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Netzhauterkrankungen im Alter Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)

Als Makula bezeichnet man am Auge die Stelle auf der Netzhaut, die den Punkt des schärfsten Sehens abbildet. Bei vielen Patienten kommt es mit zunehmendem Alter zu einem Umbau und Ablagerungen in diesem Netzhautareal.

Von: Uli Hesse

Stand: 05.06.2020

Augenärztin bei der Behandlung einer altersbedingten Makuladegeneration mit Hilfe eines Diodenlasers | Bild: picture-alliance/dpa

Diese Altersbedingte Makula Degeneration (abgekürzt AMD) hat zur Folge, dass sich eine Sehstörung unterschiedlichen Ausmaßes im zentralen Gesichtsfeld manifestiert. Den Betroffenen fällt es somit schwer Gesichter oder Gegenstände zu erkennen.

Der genaue Entstehungsmechanismus dieser Erkrankung ist aktuell noch unklar. Man weiß aber, dass erbliche Faktoren, Lichtbelastung, entzündliche Prozesse, sowie Abbauvorgänge im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses eine Rolle spielen.

Arten der AMD

Prinzipiell unterscheidet man eine trockene und eine feuchte Form der altersbedingten Makuladegeneration.
Bei der trockenen Form kommt es durch degenerative Prozesse zu einem sukzessiven Verlust von für das Sehen wichtiger Strukturen, durch die bestimmte Areale im zentralen Gesichtsfeld verloren gehen. Sie schreitet langsam voran.
Bei der feuchten Form kommt es dagegen durch das Freisetzen von Wachstumsfaktoren zur Bildung von neuen Blutgefäßen. Diese Blutgefäße sind undicht, so dass Flüssigkeit austreten kann und so ein Ödem der Netzhaut entsteht. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Blutung aus den neugebildeten Gefäßen. Diese Veränderungen sind verantwortlich für das deutliche, plötzliche Schlechtersehen bei der feuchten Makuladegeneration.

Endlich Hoffnung: Therapie der feuchten Makuladegeneration

Lange Zeit galt insbesondere die feuchte Form der altersbedingten Makuladegeneration als nicht behandelbar. Den Patienten konnte man wenig Hoffnung machen, das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern oder gar eine Verbesserung herbeizuführen. Inzwischen haben sich die therapeutischen Möglichkeiten deutlich erweitert.

Für die Therapie der feuchten Form haben sich in den letzten Jahren zahlreiche neue Aspekte ergeben. Abhängig von der individuellen Situation ist es heute oft möglich, das Sehvermögen der Patienten zu verbessern oder zumindest zu stabilisieren. Grundlage sind Antikörper gegen den Wachstumsfaktor Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF), der unter anderem für den Flüssigkeitsaustritt verantwortlich ist. Durch eine medikamentöse Hemmung von VEGF mit diesen Antikörpern können die neuen Gefäße abgedichtet werden, das Ödem bildet sich zurück und somit wird die Funktionsfähigkeit der Netzhaut verbessert. 

Medikamentöse Therapie

Es gibt aktuell unterschiedliche Medikamente, die für eine direkte Hemmung dieses Botenstoffes zur Verfügung stehen: Lucentis ®, Avastin ®, Eyelea® und Beovu®.

Allen diesen Medikamenten ist gemein, dass sie wiederholt in das Auge (in den Glaskörperraum) gespritzt werden müssen. Diese operative Medikamentenapplikation muss in einem geeigneten Operationsraum unter sterilen Bedingungen erfolgen.

Nach einer "Aufsättigungsphase" mit mehreren Injektionen im Regelfall in vierwöchigem Abstand muss das Auge weiter kontrolliert werden, um ein Rezidiv so früh wie möglich zu erkennen und therapieren zu können. Hierzu wird die Sehschärfe geprüft, zusätzlich können hochauflösende bildgebende Verfahren wie die Optische Cohärenztomographie (OCT) ein Rezidiv früher erkennen.

"Das Problem ist, dass wir mit der Spritze in vielen Fällen nur stabilisieren, aber nicht verbessern können. Auf lange Sicht wird die feuchte AMD dadurch nicht gestoppt, wir können die Verschlechterung nur herauszögern. Diese regelmäßigen Spritzen, ein Leben lang, sind eine sehr große Belastung für Patienten. Doch eine Alternative dazu gibt es nicht wirklich – sonst droht eine sehr rasche Erblindung bis hin zu einer Sehschärfe von unter zwei Prozent. Das Lesen ist dann nicht mehr möglich."

