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Warnsignale Ab wann Kilos gefährlich werden

Den meisten Eltern fällt gar nicht auf, wenn ihr Kind zu dick wird. Sie sehen ihr Kind jeden Tag und bemerken schleichende Veränderungen ihres Kindes dadurch oft gar nicht oder sehr spät.

Stand: 10.04.2018

Übergewchtiger Junge beim Pizzaessen | Bild: colourbox.com

Ein paar Pfund über dem Normgewicht halten viele Eltern noch nicht für besorgniserregend.

"Dabei sollte man die Gewichtsentwicklung seines Kindes von Anfang an aufmerksam beobachten."

Ernährungswissenschaftlerin Agnes Streber

Kontrolle und Wachsamkeit

Man sollte die Gewichtsentwicklung seines Kindes von Anfang an aufmerksam beobachten, ehe es zu bösen Überraschungen kommt.

Wichtige Termine hierfür sind die U-Untersuchungen beim Kinderarzt, die von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt werden. Dabei wird der gesundheitliche Allgemeinzustand des Kindes geprüft und das Gewicht festgehalten. Wenn sich eine Übergewichtstendenz abzeichnet und diese Tendenz über das vierte, fünfte Lebensjahr hinaus anhält oder sogar steigt, ist erhöhte Wachsamkeit angebracht.

Percentil-Kurven

Percentil-Kurven finden sich in den Untersuchungsheften der Kinderärzte. Sie vergleichen das Gewicht eines Kindes mit dem durchschnittlichen Gewicht dieser Altersstufe bei gleichem Geschlecht. Ein Beispiel: Percentil 80 bedeutet, dass 80 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung diesen Geschlechts und Alters leichter sind und 20 Prozent schwerer als die Vergleichsperson.

Risikofaktor Schule

Nach Erfahrung von Ökotrophologin Streber beginnt Übergewicht häufig während des ersten Schuljahres. Ab diesem Zeitpunkt müssen die Kinder vermehrt sitzen – in der Schule und bei den Hausaufgaben am Nachmittag. Dazu kommt die passive Haltung im Fernsehsessel. Diese abrupte Einschränkung der Bewegung verlangsamt den Stoffwechsel und fördert somit eine Gewichtszunahme.

Tipp: Die zwei wichtigsten Warnsignale

  • Sprunghafte Gewichtszunahme


Nimmt ein Kind innerhalb weniger Monate mehrere Kilos zu, dann ist das als Warnsignal zu werten.
Beispiel:
Wiegt ein sechsjähriges Mädchen, das bis zum ersten Schultag 24 Kilo wog, nach wenigen Monaten Schulbesuch zwei Kilo mehr, sollte man aufpassen. Das heißt nicht, dass dieses Kind dann bereits abnehmen muss. Die Ökotrophologin rät jedoch: Man sollte allerdings darauf achten, dass das Gewicht zumindest stabil bleibt. Durch das Wachstum wird das Mädchen dann wieder in den Bereich des Normalgewichts zurückfinden.

  • Frustessen


Ein weiteres Warnsignal ist die steigende Nachfrage nach Essen, vor allem außerhalb der Essenszeiten. Manche Kinder durchleben Phasen, in denen es ihnen besonders langweilig ist oder in denen Probleme in der Schule oder mit Freunden auftauchen. Da Essen stark mit Gefühlen verbunden ist, werden emotionale Defizite nicht selten mit Essen kompensiert. In solchen Fällen rät die Expertin Streber den Eltern, nachzuprüfen, ob das Kind wirklich eine Phase mit vermehrtem Nahrungsbedarf durchlebt oder ob mit dem Essen weniger der Hunger als vielmehr Frust hinuntergeschluckt wird, und das Kind eigentlich anderweitig Unterstützung braucht.

Taschengeld

Eltern sollten wissen, wofür ihre Kinder den Großteil ihres Taschengeldes ausgeben. Wenn das Pausenbrot permanent wieder mit nach Hause gebracht wird, sollte man nachfragen, was das Kind in der Pause isst. Familientherapeutin Streber rät Eltern, es Grundschülern nicht generell selbst zu überlassen, was sie essen wollen. Eltern sollten vielmehr die Essgewohnheiten des Nachwuchses beobachten, Vorlieben berücksichtigen, aber auch Einfluss nehmen, wenn sich die Ernährung zu einseitig gestaltet.


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