Bayern 2


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Unendlicher Spaß e.V. Aufzeichnungen einer verhinderten Faschingsprinzessin

Elferrat, Prinzengarde, Vorstand - in einer Faschingsgesellschaft herrschen eigene Strukturen und Hierarchien. Ernsthaftes Engagement ist genauso gefordert wie Fleiß und Durchhaltevermögen. Autorin Elisabeth Veh, eigentlich überzeugter Faschingsmuffel, ist für den Fasching in ihre Heimat gereist und hat dort die Schlossfinken begleitet.

Stand: 24.01.2018

Fasching in Bayern | Bild: BR

Wenn jedes Jahr am 11.11. die Faschingssaison offiziell eröffnet wird, laufen Training und Vorbereitungen in den bayerischen Faschingsvereinen schon längst auf Hochtouren. Die verzeichnen seit Jahren einen hohen Zulauf an aktiven Mitgliedern und Besuchern. Lustig sein hat Hochkonjunktur, auch oder gerade in Krisenjahren, und die Faschingsgesellschaft rangiert vor allem in den ländlichen Gegenden auf einer Ebene mit Freiwilliger Feuerwehr oder Fußballclub. Und macht dabei mehr als nur Spaß. Vielmehr erinnert dieser Hofstaat um Prinzenpaar, Garde und Hofnarren, wie er jedes Jahr wieder in Dörfern und Kleinstädten vom Allgäu bis ins Fichtelgebirge ausgerufen wird, an die Idee von einer perfekten Gemeinschaft. Miniatur einer besseren Gesellschaft

Miniatur einer besseren Gesellschaft

Eine Karriere bei den Schlossfinken kann schon in der Kindergarde beginnen. Das Gute: Jeder kann etwas erreichen und hat sogar Aufstiegschancen, wenn er nur lang genug dabei ist. Und jeder zählt etwas, auch der, der in monatelanger Kleinstarbeit Umhänge-Orden anfertigt. Der Hofstaat im bayerischen Fasching funktioniert hierarchisch – und er funktioniert. Vielleicht ist er ja die Miniatur einer viel besseren Gesellschaft?

Ehrenamt pur

Jedes Jahr ein neues Prinzenpaar

Bernhard Veh, Cousin der Autorin, ist seit 17 Jahren bei den Schlossfinken. Der 31-Jährige war acht Jahre in der Vorstandschaft, drei Jahre lang Beisitzer, vier Jahre lang zweiter Vorstand und seit 2015 ist er der erste Vorstand. Neun Monate im Jahr beschäftigt er sich mit dem Fasching, der ihm gewissermaßen: "Wie kam ich denn zum Fasching? Unsere beiden Väter waren auch so Fast-Gründungsmitglieder bei den Schlossfinken, daher ist das glaub ich so ein bisschen im  Blut bei mir. Ich wollte als kleiner Junge immer kleiner Prinz werden, durfte das dann aber irgendwie nie." 2017 ist sein Traum dann in Erfüllung gegangen: Bernhard Veh war großer Prinz.

Höhepunkt der Saison: Der Hofball

Beim Hofball zeigt der Faschingsverein, wofür er dieses System aus Ehrenamt und Ehre, aus Dank, Fürsorge und hartem Training das ganze Jahr über betreibt: Er wirft die Lichtorgel an und bietet vollmundig Amüsement und Tanzgelegenheit für eine Nacht. Bezahlt wird in Applaus.

Die Autorin

Elisabeth Veh, Jahrgang 1982, beschäftigt sich mit politischen, gesellschaftlichen und popkulturellen Themen beim Bayerischen Rundfunk, beim Deutschlandradio und im Bayerischen Fernsehen und wurde dafür unter anderem mit dem Kurt-Magnus-Preis der ARD ausgezeichnet. Die Autorin lebt in München, ging aber für dieses Feature zurück in ihre Heimatstadt im bayerischen Schwaben um nachzuholen, was ihr einst verwehrt wurde: Im Faschingsverein wochenlang legitimierter Teil des Spaßbetriebs zu sein.

Redaktion: Katja Huber
Regie: Alexandra Distler
Ton und Technik: Michael Krogmann und Adele Kurdziel
Produktion: BR 2016

Hier können Sie das Manuskript zur Sendung herunterladen.


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