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Schwangerschaftsabbruch Abtreibung nach wie vor Tabuthema in Bayern

Frauen, die ungewollt schwanger werden und Hilfe zum Thema Abtreibung suchen, tun sich schwer. Das Tabu scheint nach wie vor groß. Besonders deutlich wird das außerhalb großer Städte.

Stand: 19.02.2018

Nach §218 des Strafgesetzbuches ist eine Abtreibung eine strafbare Handlung. Vor Strafe geschützt ist die Schwangere nur, wenn sie eine Bescheinigung vorlegt, dass sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff hat beraten lassen und seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind. Doch eine ortsnahe Beratung zu finden und danach eine Ärztin oder Arzt für den Eingriff ist gerade in einem Flächenstaat wie Bayern für viele Betroffene eine Herausforderung.

Weniger Abtreibungen Jahr für Jahr

Im Jahr 2016 wurden 11.483 Schwangerschaftsabbrüche bei Frauen mit Wohnsitz in Bayern durchgeführt. Damit setzte sich der rückläufige Trend fort. Im Jahr 2004 waren es noch 16.155 Abtreibungen. Siebzig Prozent der Frauen waren zwischen 18 und 34 Jahre alt. Fast 42 Prozent der Frauen waren verheiratet.

Zur Beratung verpflichtet

Das Schwangerschaftskonfliktgesetz verpflichtet die Bundesländer, in angemessener Entfernung vom Wohnort der Schwangeren eine Beratungsstelle zur Verfügung zu stellen. In Bayern gibt es derzeit 128 staatlich anerkannte und geförderte Beratungsstellen unterschiedlicher Weltanschauung. Dazu gehören die Gesundheitsämter und die Beratungsstellen freier Träger wie Pro Familia, Donum Vitae, Frauen beraten e.V. oder das Diakonisches Werk.

Beratungsbescheinigung nicht von jeder Stelle

Die Beratungsstellen dürfen eine Beratungsbescheinigung ausstellen, die für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch nötig ist. Die Caritas und der Sozialdienst katholischer Frauen beraten allerdings nur und stellen keine Bescheinigung aus. Die Beratungsstellen dürfen auch Listen mit Ärzten, die Abbrüche vornehmen, aushändigen. Doch auch das wollen nicht alle Stellen.

"Die Frauen, die zu uns kommen, sind sehr verletzlich, wissen nicht mehr ein und aus. In dieser Situation brauchen sie möglichst viel Sicherheit. Wir sind nicht diejenigen, die sagen, was zu tun ist, was richtig oder falsch ist, sondern die behilflich sein wollen, einen guten Weg zu finden."

Thoralf Fricke, Pro Familia Passau

Nur wenige Ärzte führen Abtreibungen durch

Nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz müssen die Länder ein ausreichendes Angebot ambulanter und stationärer Einrichtungen zur Vornahme von Schwangerschaftsabbrüchen sicherstellen. Wobei Ärzte nicht verpflichtet sind, nach der Beratungsregelung Schwangerschaftsabbrüche durchführen zu müssen. In Bayern stehen nur in den großen Städten entsprechende Kliniken und Arztpraxen zur Verfügung, außerhalb kaum bis gar nicht.

"Wir haben im Großraum Passau einen Mediziner, der noch Abbrüche nach der Beratungsregelung vornimmt. Das nächste medizinische Angebot wäre in Regensburg. Von Passau mit dem Auto sind das so 120, 130km. Wenn ich jetzt irgendwo im Bayerischen Wald oder in Rottal lebe, hab ich noch ein Stück weiter zu fahren."

Thoralf Fricke, Pro Familia Passau

Lange Strecken bereiten Betroffenen Probleme

Auch im Allgäu ist die Lage ähnlich. Die Leiterin Kemptener Beratungsstelle von Pro Familia, Annedoris Roos, beklagt, dass es keine niedergelassenen Ärzte gibt, die einen Abbruch nach der Beratungsregelung gibt. Auch in Kliniken gäbe es keine Möglichkeit.

"Ich finde es einen Skandal, dass die Frauen so weit fahren müssen. Es ist eine wohnortnahe Versorgung vorgesehen, auch mit Ärzten, die Abbrüche machen. Davon kann überhaupt nicht die Rede sein. Die Frauen müssen viele Hindernisse überwinden."

Annedoris Roos, Pro Familia Kempten

Weite Strecken zum geeigneten Arzt erfordern Zeit, Geld und eine Begleitperson, die erst eingeweiht werden muss. Denn nach dem Eingriff, darf die Frau nicht allein nach Hause entlassen werden.


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