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Hausarbeit, Kinder und Job App will Care Arbeit zu Hause messbar machen

Kochen, putzen oder Familienmitglieder betreuen – das gehört alles zu Care Arbeit. Aufgaben, die im häuslichen Umfeld tagtäglich anfallen. Ihre Erledigung wird für selbstverständlich gehalten. In der Pandemie hat sich allerdings erneut gezeigt, dass das oft zu Lasten von Frauen geht, die nach wie vor den überwiegenden Teil der Care Arbeit übernehmen. Die App „who cares“ will das messbar machen.

Stand: 19.02.2021

Die Mutter des sechsjährigen Jakob und des vierjährigen Valentin arbeitet Zuhause an einem Laptop, während ihre Kinder neben ihr malen und ein Buch ansehen. In der Corona-Krise bekommen mehr Eltern einen Anspruch auf Notbetreuung für jüngere Kinder - es wird aber vorerst keine bundesweit einheitliche Regelung geben. | Bild: picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand

Es fällt vielen Familien nicht leicht, den Aufwand für Care Arbeit zu Hause richtig einzuschätzen und gerecht aufzuteilen. Oft übernimmt sie ein Familienmitglied überwiegend. Lina Schwarz und Sophie Obinger haben die App „who cares“ entwickelt, mit der sich Care Arbeit zeitlich erfassen lässt und so sichtbar wird.

Gender Care Gap: ungleiche Aufteilung

In vielen Haushalten teilen sich die Paare die Arbeit - nicht immer komplett gleichberechtigt. Nach wie vor leisten Frauen noch mehr Care Arbeit, also Fürsorgearbeit, als Männer. Das bestätigen die Untersuchungen zur sogenannten Gender Care Gap. Demnach fallen im Schnitt pro Tag 87 Minuten mehr unbezahlte Care Arbeit auf eine Frau als auf einen Mann.

Auf Ausmaß und Unterschiede aufmerksam machen

Die App-Entwicklerinnen Lina Schwarz und Sophie Obinger beobachten außerdem, dass Männer mehr Wertschätzung dafür bekommen, wenn sie unentgeltlich Care Arbeit leisten. Als Sophie Obinger geboren wurde, hat ihr Vater für ein Jahr die Betreuung übernommen, damit ihre Mutter das Referendariat abschließen kann. Das wurde im Nachhinein immer sehr hervorgehoben, hingegen nicht, dass ihre Mutter sich in den Folgejahren vorwiegend um die Kinder gekümmert hat. Mit ihrer App „who cares“ wollen sie auf diese Unterschiede aufmerksam machen.

Art und Dauer von Care Arbeit erfassen

Die App „who cares“ unterteilt die Tätigkeiten der Care Arbeit in verschiedene Kategorien, etwa „Kochen“ oder „Kinder“. Bevor man zum Beispiel mit dem Kochen anfängt, drückt man auf den Timer mit der Kategorie “Kochen”. Die Zeit läuft, bis man sie anhält. Am Ende des Tages gibt die App einen Überblick darüber, wie viel Care Arbeit in welchen Kategorien geleistet wurde. Die Zeit wird dann in Geld umgerechnet. In Bayern liegt der durchschnittliche Stundenlohn bei etwa 23 Euro. Bei 10 Stunden Care Arbeit am Tag wären das 230 Euro.

App im Alltagscheck

Die zweifache Mutter Kathrin John hat die App zwei Tage getestet. Sie arbeitet derzeit von zu Hause, hat Arbeitszeit aufgrund ihrer zwei kleinen Kinder reduziert. Als größte Herausforderung sieht sie, dass in ihrem Alltag viele Tätigkeiten gleichzeitig ablaufen. Zum Beispiel hat sie neben dem Kochen gleichzeitig ihren Kindern beim Malen geholfen. Die Kategorie „Kinder“ aktiviert Kathrin John deshalb auch am häufigsten. Insgesamt kommt sie auf 10 Stunden Care Arbeit pro Tag.

Jede Tätigkeit auch „Arbeit“?

Viele der Tätigkeiten empfindet Kathrin John zwar als zeitraubend und emotional anstrengend, machen ihr aber auch Freude – etwa der Radlausflug mit den Kindern. Sollte sie da die App ausschalten? Die zweifache Mutter beantwortet für sich die Frage letztlich mit „nein“. Denn im Job würde sie auch nicht weniger berechnen, nur weil ein Projekt Spaß gemacht hat. Das Problem liegt ihrer Meinung nach darin, dass sich die Kinderbetreuung oft nur schwer mit dem Beruf vereinbaren lässt. Sie wünscht sich hier mehr Unterstützung für Familien und insbesondere für berufstätige Mütter, damit sich auf dem Arbeitsmarkt mehr Türen öffnen und nicht noch Hindernisse hinzukommen.


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