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Der ägyptische Satiriker Bassem Youssef "Ich bin bloß ein Clown, warum haben sie Angst vor mir?"

Der ägyptische Satiriker Bassem Youssef wurde während des Mubarak-Regimes bekannt und während Kurzzeitpräsident Mohammed Mursi berühmt. 2014 musste er fliehen: In die USA.

Von: Christian Lerch

Stand: 05.07.2018

"Die Regierung möchte also verhindern, dass die Bevölkerung in Massen auf dem Tahrir protestiert? Dann soll sie besser nicht verlautbaren, dass ausländische Feinde Taschengeld und Fastfood an Demonstranten auf dem Platz verteilen." Die Lügen und Widersprüche des Mubarak-Regimes waren eine reichhaltige Quelle für den Satiriker Bassem Youssef, erst auf Youtube, dann einige Monate später im Hauptabendprogramm des ägyptischen Fernsehens.

Mit seiner Gegenüberstellung von Wirklichkeit und politischer Propaganda konnte Bassem, im Brotberuf Herzchirurg, die Energie der Generation Tahrir über zwei Jahre lang am Leben erhalten und das Land politisieren. Mehr als 30 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer lachten befreit auf, wenn Bassem, der Moderator der Show Al-Bernameg ("Die Show"), die Lügen des Präsidenten, von Politikern oder der Medienelite offenbarte.

Zuweilen blieben ihm und seinen Zuschauern das Lachen im Halse stecken, als etwa die Armee die Erfindung einer "Anti-Aids-Maschine" öffentlich feierte, ohne jeglichen wissenschaftlichen Beweis: "Gerade als Mediziner war ich von dieser Propaganda besonders verärgert. Ich kann es nicht leiden, wenn Menschen die krank sind, auch noch belogen werden."

Nur schwache Regime verbieten Satire

Das Mubarak Regime wurde vom Volk gestürzt, der Muslimbruder und Kurzeitpräsident Mohammed Mursi von Bassem mit Spot, Häme und Sarkasmus aus dem Amt gejagt. Nach dem Militärcoup unter der Führung des Generals Abdel Fattah el-Sisi wurde schnell klar, dass Bassem zu erfolgreich und für die Armeeführung zu einem Problem geworden war: "Nur schwache Regime verbieten Worte oder verhindern politische Satire."

2014 war Bassem Youssef gezwungen, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus Ägypten zu fliehen, seitdem lebt er im US-Exil. Dort findet er, nicht zuletzt durch die Präsidentschaft des ehemaligen Reality-TV-Stars Trump, eine Vielfalt an politischen Widersprüchen und Lügen vor.

Der Autor

Am Bodensee geboren und aufgewachsen schreibt und produziert Christian Lerch Radiofeature für verschiedene deutschsprachige Rundfunkanstalten. Nach dem Studium in Wien und Rotterdam, war Lerch in New York ein Jahr lang für die Oral History- Sammlung des jüdischen Leo Baeck Institute verantwortlich. Aus diesem Material entstand seine allererste Sendung für das ORF Radio Österreich 1. Seitdem konnte Christian Lerch eine preisgekrönte Trilogie zum Thema illegale Drogen sowie diverse gesellschaftspolitische Zeitgeist-Feature für ARD-Anstalten sowie für Deutschlandfunk Kultur produzieren. Zuletzt wurde er ausgezeichnet mit dem silbernen Award des New York Radio Festivals, sowie dem Prix Europa 2017 für die beste europäische Radiodokumentation.

"Bassem Youssef - "Ich bin bloß ein Clown, warum haben sie Angst vor mir?". Von Christian Lerch

Redaktion: Elisabeth Stratka
Technik: Elmar Peinelt
Produktion: ORF 2018


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