Bayern 2


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Frauleins, Bier und Sport Die Aichacher Soldaten-News von 1945

Im Sommer 1945 waren in Aichach rund 3000 US-Soldaten stationiert. Zur Unterhaltung brachten sie ihre eigene Zeitung heraus. Während die Deutschen das Kriegsende verarbeiteten, wirkten die Texte und Bilder der Soldatenzeitung wie Momentaufnahmen eines fröhlichen Lebens. Allerdings gab es auch für die Soldaten Risiken.

Von: Carola Zinner

Stand: 01.06.2020 | Archiv

Sie waren auf alles gefasst, nur nicht auf derart friedliche Zustände: Als die US-amerikanischen Truppen im Sommer 1945 Bayern besetzten, stellten sie bald fest, dass mit militärischem Widerstand seitens der Einheimischen nicht mehr zu rechnen war.

Tolerante Koexistenz zwischen Amerikanern und Deutschen

Entwaffnung der Bevölkerung in Aichach durch die US-Armee, 1945

So galt für die 3000 Mitglieder des 39. Infanterieregiments, das in und um die Stadt Aichach stationiert war, das gleiche wie für alle in Deutschland stationierten Besatzungs-Soldaten: sie hatten viel Zeit, die irgendwie sinnvoll gefüllt werden wollte.

Auf welche Art das geschah, davon erzählen die "AAA-O News", eine Militärzeitung aus dem Jahr 1945, von der heute mehrere Ausgaben im Stadtmuseum von Aichach aufbewahrt werden. Es sind Dokumente, die aus außergewöhnlicher Perspektive Einblicke in jene Zeit direkt nach dem Krieg bieten, die für die meisten Einheimischen geprägt war von Hunger, Not und dem Kampf ums Überleben, aber oft auch von der Konfrontation mit den Verbrechen der NS-Zeit und persönlichem Versagen.

Nichts davon jedoch spiegelt sich in den "AAA-O News" wider. Die Texte und Bilder "by and for officers oft the 39th Infantry Regiment", von und für Mitglieder des 39. Regiments, wirken wie Momentaufnahmen eines fröhlichen Lebens in einem Freizeitcamp, dessen Bewohner sich mit Ausflügen in die Umgebung vergnügen und mit sportlichen Wettkämpfen.

Das größte Interesse jedoch scheint das an den - Fraternisierungsverbot hin oder her - hübschen "Frauleins" gewesen zu sein, von denen die schönsten, wie es an einer Stelle heißt, ausgerechnet in Schrobenhausen lebten. Allerdings bargen die weiblichen Verlockungen auch einige Risiken: "Soldiers who become infected are requested to give the name of the women to their medical officer." Man musste den Namen des "Frauleins" nennen, mit dem man Kontakt gehabt hatte, damit dieses "Fraulein" ebenfalls behandelt werden konnte und man damit eine weitere Ansteckungsgefahr ausschloss.

"Die Soldaten scheinen an Langeweile gelitten zu haben. Und haben begonnen, sich mit dem zu beschäftigen, was ihnen Spaß machte. Und es scheinen einige dabei gewesen zu sein, die Journalisten waren, und die haben eine Regiments- Zeitung geschrieben."

(Christoph Lang, Stadtmuseum Aichach)

"This edition of the AAA-O News marks the first appearance of a weekly newspaper. This is your paper, men, so let's all get behind it and make the AAA-O News the 'Best' paper of it's kind in the Army (...) to live up to our motto: Anything, anywhere, anytime, bar nothing!"

('AAA-O News', 1945)

A.A.A. O:  Anything, anywhere, anytime – und das O einfach abgekürzt:  bar nothing: Das ist das Motto dieses 39. Infanterieregiments: "Egal, was, egal wo, egal wann – ausnahmslos!"

Das Layout mit den großformatigen Fotos wirkte frisch und flott

US-Soldaten lesen "Stars and Stripes" (1942)

Die Tradition, Zeitungen speziell für die eigenen Streitkräfte herauszugeben, geht zurück bis in die Zeit der französischen Revolutionskriege Ende des 18. Jahrhunderts. 1861 erschien die erste Ausgabe von "Stars and Stripes", einer amerikanischen Militärzeitung, die bis heute existiert. Im Kriegsjahr 1942 entstand der europäische Ableger von "Stars and Stripes", mit dem die in Europa kämpfenden und später die hier stationierten US-Soldaten auf dem Laufenden gehalten werden sollten.

Mit diesem Blatt, an dem zeitweise namhafte Autoren und Zeichner mitarbeiteten, lassen sich die in Aichach entstandenen "AAA O News" natürlich nicht vergleichen. Doch die wöchentlich erscheinenden Ausgaben – zunächst waren es vier Seiten etwa im DinA 4-Format, später sechs Seiten in doppelter Größe – wirken mit ihrem klaren Schriftbild und den großformatigen Fotos frisch und flott. Amerikanisch halt.


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