Bayern 2


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Kraftplatz Kanapee Do legst di nieda!

In der Ruhe liegt die Kraft. Und zur Ruhe kommt man am besten auf einem Kanapee. Auch und besonders in Bayern hat dieses Liegemöbel eine lange und segensreiche Geschichte. Legen Sie sich hin, hören Sie zu, tanken Sie Kraft ...

Von: Thomas Grasberger

Stand: 02.05.2020 | Archiv

Das Kanapee ist seit jeher mehr als nur ein einfaches Möbelstück. Philosophen haben darauf ihre Systeme ersonnen, Müßiggänger ihre Träume schweifen lassen, Poeten ihre Gedichte verfasst und Könige ihre Mätressen be...wundert.

Ein höchst flexibles Ruhemöbel

Aber natürlich kann man so ein Kanapee auch gutbürgerlich nutzen, für ein gepflegtes Mittagsnickerchen im eigenen Wohnzimmer oder im Büro. Schließlich handelt es sich ja um ein höchst flexibles Sitz-, Liege- und Ruhemöbel, das schon in der griechischen Antike dem Menschen Halt und Mitte bot.

Altes Kanapee in einem Bauernhof von 1734 (Bauernhaus-Museum Wolfegg, Allgäu)

"Das Kanapee ist einfach ein unheimlich bequemes Möbel. Inzwischen nimmt man es nicht mehr zum Essen her wie die alten Römer, aber gebraucht wird es immer noch.

Das ist das, wo die Leute früher ihre Mittagspause drauf gemacht haben, wenn sie zuhause gearbeitet haben. Das ist so ein Ruhemöbel. Das setzt schon einen gewissen Wohlstand voraus und Platz, weil es nicht das Sofa ist, auf dem alle sitzen, um fern zu sehen, sondern das ist meistens für eine Person. Und für die zum Ausruhen. (...)

Ja, das Wohnen hatte früher einen anderen Stellenwert. So ein Kanapee wurde auch für mindestens ein ganzes Leben angeschafft. (...) Daran sehen sie selber: Moderne Möbel halten ca. 10, 15 Jahre, dann zerfällt der Schaumstoff in Einzelteile. Die sind oft auch nicht zum Wiederaufrichten gedacht. Diese Möbel werden so gearbeitet und so aufgeschäumt, dass ein vernünftiges Aufpolstern gar nicht mehr möglich ist."

(Hartmut Ballack, Polsterer)

Magischer Kraftort

Polsterer bei der Arbeit

Seine eigentliche Bestimmung als magischer Kraftort hat das Kanapee freilich erst in Bayern entfaltet. Aber was, wenn das gute Stück eines Tages zu schwächeln beginnt – weil der Bezug durchgescheuert ist, vom vielen Meditieren, und unten schon die Federn rausspringen? Ab zum Polsterer? Oder muss der Kraftsuchende gleich selbst auf die Freudsche Couch?

Chaiselongues, Kanapees, Sofas und Ottomanen

Autor Thomas Grasberger auf seiner renovierten "Ottoman"

Thomas Grasberger hat so ein Kanapee-Trauma durchleben müssen.

Seine Suche nach alternativen Liegemöglichkeiten wird zu einer akustischen Odyssee durch die wunderbar entspannte Welt der Chaiselongues, Kanapees, Sofas und Ottomanen.

"Kanapee kommt vom Griechischen konopeion, schreibt Friedrich Kluge in seinem Etymologischen Wörterbuch. Das Konopeion ist ein Lager mit Mückennetz. Ein echtes Tropenmöbel also! Genau das richtige für die Steppen Afrikas, mit ihren ziegelroten Termitenhügeln und jenen Zwergpalmen, die einst die Blätter meiner Ottoman trugen. Ach ja, mit dem Kanapee gehört Dir einfach die ganze Welt!"

(Thomas Grasberger)


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