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Zehn Jahre Neumayer-Station III Deutsche Polarstation feiert Jubiläum

Die Antarktis bietet nicht gerade einladende Arbeitsbedingungen: Dauerfrost und im Winter fast nur Dunkelheit. Doch Mitarbeiter des Alfred-Wegener-Instituts trotzen im Dienste der Wissenschaft Kälte und Nacht in der Station "Neumayer III" - und das mittlerweile seit zehn Jahren.

Stand: 21.01.2019

Antarktisstation Neumayer III - die deutsche Polarstation, auf der seit 2009 Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in der Antarktis leben und arbeiten. | Bild: picture-alliance/dpa

An der Atkabucht reicht das Ekström-Schelfeis weit hinaus ins Weddellmeer. Oben auf dem Eis steht - wie ein riesiges Insekt mit langen Beinen - die Forschungsstation Neumayer III. Unter ihr ist das Eis rund 200 Meter dick. Seit 20. Februar 2009 arbeiten dort Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polarforschung in ihren Observatorien.

Auf der Neumayer III: Datensammeln für die Klimageschichte

"Um die globalen Veränderungen zu verstehen, sammeln wir an der Neumayer-Station III Daten über lange Zeiträume – von minutengenauen Wetterbeobachtungen bis hin zur Erforschung der Klimageschichte anhand von Eisbohrkernen. Zudem unterstützen wir Beobachtungen der antarktischen Lebensvielfalt, von Pinguinkolonien bis zu den Kaltwasserkorallen unter dem dicken Schelfeis“, beschreibt Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, die Arbeit der Wissenschaftler an Board der deutschen Polarstation Neumayer III.

Wetter, Erdbeben und reine Luft - Forschen auf der Polarstation

Das Spurenstoffobservatorium von Neumayer III, der deutschen Polarstation, auf der seit 2009 Wissenschaftler in der Antarktis arbeiten.

Konkret sieht das so aus: Das meteorologische Observatorium zum Beispiel führt Strahlungs- und Klimamessungen durch, um langfristige Änderungen des Strahlungshaushaltes der Erde und deren Auswirkungen zu erkennen. Das geophysikalische Observatorium erfasst Erdbeben überall auf der Erde und registriert fortlaufend die zeitlichen Änderungen des Magnetfelds sowie die tidenabhängigen Bewegungen des Eisschelfs. Das Spurenstoff-Observatorium misst atmosphärische Konzentrationen von Spurengasen wie Ozon und winzigen Staubpartikeln in der Luft. Wegen der isolierten Lage ist es eine Referenzstation für Messungen bei extremer Luftreinheit.

Die Arbeit auf der Neumayer-Station III: Hochbetrieb im Sommer

Ein Pinguin besucht die Polarstation Neumayer III in der Antarktis.

Während des Sommers arbeiten und leben bis zu fünfzig Menschen in der Station. Im antarktischen Winter ist die Station hingegen nur mit neun Personen besetzt. Darunter sind ein Arzt, der gleichzeitig der Stationsleiter ist, ein Meteorologe, ein Luftchemiker, ein Ingenieur, ein Elektriker, ein Funker und ein Koch.

Die Vorgänger der Neumayer-Station III

Die Treppentürme der alten Neumayer-Station

Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polarforschung sind seit über fünfunddreißig Jahren ununterbrochen in der Atkabucht. Die erste Station mit dem Namen "Georg von Neumayer" - benannt nach dem deutschen Polarforscher - wurde 1981 dort als wissenschaftliches Observatorium und Basis für Expeditionen im antarktischen Sommer errichtet. 1992 entstand zehn Kilometer weiter die zweite Neumayer-Station. Doch nach 17 Jahren Betrieb war sie rund 14 Meter unter Schnee und Eis begraben. Das machte einen Neubau erforderlich.

Die Polarstation - ein Container auf Beinen mitten in der Antarktis

Die einzelnen Komponenten wurden von Neumayer III wurden in Deutschland gebaut, per Schiff in die Antarktis gebracht und dort innerhalb von sieben Monaten montiert. Am 20. Februar 2009 konnte die neue Station eingeweiht werden. Sie steht sechs Kilometer südlich ihrer Vorgängerin und etwa 16 Kilometer von der Kante des Ekström-Eisschelfs entfernt. Hier legen die Versorgungsschiffe an.

Hydraulische Pumpen erhöhen Lebensdauer der Neumayer III

Neumayer III in der Antarktis: Die Station ist 68 Meter lang, 25 Meter breit und 28 Meter hoch.

Hundert Container auf einer Plattform beherbergen Wohnräume, Küche, Labore, einen Funk- und einen Sanitätsraum sowie die Energiezentrale und eine Anlage zum Schneeschmelzen. Das Gewicht von etwa 2.300 Tonnen verteilt sich auf 16 Fundamentplatten. Hydraulische Pumpen heben und senken die Station je nach Schneehöhe und sorgen dafür, dass die Station nicht im Schnee versinkt. Mit dieser ausgefeilten Technik soll die Neumayer III deutlich länger im Einsatz bleiben können als ihre beiden Vorgänger. Bis 2035 soll das nach dem Willen der Forscher noch mindestens sein.

Die Energieversorgung auf der Polarstation Neumayer III

Die Windkraftanlage von Neumayer III - sie liefert für die Polarstation mit Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts zusätzliche Energie.

Ein Blockheizkraftwerk mit vier Dieselgeneratoren versorgt die Neumayer-Station mit Energie. Drei Generatoren laufen abwechselnd, der vierte dient als Notstromaggregat. Die Abwärme wird zum Heizen und Schneeschmelzen verwendet. Zusätzliche Energie liefert eine Windkraftanlage, die schrittweise erweitert werden soll.

Polarstation wandert im Ewigen Eis

Das Ekströmschelfeis, auf dem Neumayer steht, wandert pro Jahr etwa 150 Meter nach Norden Richtung Meer. Das ist viel, aber die Stelle mit der geringsten Fließgeschwindigkeit. In 25 bis 30 Jahren wird sich der Standort der Station also um rund vier bis fünf Kilometer ändern.

Das Alfred-Wegener-Institut (AWI)

Als Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung forscht das Alfred-Wegener-Institut (AWI) in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 19 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

  • Gewächshaus EDEN-ISS, der Schrebergarten in der Antarktis: am 11. Januar 2019 um 17.45 Uhr in "nano", ARD-alpha

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