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Antikörper gegen beta-Amyloid Aktive und passive Immunisierung

In dem Moment, in dem der Körper angeregt wird, Antikörper gegen das körpereigene Eiweiß Amyloid zu produzieren, besteht die Gefahr, dass er sich selbst angreift. Bereits vor 20 Jahren wurden in Tierversuchen demente Mäuse gegen ihr eigenes beta-Amyloid immunisiert. Das Ergebnis war: Die Amyloid-Plaques verschwanden aus ihrem Gehirn und Sie wurden wieder geistig fit.

Stand: 13.09.2018

Wie soll mit Hilfe einer aktiven oder passiven Immunisierung der Alzheimer-Demenz Einhalt geboten werden? Im Bild: Der Wissenschaftler Dr. Alexander Navarrete Santos und die Medizinische Technische Laboratoriumsassistentin Karolin Szymala arbeiten in einem Forschungslabor der Universität Halle an der Vorbereitung für eine Messung (aufgenommen am 26.03.2012). Dr. Santos hat gemeinsam mit einem internationalen Team von Forschern aus Deutschland, Schweden und den USA eine neue Methode zur Messung des im Gehirn angelagerten Beta-Amyloid entwickelt, dass größere Schädigungen von Nervenzellen sowie Dysfunktionen der Alzheimer-Krankheit verursacht. | Bild: picture-alliance/dpa

Menschen allerdings haben bei dieser Immunisierung in einigen Fällen eine Hirnentzündung (Enzephalitis) entwickelt, denn ihr Immunsystem hat das eigene Gehirn attackiert. Daraufhin brachen die Hersteller die Studien erst einmal ab - mittlerweile jedoch haben sie die Forschung wieder aufgenommen. Jetzt versuchen sie, die Trägersubstanzen zu verändern und das Antigen etwas weniger aggressiv zu machen.

Passive Immunisierung

Die passive Immunisierung ist momentan die vorherrschende Forschungslinie. Dabei führt man tatsächliche Antikörper ins menschliche Immunsystem ein, also nicht mehr nur Antigene, im Vertrauen darauf, dass der Körper die richtige Menge an Antikörpern bildet. Klar ist derzeit: Bei dieser passiven Immunisierung muss man mehrere Male eine gewisse Menge von Antikörpern einführen - dazu laufen momentan noch einige Studien. Nach bisherigen Misserfolgen liegt die Hoffnung nun auf der Behandlung von Patienten, deren Alzheimer-Erkrankung noch in einem besonders frühen Stadium ist.

Amyloid Abfluss

"Erst seit einigen Jahren kennt man das Lymph-System des Gehirns. Das sogenannte gliale Lymphsystem oder kurz Glymph-System. Dies wird vor allem in der Nacht aktiv und zwar bevorzugt dann, wenn man richtig schläft – also ohne sogenannte Schlafmittel. Im Tiefschlaf öffnet sich das glymph-System und der Abtransport von Amyloid und anderen unerwünschten Eiweissen verdoppelt sich. Es gibt auch Hinweise darauf, dass die Seitenlage beim Schlafen den Abtransport verbessert. Dieser Mechanismus wird durch Schlaftabletten aller Art beeinträchtigt, da sie die Abfolge der Schlafphasen, die sogenannte Schlafarchitektur zerstören." Prof. Dr. Hans Förstl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der TU München


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