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Therapien der Schulmedizin Behandlungsansätze noch nicht befriedigend

Jeder Mensch besitzt autoaggressive Zellen – also Zellen des Immunsystems, die nicht zwischen körperfremd und körpereigen unterscheiden können. Bei gesunden Menschen sorgt ein komplizierter Regelmechanismus Tag für Tag aufs Neue dafür, dass diese autoagressiven Zellen nicht aktiv werden.

Von: Susanne Pfaller

Stand: 17.01.2019

Patient beim Arzt | Bild: Getty Images

Bei Menschen, die an einer der über 60 Autoimmunerkrankungen leiden, richten sich die autoaggressiven Zellen jeweils gegen eine Körperstruktur: Beim Typ-I-Diabetes werden die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse angegriffen, bei Multipler Sklerose die Umhüllung der Nerven. Bei der rheumatoiden Arthritis sind die Gelenke Ziel der Attacke.

Die Unterdrückung des Immunsystems: Immunsuppression

Medikamente können die Aktivität des Immunsystems drosseln. Sogenannte Immunsuppressiva reduzieren die Angriffslust und die Zahl der autoaggressiven Zellen. Häufig verwendet werden Kortison, Aspirin-Abkömmlinge, aber auch Zellgifte und Kombinationspräparate.

"Die Gefahr der unwiederbringlichen Zerstörung der betroffenen Organe macht eine immunsuppressive Therapie oft notwendig. Viele Autoimmunkrankheiten verlaufen schubweise. Ist die Erkrankung hochaktiv, muss man mit allen Mitteln die Notbremse ziehen. In den beschwerdefreien Intervallen gilt es dann, die Remissionsphase so lange als möglich aufrecht zu erhalten."

Dr. Wölfel vom Krankenhaus für Naturheilweisen in München

Rundumschlag mit Folgen: Schwächung

Die klassischen Immunsuppressiva können sich nicht exakt die Zellen aussuchen, die dafür verantwortlich sind, dass z.B. die Gelenkstruktur oder der Herzmuskel zerstört werden. Kortison oder andere Immunsuppressiva unterdrücken zwar die Bildung der autoaggressiven Immunzellen, bewirken aber gleichzeitig auch, dass die gesamte Funktion des Immunsystems geschwächt wird. "Die so behandelten Patienten sind wesentlich anfälliger für Infektionen und in der Langzeitbehandlung den Risiken eines breiten Spektrums an Nebenwirkungen dieser Medikamente ausgesetzt", erklärt Dr. Wölfel.

Nebenwirkungen der Immunsuppressiva

Immunsuppressiva können schwerwiegende Nebenwirkungen haben: Eine dauerhafte Kortisontherapie führt zu Knochenentkalkung und erhöhtem Blutdruck. "Kortison ist in der Langzeittherapie nur möglichst niedrig dosiert und ggf. in der Kombination mit anderen immunsuppressiven Medikamenten anzuwenden. Es bleibt aber oft das Mittel der Wahl in hochaktiven Krankheitsschüben", folgert Dr. Wölfel. Aber auch die anderen Medikamente können schwere Nebenwirkungen auslösen, beispielsweise Nierenschädigungen oder Lungenfibrose. "Diese Behandlung erfordert deshalb eine hohe Kompetenz des Therapeuten und eine engmaschige Überwachung des Patienten", gibt Dr. Wölfel zu Bedenken.

Biologika – die gezielte Entzündungshemmung

Mit dieser Arzneigruppe wird versucht, den Rundumschlag der klassischen Immunsuppression zu vermeiden. Die sogenannten Biologika sind Präparate, die gentechnisch herstellt werden. Auch sie greifen in die immunologische Reaktion ein, allerdings gezielter als zum Beispiel Kortison. Biologika beeinflussen spezifische Botenstoffe, die dann die krankmachenden Zellen zerstören, in ihrer Aktivität hemmen oder ihre Wirkung als Entzündungsvermittler neutralisieren. Biologika werden in der heutigen Praxis unter anderem gegen Schuppenflechte, Polyarthritis und Morbus Crohn eingesetzt.

"Biologika sind ein hoffnungsvoller und vielversprechender therapeutischer Ansatz. Sie wirken selektiver und haben damit weniger Nebenwirkungen. Mit diesen Medikamenten sind schwerwiegende Autoimmunkrankheiten deutlich besser behandelbar. Allerdings: Heilung ist dennoch nicht möglich. Das Bemühen um Heilung bleibt weiterhin eine Aufgabe der Zukunft. Die Erfolge der etablierten Therapie werden oft auch mit  Nebenwirkungen erkauft. Ferner toleriert ein Teil der Patienten  die Medikamente nicht, bei einem weiteren Teil werden dadurch nur die Beschwerden gelindert, aber sie werden nicht beschwerdefrei."

Dr. Artur Wölfel


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