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Täter oder Opfer? Die Bauern und der Klimawandel

In Deutschland gibt es einen Klimaschutzplan. Darin steht, wie viel Treibhausgase jeder Sektor künftig einsparen muss. Die Landwirtschaft zum Beispiel darf bis 2030 nur mehr rund zwei Drittel der Menge an Klimagasen in die Luft blasen wie noch 1990. Denn vor allem in der Tierhaltung fallen große Mengen an Treibhausgasen an. Eine riesige Herausforderung für die Bauern, weil sie wie kaum eine andere Berufsgruppe unter den Folgen des Klimawandels schon leiden und noch mehr leiden werden. Aber ein "Weiter so" hat keine Zukunft.

Von: Tobias Chmura, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 09.11.2017

Trockenphasen, Hitzewellen - das sind nur die ersten Auswirkungen des Klimawandels. Und es betrifft nicht mehr nur die fernen Länder in den Tropen oder die Südseeatolle, sondern es geschieht vor unserer Haustür. In Unterfranken zum Beispiel. Nach 2003 waren auch 2011 und zuletzt 2015 extreme Trockenjahre. Seit fünf Jahren ist die Regenmenge, die in Unterfranken vom Himmel fällt, jedes Jahr zu gering. Gleichzeitig steigt aber die Durchschnittstemperatur und dadurch verdunstet auch mehr Wasser. Doch nicht die Änderung des Klimas ist die große Herausforderung für die Landwirte, sondern die Geschwindigkeit, mit der sie sich ereignet.

Archivbild

"Die Geschwindigkeit der Erwärmung ist exorbitant. So was Schnelles hat es eigentlich die letzten tausend Jahre oder weit vorher nicht gegeben."

Prof. Annette Menzel, Mitautorin des Berichts des Intergovernmental Panel on Climate Change, dem Weltklimarat der Vereinten Nationen

Während die einen absaufen, ist andernorts das Wasser knapp

Spart im Frühjahr Wasser: Erddämme schon im Herbst anhäufen

Der Klimawandel zwingt auch den bayerischen Bauern die Erkenntnis auf, dass sie sich selbst auf jahrzehntelange Erfahrung nicht mehr blindlings verlassen können. Manch Gemüsebauer in Unterfranken ist deshalb gut beraten, seine Wirtschaftsweise jetzt anzupassen. Zum Beispiel auf dem Karottenacker schon im Herbst Erddämme aufzuhäufen und nicht erst im Frühjahr, wie es bisher üblich war. Während der Frostperiode können sich dann enge Risse und Spalten im Boden bilden, die Voraussetzung für den sogenannten Kapillareffekt. Das noch im Boden vorhandene Wasser kann dann für die Aussaat genutzt werden.

Nicht nur Opfer, sondern auch Täter - Klima-Killer Tierhaltung

Klimakiller Tierhaltung

Die Bauern tragen aber auch ihr Scherflein bei zum Klimawandel. Die Erzeugung von Getreide, Milch und Fleisch setzt wie jedes produzierende Gewerbe Treibhausgase frei. Zurzeit verursacht die Landwirtschaft 12,5 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in Deutschland. Deshalb soll der Agrar-Sektor bis 2030 rund ein Drittel der Emissionen im Vergleich zu 1990 einsparen. Die gute Nachricht: Von den 33 Prozent Einsparung hat die Landwirtschaft jetzt schon 18 Prozentpunkte erreicht. Die schlechte Nachricht: Seit 2007 stößt die Landwirtschaft wieder kontinuierlich mehr Treibhausgase aus, zum Beispiel weil immer mehr Fleisch für den Export produziert wird.

Was tun, um den negativen Klima-Effekt der Tierhaltung zu reduzieren?

Bei Rindern etwa liegt die klimaschädliche Wirkung in der Natur der Sache. Bei der Verdauung im Pansen entsteht das Klimagas Methan. Damit nicht genug, auf den Feldern und Wiesen wird noch die Gülle der Tiere ausgebracht. In der Gülle ist Stickstoff enthalten. An sich ein wertvoller Dünger, doch Stickstoff verwandelt sich zu Lachgas, einem der gefährlichsten Treibhausgase überhaupt. Lachgas heizt das Klima etwa 300 mal stärker auf als CO2. Deshalb sollte die Gülle so auf den Feldern ausgebracht werden, dass erst gar nicht viel Lachgas entsteht. Dafür muss die Gülle schnell in den Boden eingearbeitet werden. In Deutschland gibt es dazu mittlerweile schon strengere Regeln für die Bauern.

Das Potenzial der Treibhausgas-Einsparung ist riesig

Gut fürs Klima: saisonale Abkalbung. Sind Milchkühe im Sommer trächtig, reicht die Weide fürs Futter.

Die Landwirte können noch viel mehr tun, in dem sie zum Beispiel möglichst ressourcen-effizient Milch und Fleisch produzieren. Im Klartext: Aus den Faktoren Energie, Futter und Dünger, die ein Landwirt einsetzt, muss er möglichst viele Nahrungsmittel erzeugen. Die Rechnung ist einfach: Je weniger ein Bauer aufwenden muss, um am Ende genauso viel herauszubekommen, desto wirtschaftlicher und klimafreundlicher arbeitet ein Landwirt. Dafür sind auch keine großen Investitionen nötig, um das umsetzen, wie die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft bestätigt. Sie hat den Einsatz von Ressourcen auf 100 bayerischen Milchvieh-Höfen analysiert. Das Potenzial der Treibhausgas-Einsparung ist demnach riesig. Um die gleiche Menge Milch herzustellen, stoßen manche Bauernhöfe mehr als das Doppelte an Treibhausgasen aus.

Tierwohl versus Klimaschutz

Und auch wenn sich viele Verbraucher mehr Tierwohl in den Ställen wünschen, mit Offenlaufställen und am besten mit Weidegang für die Kühe. Fürs Klima wäre es besser, Kühe in einem geschlossenen Raum zu halten. In dem lässt sich das Methan, das die Tiere produzieren, aus der Luft filtern und entweicht nicht in die Atmosphäre.


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