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Blutkrebs Akute und chronische Leukämien

Je nach Krankheitsverlauf unterscheidet man zwischen akuten und chronischen Leukämien. Während sich akute Leukämien innerhalb weniger Wochen entwickeln, verlaufen chronische Leukämien wesentlich langsamer.

Von: Klaus Schneider

Stand: 30.11.2020

Im Forschungslaborzentrum vom Carreras- Haus der Universitätsklinik Leipzig arbeitet Prof. Dietger Niederwieser, Leiter der Hämatologie und Internistischen Onkologie mit der Medizinisch Technischen Assistentin Karoline Goldmann an einem Sequenziergerät. | Bild: picture-alliance/dpa

Akute Leukämien
Vermehren sich die weißen Blutkörperchen dramatisch schnell, spricht man von einer akuten Leukämie. In diesen Fällen ist das Knochenmark typischerweise gefüllt mit unfertigen weißen Blutkörperchen, die innerhalb kürzester Zeit die normale Blutbildung völlig verdrängen.

Häufig werden Patienten mit akuter Leukämie innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums krank, weil die normale Blutbildung nicht mehr funktioniert. Die Patienten haben dadurch zu wenig ausgereifte weiße Blutzellen, zu wenig Blutplättchen und auch zu wenig rote Blutzellen.

"Typischerweise kommen solche Patienten mit einer Blutarmut zu uns, mit Blutungen und auch mit Infektionen. Das entwickelt sich häufig innerhalb von wenigen Wochen."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann

Auslöser von akuten Leukämien

Es gibt bestimmte Umweltfaktoren, die man gut kennt, die aber nur für einen kleinen Teil der Leukämien verantwortlich sind. Klassischerweise ist das zum Beispiel:

  • radioaktive Strahlung
  • bestimmte Noxen, denen man normalerweise nicht ausgesetzt ist, wie z.B. Benzol

"Wir müssen aber davon ausgehen, dass nur ein minimaler Teil dieser Faktoren für die Leukämien verantwortlich sind, die wir heute sehen."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann

Manche Patienten entwickeln eine akute Leukämie, nachdem sie eine Strahlen- oder Chemotherapie für eine andere Tumorart bekommen haben.

Schnelle Behandlung nötig

Blutplättchen und weiße Blutkörperchen (Granulozyten) haben nur eine Lebensdauer von  Tagen und müssen deshalb ständig erneuert werden. Findet die gesunde Blutbildung nicht mehr statt, bricht somit die körpereigene Abwehr zusammen, und auch die Blutgerinnung funktioniert nicht mehr. Würde ein Patient mit einer akuten Leukämie nicht behandelt, würde er deshalb binnen Wochen entweder an einer Infektion oder an einer Blutung versterben.

Chronische Leukämien

Während bei einer akuten Leukämie die Produktion der bösartigen Blutzellen wie im Zeitraffer geschieht, vermehren sich die weißen Blutkörperchen bei der chronischen Leukämie wesentlich langsamer. Zudem sind hier ausgereifte Zellen vermehrt, die ihre normale Funktion noch ausüben können.

Auslöser von chronischen Leukämien

Auch bei der chronischen Leukämie spielen Faktoren wie radioaktive Strahlung oder auch Benzol eine Rolle, allerdings treten diese Leukämieformen sehr selten nach vorhergegangenen Chemotherapien und Bestrahlung auf.

"Bei fast keinem der Patienten mit chronisch myeloischer Leukämie finden wir einen erkennbaren Auslöser. In ihrem Fall wissen wir nicht, warum die Leukämie bei ihnen entstanden ist."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann


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