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75 Jahre LSD Diese 13 Songs würde es ohne LSD nicht geben

Vor 75 Jahren hat der Schweizer Chemiker Albert Hofmann LSD entwickelt und dessen bewusstseinsverändernde Wirkung entdeckt. Ursprünglich für die Pharmaindustrie gedacht, veränderte die Droge eine ganze Generation – und maßgeblich auch die Musik.

Von: Julia Vorkefeld

Stand: 15.04.2018

Pink Floyd bei einem Konzert im "Pavillon de Paris" in Paris im Februar 1977. | Bild: picture alliance/ Effigie/ Leema

Eigentlich wollte Albert Hofmann ein Kreislaufstimulans entwickeln, als er 1938 mit der chemischen Forschung auf Basis eines natürlichen Stoffs, dem Getreidepilz Mutterkorn, begann und 1943 eine Versuchsreihe mit Lysergsäurediethylamid-25 startete. Durch ein Versehen gelangte sein "Sorgenkind", wie er LSD später nannte, in den eigenen Körper und Hofmann entdeckte die ungeahnten Fähigkeiten der Substanz. Am 19. April 1943 wiederholte er das Experiment, diesmal nahm er kontrolliert 250 Mikrogramm ein – der Geburtstag von LSD.

In den 50er Jahren in psychotherapeutischen Kontexten eingesetzt und verbreitet, sorgten ab den frühen 60ern vor allem der Schriftsteller Ken Kesey mit seiner Hippie-Gruppe "Merry Pranksters" und der Psychologe Timothy Leary mit seiner medienwirksamen Kampagne "Turn On, Tune In, Drop Out" für eine Verbreitung der Droge als psychedelischer Türöffner und Mittel zur Bewussstseinserweiterung. Von Anfang an waren Bands dabei: Bei den LSD-Happenings von Kesey traten The Greatful Dead auf und bald entwickelten auch andere Bands "bewusstseinserweiternde" Musik.

LSD wurde nicht nur in den Texten thematisiert, sondern gleichermaßen verklanglicht. Gleichzeitig kamen neue Technologien wie der Synthesizer auf. Die Kombination aus freiem Geist, neuen elektronischen Instrumenten und LSD als musikalischer Trigger des Gehirns ebneten den Weg für eine musikalische Evolution, deren Auswirkungen bis heute zu hören sind. Unter anderem in diesen 13 Songs, die es ohne LSD wohl nicht geben würde.

Kim Fowley – "The Trip", 1965

Diese frühe Single von Kim Fowley ist offiziell als psychedelischer Pophit vermarktet worden und exemplarisch für das Erfolgskonzept Psychedelik als mainstreamfähiges Produkt für die Jugendbewegung in den USA der 60er Jahre: Bewusstseinserweiterung als hip und existenziell.

John Coltrane – "Om", aufgenommen 1965, veröffentlicht 1968

Zeitgleich zum Garage Rock wird auch der Jazz von der Psychedelik beeinflusst. Jazz-Musiker suchten krampfhaft nach Erneuerung, Miles Davis wollte seinen Sound "verjüngen" und auch John Coltrane suchte nach neuen Ausdrucksformen. Coltranes Album "Om" wird gerne als eines seiner schlechteren Werke gehandelt. Dass Coltrane bei den Aufnahmen LSD genommen hatte, stritt er selbst ab, Zeitzeugen behaupten aber das Gegenteil. Ob nun Mythos oder Fakt, einen Einfluss der Droge kann man kaum überhören.

Jefferson-Airplane – "Runnin' 'Round this World", 1966

"White Rabbit" von Jefferson Airplane ist wahrscheinlich DIE LSD-Hymne schlechthin, der Inbegriff des Psyschedelic Rock. Komponiertes LSD auf dem Peak der psychedelischen Hippie-Bewegung. In dem etwas unbekannteren Track "Runnin' 'Round this World" geht es aber um einiges expliziter zu – Jefferson Airplane beschreiben hier Sex auf LSD.

The Beatles – "Whithin You Whithout You", 1968

Zahlreiche Beatles-Songs sind beeinflusst von LSD. Seit dem Album "Revolver" entwickelten sie neue, trippige Songs. Songs, die mit mystisch-methaphorischen Texten die Drogenerfahrung ausdrücken – und mit fremden Klängen wie denen der Sitar in "Within You Without You" vom Album "Sgt Pepper's Lonely Hearts Club Band". Auf "Sgt. Pepper's" befindet sich auch "Lucy in the Sky with Diamonds", der berühmteste LSD-Song der Beatles, der aber angeblich gar nichts mit der Droge zu tun hat.

