Bayern 2


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Albrecht Dürer Der junge Altmeister

Wir holen den Dürer vom Sockel – unser Geschenk zum 550. Geburtstag! Denn alt ist der legendäre Nürnberger Maler höchstens an Jahren. Albrecht Dürer war seiner Zeit weit voraus, ein moderner Denker mit einer bahnbrechenden Phantasie und einem hochmodernen Talent zur Selbstinszenierung.

Von: Angelika Kellhammer

Stand: 22.05.2021 | Archiv

"Das Leben ist ein Seil oder ein Federbett. Man gebe mir das Seil."

(Albrecht Dürer)

Was wissen wir eigentlich von Dürer selbst?

Albrecht Dürer, "Junger Feldhase", 1502

Wer heute auf einen Friedhof geht, sieht sie überall: die betenden Hände von Dürer. Ein Riesenhit auf Gräbern, Urnen, aber auch auf Oberarmen und Unterschenkeln, es gibt kaum ein beliebteres Tattoo weltweit.

Auch einen Hasen stellt man sich genauso vor, wie Dürer ihn gezeichnet hat.

Man kann schon sagen: Der Nürnberger Maler hat mit einen Bildern wirklich unsere Art die Welt zu sehen für immer beeinflusst. Aber was wissen wir eigentlich von Dürer selbst?

Selbstportrait und Fremdzuschreibung

Albrecht Dürer, Selbstbildnis, 1498

Wer war dieser langhaarige Künstler aus Nürnberg, der mit seinem Auftreten gegen Konventionen rebellierte, sich gegen den Vater auflehnte, weil er ein freier Künstler sein wollte, und der später mit seinen Apokalypse-Holzschnitten seinen Zeitgenossen das Gruseln lehrte?

Vieles an Dürer ist bis heute rätselhaft. Man könnte ja denken, ein Maler, der so perfekte Selbstportraits von sich herstelte, hätte der Nachwelt auch sonst ein gewisses Bild von sich hinterlassen können. Doch die Wahrheit ist: Dürers Briefe schweigen über persönliche Dinge, selbst seine Reisetagebücher befassen sich mehr mit Finanzen als mit Reiseerlebnissen.

"Hart wie der Deutsche Winter"

Wo Selbstzeugnisse fehlen, schlägt die Stunde der Interpreten. Über die Jahrhunderte hinweg musste Dürer für so ziemlich alles herhalten: Als Genie, als Urtyp des Deutschen Malers, als Gegenentwurf zur italienischen Renaissance – obwohl er selbst für Italien schwärmte.

1904 verfasst der Maler Benedikt Momme Nissen sogar einen Text namens „Dürer als Führer“. Seine völkisch geprägte Dürer-Interpretation gipfelt in dem bizarren Satz „Dürer ist so hart wie der deutsche Winter“.

Der Mann hinter dem Denkmal

Das Albrecht Dürer Haus in Nürnberg

Das Bayerische Feuilleton schiebt fünf Jahrhunderte Dürer-Kult zur Seite und versucht, dem jungen Altmeister so wieder näher zu kommen.  Unsere Sendung zeichnet sein Leben in Nürnberg nach, befragt seine Bilder, sucht in Briefen und Tagebüchern nach dem leibhaftigen Menschen und entdeckt einen Künstler, der verzweifelt um das richtige Maß der Schönheit ringt.

Dürer hat sein Leben lang geforscht und erfunden, war neugierig und rastlos. Erst die Verehrung und Idealisierung der vergangenen Jahrhunderte hat ihn seltsam alt gemacht, zum unbeweglichen, starren Denkmal.


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