gemeinden.

Italien beendete die Allianz mit Deutschland und Österreich-Ungarn

Italien, lange mit Deutschland und Österreich-Ungarn verbündet, kündigte die Allianz auf, erklärte Österreich-Ungarn am 23. Mai 1915 den Krieg und stellte an der neuen Frontlinie zwischen Ortler und dem Golf von Triest über 100.000 Soldaten auf. Die 30.000 Mann auf der gegnerischen Seite waren eigentlich ein Klacks dagegen. Trotzdem schafften es die italienischen Alpini nicht, Tirol sofort zu "überrennen".

"Der Italiener brachte die schweren Geschütze erst Mitte Juli."

(Rudolf Holzer, Dorf-Chronist von Sexten)

Ein Stellungskrieg war vorprogrammiert. Denn für das Alpenkorps, das ja nur "Nothilfe" leisten sollte, lautete die Order aus Berlin: Zurückhaltung üben. Defensiv bleiben.

Gebirgshaubitze

"Die Bayern kamen nur, um mit den schweren Waffen die Tiroler zu unterstützen. Sie durften ja nicht angreifen, weil Italien hatte Deutschland keinen Krieg erklärt. Das kam erst im nächsten Jahr, im August 1916."

(Rudolf Holzer, Dorf-Chronist von Sexten)

Die Historikerin Sigrid Wisthaler

"Wir haben ein Kriegstagebuch, wo ein deutscher Soldat beschreibt, wie er Ende Juli 1915 mit seinen Kameraden über eine Steilrinne (zur 2.600 Meter hoch gelegenen Stellung 'Elferscharte') ein Geschütz hochzieht. Und er beschreibt, wie gefährlich es gewesen ist: hier sind ständig Steine herunter gepoltert und sie haben für diesen kleinen Abschnitt, für diese 600 Höhenmeter, 8 Stunden gebraucht.

Bis auf eine Höhe von etwa 2.000 Metern konnten sie mit Maultieren die Geschützteile hochtragen. Danach haben sie sie abgeladen, die Maultiere sind wieder zurück ins Tal getrottet und die Soldaten mussten die Geschützteile selber hochtragen."

(Sigrid Wisthaler, Historikerin vom Verein 'Bellum Aquilarum' in Sexten)

"Waffenhilfe" für Österreich

Die Österreicher verliehen ihren bayerischen Kampfgenossen zum Dank das Edelweiß-Abzeichen

Auch wenn die Italiener nicht so schnell vorrückten wie befürchtet: Die "Waffenhilfe", die das deutsche Militär zwischen Mai und Oktober 1915 den verbündeten österreichischen Truppen in Tirol leistete, kam eben doch keinem Urlaub gleich. Das eigens und eilends vor allem aus Bayern zusammengestellte Alpenkorps musste den Gebirgskampf erst erlernen. Und zwar von den schlecht ausgerüsteten Österreichern, die sich für die Dienste der schneidigen Kampfgenossen bedankten, indem sie dem deutschen Armeeverband das Edelweiß als Abzeichen verliehen. Bis heute kennzeichnet es die Gebirgsjäger der Bundeswehr.

Ausstellungstipp:

Aus Steinen erbauter Schutzwall aus dem Ersten Weltkrieg (Freilichtmuseum Anderter Alpe)

Unvergessen.
Der Erste Weltkrieg in den Sextener Dolomiten 1915‑1918


Die Sextener Dolomiten waren als Teilabschnitt der Südwestfront während des Ersten Weltkrieges Schauplatz heftiger militärischer Auseinandersetzungen. In Höhen von über 2900 Meter versuchten Österreicher wie Italiener unter widrigsten Bedingungen ihre Stellungen zu verteidigen, auszubauen und neuen Raum zu erkämpfen. Dieser Krieg hinterließ seine Spuren nicht nur in felsigen Höhen. Er zog ebenso die Zivilbevölkerung in den Tälern in große Mitleidenschaft.

Freilichtmuseum Anderter Alpe
BELLUM AQUILARUM
Kirchweg 9
I-39030 Sexten (BZ)
E-Mail: info@bellumaquilarum.it
(Sommer 2018 leider wegen Umbauarbeiten geschlossen! Einige Ausstellungsstücke können im Sommer in der Festung Mitterberg besichtigt werden.)

Webseite: www.bellumaquilarum.it

Buchtipp:

Zeugnisse von der Dolomitenfront 1915:
Das Alpenkorps in Bildern, Berichten und Biografien

  • Autor: Immanuel Voigt
  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Athesia Tappeiner Verlag; Auflage: 1 (27. September 2017)
  • ISBN-10: 8868392887
  • ISBN-13: 978-8868392888

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