Prof. Dr. Siegfried Priglinger

Wie das Medikament ins Auge kommt

Im Regelfall werden zunächst durchschnittlich drei Behandlungen durchgeführt, in Abhängigkeit von restlichem Makulaödem wird dann weiter in unterschiedlichen Intervallen gespritzt; viele Patienten benötigen über Jahre diese intravitrealen Injektionen, um einen Stillstand der Erkrankung zu erreichen.

"Für den optimalen Erfolg dieser neuen Therapieansätze ist es sehr wichtig, dass eine Therapie so früh wie möglich im Krankheitsverlauf unternommen wird. Ist die Makula bereits vernarbt, kann es meist nicht mehr zu einer Verbesserung kommen. Dies gilt auch im Fall eines Rezidivs, hier muss ebenso zeitnah wieder therapiert werden."

PD Dr. Armin Wolf, stellvertretender Direktor der Augenklinik der LMU München

Seelische Belastung

Für viele Betroffene bedeutet die Diagnose eine sehr große psychologische Belastung und viele benötigen Hilfe, um damit klarzukommen.

Der typische Makuladegenerations-Patient wird nicht komplett blind, sondern verliert "nur" die Fähigkeit zu lesen. Die meisten können ohne Probleme noch alleine die Straße überqueren, weil sie links und rechts den nahenden Verkehr sehen.

"Gerade für Patienten, die ihr Leben lang viel gelesen haben, und dann realisieren, dass sie selbst so banale Dinge wie Zeitunglesen nicht mehr länger machen können, ist das sehr schwer."

Prof. Dr. Siegfried Priglinger

Vergrößernde Sehhilfen können eine Zeitlang helfen, vor allem, wenn sie individuell auf die sich verschlechternde Sehschärfe angepasst werden. Damit kann langsam gelesen werden. Auch kleinste Operationen können das Sehen etwas verbessern.
Aber viele Patienten bekommen Probleme mit ihrem sozialen Umfeld, weil sie Bekannte und Freunde beim Spazierengehen nicht mehr erkennen. Denn sie können nicht mehr Gesichter in der Mitte ihres Blickfeldes wahrnehmen, in ihrem "blinden Fleck".
Kommentare wie "Erkennst Du mich nicht mehr?" und jemand "sei ja schon seltsam und unhöflich geworden, grüßt gar nicht mehr" führen dazu, dass sich Betroffenen stark zurückziehen. Menschen die ein unterstützendes, familiäres Umfeld haben kommen damit besser zurecht.
Zu der seelischen Belastung durch diese chronischen Veränderungen – und die Aussichtslosigkeit der Diagnose – kann es verstärkt zu einer Altersdepression kommen.

Auf der Suche nach verbogenen Linien: Der Amsler-Test

Abbildung eines Amsler-Gitters mit Hilfe dessen ein Funktionstest (Amsler-Test) der Augen durchgeführt werden kann.

Mit Hilfe des Amsler-Tests lassen sich frühe Anzeichen einer Makuladegeneration feststellen. Wenn beim Blick auf einen zentralen Punkt auf einem karierten Blatt Papier die Linien wellenförmig aussehen, dann ist das ein Alarmsignal, welches auf das Vorliegen einer AMD hinweisen kann, aber nicht muss. Eine eingehende augenärztliche Untersuchung sollte eine AMD ausschließen.

Nahrungsergänzungsmittel bei der trockenen Makuladegeneration

Viele Patienten hoffen, dass bestimmte Nahrungsergänzungsmittel helfen; dafür wird auch viel geworben. In einer großen wissenschaftlichen Studie mit mehreren tausend Teilnehmern - darunter Gesunden sowie Patienten mit trockener und feuchter Makuladegeneration – wurde daher die Wirkung von Vitaminpräparaten untersucht. Das Resultat war, dass es nur eine Patientengruppe gibt, die davon profitiert: Patienten, die bereits auf einem Auge eine feuchte AMD haben und auf dem anderen eine trockene. Mit den Vitaminpräparaten konnte die Geschwindigkeit reduziert werden, mit der das zweite Auge auch an der feuchten AMD erkrankt.

"Alle anderen Patienten, die nicht genau unter dieser Konstellation leiden, benötigen keine Vitaminpräparate. Wer gesunde Augen hat, braucht zur Vorbeugung keine Vitaminpräparate. Viel mehr Sinn macht es, nicht zu rauchen, gesund zu leben, möglichst einen bunten Teller zu essen, denn die Veränderungen hängen vor allem mit der Durchblutung zusammen. Wenn die Durchblutung im Zentrum des Sehens schlecht ist kommt es zu Stoffwechselstörungen und das ist die Hauptursache. Das akkumuliert sich natürlich über die Jahrzehnte. Je früher man mit dem gesunden Leben anfängt, umso besser."

Prof. Dr. Siegfried Priglinger


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