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Alzheimer-Diagnose Ist Früherkennung möglich?

Stand: 13.09.2018

Eine frühe Diagnose von Alzheimer ist schwierig - im Bild: Älterer Mann reibt sich die Augen | Bild: John Foxx Images

"Die meisten Kollegen sagen heutzutage, dass Alzheimer zu spät erkannt wird. Auch die Angehörigen beklagen sich zu Recht darüber. Und auch ich beobachte, dass Patienten klare Symptome hatten, aber Ärzte keine Demenz bei ihnen diagnostizierten. Ich vermute, manche Kollegen wollten diese nicht immer erkennen oder den Verdacht nicht aussprechen, während nur einige wenige sich tatsächlich nicht ausreichend dafür interessieren. Viele Kollegen verzichten auch aus Respekt vor Patienten mit mehreren sehr schweren Erkrankungen auf die zusätzliche Demenzdiagnose, die ihm dann nicht mehr viel nützen würde."

Prof. Förstl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der TU München

Verlorene wertvolle Zeit

Es wäre aber sehr wichtig, den Krankheitsprozess früh zu erkennen, damit man auch früher wirksame Gegenmaßnahmen einleiten kann, die bei Patienten mit einer Demenz noch länger eine bessere Lebensqualität erhalten könnten.

Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland nicht so schlecht ab: Hinsichtlich der Demenzdiagnostik ist Deutschland Europameister: In keinem anderen europäischen Land ist der Abstand zwischen dem Auftreten erster Symptome und der Diagnose kürzer.

Alzheimer-Krankheit - Warum ist eine frühe Diagnose so schwierig?

Es ist schwer, festzustellen, ob eine leichte kognitive Störung tatsächlich das Vorstadium einer Demenz darstellt. Wenn man alle 65-, 75- oder 85-Jährigen im Querschnitt untersuchen würde, würde man bei sehr vielen von ihnen leichte kognitive Störungen feststellen. Doch das muss nicht heißen, dass sie bald eine Demenz entwickeln. Die Störung kann sich auch wieder bessern.

"Leichte kognitive Beeinträchtigung"

"Der oft verwendete Begriff 'leichte kognitive Beeinträchtigung' ist windelweich und kein eindeutig definiertes Vorstadium der Demenz. Niemand weiß wirklich, was in diesem Stadium am sinnvollsten geschehen sollte. Daher kann man auch nicht empfehlen, alle Pferde scheu zu machen und diese Menschen so zu behandeln als hätten sie bereits 'Alzheimer', es sei denn, es traten auch noch andere Symptome hinzu."

Prof. Förstl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der TU München

Demenz oder Alzheimer?

Heute weiß man, dass es kaum einen dementen älteren Menschen gibt, der nicht auch oder vor allem unter einer Alzheimer-Krankheit, also unter zu vielen Alzheimer-Plaques und Neurofibrillen, leidet (Alzheimer plus). Es lohnt sich daher auf jeden Fall, zusätzlich zu der vorhandenen Alzheimerpathologie noch nach anderen Haupt- oder Mitursachen einer Demenz zu suchen. Man darf heute keinen Hirntumor, keine chronisch wiederkehrende Hirnblutung und keine Hirnentzündung übersehen, die ganz anders behandelt werden müsste.

Tipp des Experten:

"Zwar ist es selten, dass man eine ganz andere organische Ursache für die Demenz findet, diese psychotherapeutisch (Depression!), medikamentös oder chirurgisch therapieren und die kognitive Leistungsfähigkeit wiederherstellen kann. Trotzdem hofft natürlich der Arzt darauf. Meistens findet man allerdings einige Hirngefäßveränderungen, die aber als solche nicht ausreichen, um die Schwierigkeiten des Patienten zu erklären, sodass man annehmen muss, er habe Läuse und Flöhe - sowohl eine degenerative Alzheimererkrankung als auch vaskuläre Hirnveränderungen. Entsprechend sollte man auch therapeutisch vorgehen und jene Medikamente benutzen, die sich bei einer Alzheimer-Krankheit bewährt haben."

Prof. Förstl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der TU München


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