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Akute Hilfe und Vorbeugung Maßnahmen bei Blasenentzündung

Viele leiden häufiger unter Blasentzündung. Dabei kann man durchaus vermeiden, dass es zur Infektion kommt. Und falls es doch passiert, gibt es auch wirksame Hilfe.

Von: Holger Kiesel

Stand: 03.12.2018

Krank machende Bakterien siedeln in den Zellen der Blasenwand | Bild: picture-alliance/dpa

Die wichtigste Maßnahme, um Blasenentzündungen vorzubeugen: viel trinken! Mindestens 1,5 Liter pro Tag. Und zwar am besten Wasser oder Tee, keine kohlensäurehaltigen Getränke!

Tipp 1: Wer da empfindlich ist, sollte einmal im Monat 5-7 Tage lang morgens und abends einen Becher (150ml) Cranberrysaft trinken! Der wirkt im Urin auf natürliche Weise antibiotisch!

Tipp 2: Sich ausreichend Zeit nehmen beim Wasserlassen, damit die Blase auch wirklich leer ist!

Tipp 3: Besonders Frauen sollten nach dem Sex ihre Blase leeren, damit sich dort keine Bakterien vermehren!

Tipp 4: Kalte Füße und feuchte Kleidung vermeiden! Das verhindert Reizungen der Harnwege!

Tipp 5: Bestimmte Verhütungsmittel können bei empfindlichen Frauen Blasenentzündungen begünstigen! Sprechen Sie darüber mit Ihrem Frauenarzt!

Diagnostik

Neben einer ausführlichen Anamnese wird bei einer Blasenentzündung oft auch eine Urinprobe (Mittelstrahl) genommen und ein sogenannter 'Harnstreifentest' gemacht. Dabei werden vor allem Leukozyten und Nitritgehalt gemessen. Diese Werte geben Hinweise auf Entzündungsreaktionen bzw. mögliche keime im Harntrakt.

Weitere Maßnahmen

Um die genaue Art und Zahl von Bakterien im Urin zu bestimmen, muss er im Labor gründlich untersucht werden. Bei chronischen oder wiederkehrenden Blasentzündungen kann eine Ultraschall-Diagnostik sinnvoll sein, um mögliche organische Veränderungen der Harnwege erkennen zu können. Eine Restharnbestimmung zeigt, ob eine Entleerungsstörung der Blase vorliegt. Auch Röntgenuntersuchungen der Blase oder eine Harnflussmessung können hilfreiche diagnostische Maßnahmen sein. Eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) wird dagegen nur in sehr komplizierten Fällen durchgeführt.

Was tun bei Blasenentzündung?

Eine akute Blasenentzündung heilt häufig von selbst. Es hilft, sich warmzuhalten, viel zu trinken und so oft wie möglich die Blase zu entleeren, um die Keime auszuschwemmen. Bei leichten Beschwerden können zusätzlich handelsübliche Schmerzmittel eingesetzt werden. Reicht das alleine nicht, sollte man mindestens drei Tage lang ein Antibiotikum einnehmen. Männer, Kinder, schwangere Frauen sowie Menschen, die Medikamente einnehmen, die ihr Immunsystem unterdrücken, sollten immer auch einen Arzt aufsuchen. Dies gilt auch, wenn Fieber als Symptom auftritt oder die Symptome nach etwa drei Tagen nicht verschwinden. Hier könnten die Nieren betroffen sein!

Antibiotika und Krampflöser

Wer Antibiotika gegen Blasenentzündung verschrieben bekommt, sollte sie unbedingt so lange nehmen, wie der Arzt sie verordnet hat, sonst kann der Infekt zurückkommen oder es können sich Resistenzen bilden. Eine dauerhafte Gabe von Antibiotika sollte nur dann erfolgen, wenn der Patient sehr häufig unter Blasenentzündungen leidet (mindestens dreimal pro Jahr). Auch krampflösende Mittel zur Entspannung der Blasenmuskulatur können in der Therapie zum Einsatz kommen. Ist der Auslöser ein Pilz (was sehr selten vorkommt), werden pilztötende Mittel (Antimykotika) verabreicht. 

Chronische Blasenentzündung

Tritt eine Blasenentzündung häufiger auf, wird sie also chronisch, ist sie sehr viel schwerer zu bekämpfen, da sich häufig, etwa durch die unvollständige Einnahme von Antibiotika, resistente Keime gebildet haben. Um zu vermeiden, dass eine Blasenentzündung immer wieder auftritt sollte man viel trinken (1,5 Liter täglich), regelmäßig zur Toilette gehen und besonders auf Hygiene im Intimbereich achten (am besten nur warmes Wasser, keine Seife).

Sind die Nieren betroffen, wird es kritisch

Bleibt eine Blasenentzündung zu lange unbehandelt, kann das zu schweren Komplikationen führen. Dramatisch wird eine Blasenentzündung dann, wenn sie nach oben steigt und die Nieren in Mitleidenschaft gezogen werden. Dann tauchen zusätzliche Symptome wie hohes Fieber, Abgeschlagenheit und Nierenschmerzen auf. Eine solche Nierenentzündung tritt meist bei Diabetikern, Männern mit stark vergrößerter Prostata oder Menschen mit viel Resturin in der Blase auf. Deutlich seltener ist sie die Folge einer schlecht ausgeheilten Blasenentzündung.

Achtung: Eine Entzündung der Niere bedeutet immer einen (wenn auch vielleicht nur kleinen) Funktionsverlust, der sich nicht wieder regenerieren kann!

Pflanzliche Mittel bei häufigem Harndrang

Bei häufigem Harndrang preist die Werbung zahlreiche Phytotherapeutika, also Mittel auf pflanzlicher Basis (etwa aus Kürbiskernen), an. Deren Wirkung ist in der Regel nachweisbar, aber eher gering.

"Solche Präparate kann man bei leichten Problemen mit der Blase ruhig mal ausprobieren. Sie haben meist kaum Nebenwirkungen und sind günstig. Allerdings sollte man sich keinen allzu großen Effekt erwarten."

Prof. Dr. Christian Stief, Direktor der urologischen Klinik am Klinikum der LMU in München.


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