Bayern 2


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Sachbuch über Asteroiden und Meteoriten Christian Köberl, Alwin Schönberger: "Achtung Steinschlag"

Christian Köberl und Alwin Schönberger bringen uns mit "Achtung Steinschlag" nicht nur die Asteroiden und die Geschichte ihrer Erforschung näher, sie ordnen auch die Gefahren für die Menschheit ein. Nebenbei räumt das Buch mit so manchem Hollywood-Mythos auf.

Von: Heinz Gorr

Stand: 06.02.2018

Buchcover "Achtung Steinschlag" | Bild: Brandstätter Verlag; Montage: BR

Sie sind Zeugen aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems: Asteroiden und Meteoriten. Ihre Einschläge auf der Erde hatten nicht nur das Aussterben der Dinosaurier zur Folge, sie können sich auch jederzeit und nahezu überall ereignen.

Zwei österreichische Autoren, der Wissenschaftsjournalist Alwin Schönberger und der Impaktforscher Prof. Christian Köberl, haben über das Phänomen ein lesenswertes Buch geschrieben: "Achtung Steinschlag. Asteroiden & Meteoriten. Tödliche Gefahr und Wiege des Lebens". Prof. Christian Köberl zählt zu den international führenden Experten auf diesem Gebiet, er ist Geochemiker und Professor für planetare Geologie an der Universität Wien. Moderator Heinz Gorr hat mit ihm in der Sendung Bayern 2-Favoriten über das Buch gesprochen.

Heinz Gorr: Was in der Kino-Fiktion als spektakuläres Bedrohungsszenario daherkommt, das hat ja bereits in Wirklichkeit stattgefunden, schreiben Sie in der Einleitung Ihres Buches. Nur gab es bei den verheerendsten Impakten, wie die Wissenschaftler die Einschläge nennen, den Menschen noch nicht. Wie müssen wir uns diese Jahrmillionen zurückliegenden Ereignisse vorstellen: In Chicxulub etwa, vor der mexikanischen Halbinsel Yucatán?

Prof. Christian Köberl

Prof. Christian Köberl: In diesem Fall, gerade bei Chicxulub, war es ein ungefähr zehn, zwölf Kilometer großer Asteroid, der mit vermutlich 20, 30 Kilometer pro Sekunde den Boden getroffen hat. Die dabei freiwerdende Energiemenge ist fast unvorstellbar. Nur mit Millionen von Atombomben noch vergleichbar. Und eine ähnliche Apokalypse war dann auch die Folge. Denn dabei werden zig Zehntausende Kubikkilometer an Gestein in die Atmosphäre gebracht, teilweise verdampft, teilweise als Staub. Es ändert sich also innerhalb ganz kurzer Zeit das Klima, das glühende Gestein, das ausgeworfen wurde, ist viele Tausende Kilometer fast rund um die Welt geflogen und hat Brände verursacht. In noch unmittelbarerer Umgebung gab es Tsunamis, Erdbeben und natürlich die Zerstörungen direkt, die einen 200 Kilometer großen Krater zurückgelassen haben.

Heinz Gorr: Wenn wir von der Erd- und Meteoritengeschichte in die Gegenwart schauen: Wie ordnen Sie die Gefahren für die Erde und die Menschheit durch die bewegten Himmelskörper heute ein? Wie viele Asteroiden schwirren zurzeit herum in unserem Sonnensystem?

Prof. Christian Köberl: Das hat eine sehr interessante Geschichte, denn erst im Jahre 1801 wurde der erste Kleinplaneten entdeckt, und dann wurden mehrere Hundert und dann schlussendlich Anfang des 20. Jahrhunderts auch Tausende neue Kleinplaneten entdeckt, und heute mit modernen Teleskopen, hat man mittlerweile ungefähr knapp eine Million Kleinplaneten aufgespürt. (...) Es ist aber auch Faktum, dass wir heute ungefähr knapp 20.000 Kleinplaneten kennen, von den ungefähr einer Million, die der Erde nahekommen können oder auf die Erde stürzen können. (...) Diese Objekte, diese kleinen Objekte, von denen kennen wir nur ganz ganz wenige. Und die können eigentlich jederzeit aus dem blauen Himmel kommen. Wir kennen also nur die gut, die größer als drei-, vierhundert Meter im Durchmesser sind. Bei den kleineren, da sind wir noch ein bisschen ratlos, da brauchen wir größere Teleskope und mehr Untersuchungen.

Heinz Gorr: Um nochmal auf die sehr drastische Hollywood-Fiktion zurückzukommen: Sie beschreiben in Ihrem Buch, was da im Film abläuft. Zitat: "... den Präsidenten aus dem Bett klingeln, Krisensitzung einberufen, die Medien hinhalten, Bruce Willis fragen, ob er gerade Zeit hat. Der hat zwar andere Pläne, wird jedoch vom Pflichtbewusstsein übermannt und fliegt zu dem immer näherkommenden Asteroiden, der die gesamte Menschheit auszulöschen droht. Dort zündet er ein paar Atombomben und der Fall ist erledigt." Hätten wir heute in Wirklichkeit andere Möglichkeiten, um auf einen Asteroiden auf Kollisionskurs zu reagieren?

Prof. Christian Köberl: Also man muss einmal sagen, dieses Hollywood-Szenario ist absolut unmöglich. Nicht nur unwissenschaftlich, sondern völlig unmöglich. Da sprechen die Gesetze der Physik einfach völlig dagegen, wenn ein Objekt bereits auf Kollisionskurs sich mit uns befindet, dann helfen die besten Atombomben nichts. Außerdem bewegt sich dieses Objekt mit viel größerer Geschwindigkeit auf die Erde zu als sich irgendein Raumschiff so in der Schnelligkeit zu dem Asteroiden fliegen ließe. Was man tun müsste, man müsste tatsächlich einen solchen Asteroiden viele Jahre im Vorhinein finden, während er noch mehrere Umläufe vor sich hat, bevor er mit der Erde zusammenstößt.

Christian Köberl, Alwin Schönberger, "Achtung Steinschlag. Asteroiden & Meteoriten. Tödliche Gefahr und Wiege des Lebens"
Brandstätter Verlag, Wien, 2018
224 Seiten


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