Amon Düül 2 – "Phallus Dei", 1969

Im krautigen Deutschland wird ebenfalls kräftig vom Acid genascht, obwohl der Stoff, der die Phantasie so anregt, hier mehr ein Underground-Produkt ist. Das deutsche Pendant zur englisch-amerikanischen psychedelischen Hippie-Bewegung verkörpert am besten die Münchner Kombo Amon Düül und die Nachfolge-Formation Amon Düül 2. In deren Epos "Phallus Dei" wird mit überlagerten Gitarren dem Penis von Gott gehuldigt. Das ist zwar übertrieben, entspricht aber dem Zeitgeist. Heute würden Amon Düül 2 hoffentlich über die Vagina Gottes derart ausflippen!

Fatty George & Silke Schwinger – "Straßenfahrt durch Wien", 1971

Im deutschsprachigem Raum gibt es noch weitere psychedelische Perlen zu entdecken: "Straßenfahrt durch Wien" zum Beispiel vom Soundtrack zum Film "Trip", der österreichischen Variante des Musicals "Hair", nur etwas extremer – eben ösi-düster. Die 1971 vom ORF produzierte Hippie-Oper polarisierte das österreichische Fernsehpublikum – auch, weil sie drogenkonsumierende Jugendliche zeigt, die einen Ausweg aus der Realität suchen und in einem zwielichtigen Guru ihren Erlöser finden.

Pink Floyd – "Echoes", 1971

Die psychedelischen 70er Jahre und die Ära des Progressive Rock leiteten endgültig die experimentierfreudigen Pink Flyod mit ihrem Konzeptalbum "Meddle" ein, einer endlosen Reise durch die unzähligen Galaxien unseres Universums. Ein Sternensystem voll smoother elektronischer Klangwelten. Die immer beliebter werdenden Synthesizer-Klänge als frühe Vorboten der elektronischen Musik sind das ideale Instrument um den LSD-Erfahrungen Ausdruck zu verleihen.

Funkadelic – "Maggot Brain", 1971

Zur gleichen Zeit produzierten Funkadelic in Detroit ihren roughen Trip "Maggot Brain". Dirty und tough klirren die LSD-versifften Gitarren durch den Track. Brutal, verträumt und sexy zugleich zeigt der Song, dass auch die schwarze Popkultur tief von LSD beeinflusst wurde.

Ash Ra Tempel & Timothy Leary – "Time", 1972

1971 war der LSD-Guru und Psychologe Timothy Leary – nach seiner Flucht aus einem kalifornischen Gefängnis – für kurze Zeit gezwungen ins Schweizer Exil zu gehen. Dort lebte er auf einer Alp in Rüschegg und wurde Teil der Hippie-Formation Ash Ra Tempel mit einem talentierten Manuel Göttsching an der Gitarre. Ihr Album "Seven Up" übersetzt die psychedelische Erfahrung eins zu eins in Musik und erzählt von den "sieben Bewusstseinsstufen", die Menschen laut Leary bei einem Trip durchleben können. Göttsching wird später mit seinem Konzeptalbum "E2-E4" einen Grundstein für die kommende elektronische Clubmusik legen.

Steely Dan – "Kid Charlemagne", 1976

Dieser Track verdeutlicht den Übergang von Progressive Rock zu Disco, ein ideales Link-Stück der musikalischen Evolution. Von Disco und der dadurch beeinflussten Clubkultur ist es nur noch ein kleiner Sprung über House-Musik zu Techno. LSD ist immer noch hörbar, die Elemente des Progrock verschmelzen geschickt im Discogewand.

Phuture – "Acid Tracks", 1987

Phuture – ein Chicagoer Techno-Trio bestehend aus DJ Pierre, Spanky und Herb J.  – begründeten mit "Acid Tracks" das Acid House Genre – benannt nach einem englischen Slangwort für LSD. Acid House beeinflusste zahlreiche Pop-, Techno-, HipHop- und Dance-Stile – und ist selbst beeinflusst durch psychedelische Rockmusik. Die sich wiederholenden Patterns und die Länge der Stücke sind elektronisch-abgespeckte Adaptionen aus dem Psychedelic Rock.

Dinky – "Acid in My Fridge", 2004

Kaum zu glauben, dass dieser Techno-Track der chilenischen Musikerin und Berghain-Residentin Dinky Wurzeln in der verspielten psychedelischen Musik hat. Aber selbst dieser minimalistische Techno ist am Ende ein Ergebnis der LSD-Kultur. Ohne LSD hätte sich die Popkultur nicht derartig weiter entwickeln können, erst die Psychedelik eröffente den Musiker und Musikerinnen neue Ansätze und Perspektiven auf ihren Sound.

A$AP Rocky – "LSD", 2015

Auch heute noch ist Psychedelik ein Bestandteil der Popkultur und wirkt nach wie vor inspirierend. Selbst im Hip Hop, speziell im Psych Rap kommt die "Wunderdroge" LSD vor. Der Musiker A$AP Rocky zum Beispiel singt nicht nur über LSD-Erfahrungen, sondern sagt auch in Interviews, die Droge helfe ihm das Leben zu meistern. Sein Leben und seine Kunst seien psychedelisch: "It's trippy. My art, my visuals. Very trippy."