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Meilenstein der Medizingeschichte 60 Jahre Herzschrittmacher

Am 8. Oktober 1958 wurde in Stockholm der erste Herzschrittmacher eingesetzt. Heute ist der Eingriff längst zur Routine geworden. Ein Gespräch mit Dr. Eimo Martens, Oberarzt am Klinikum rechts der Isar in München.

Von: Uwe Pagels

Stand: 08.10.2018

Vor einer Herz-OP: Ein Arzt hält eine Schale mit einem Herzschrittmacher in die Kamera | Bild: picture-alliance/dpa

radioWelt: Ist die Operation zum Einsetzen eines Herzschrittmachers eigentlich gefährlich?

Eimo Martens: Nein, das ist heutzutage überhaupt kein gefährlicher Eingriff mehr, das vollziehen wir in lokaler Betäubung, der Patient ist die ganze Zeit wach und es ist nur eine kleine Operation von einer halben bis dreiviertel Stunde Dauer. Viele Patienten kommen als Notfall ins Krankenhaus, weil ihnen schwindlig wird oder sie sogar ohnmächtig werden, viele werden aber auch vom Hausarzt oder niedergelassenen Kardiologen überwiesen. Die Operation zahlt natürlich die Krankenkasse.

radioWelt: Warum schlägt ein Herz zu langsam?

Eimo Martens: Es gibt viele verschiedene Ursachen. Das Leitungssystem im Herzen ist ein System elektrischer Leitungen, wie Stromkabel zu Hause, und diese Leitungen können durch verschiedene Ursachen kaputt gehen. Oft ist es, gerade bei älteren Patienten, ein Herzinfarkt, manchmal ist es auch einfach eine Alterserscheinung, dass Kalkablagerungen in diesen Leitungszellen dazu führen, dass diese nicht mehr richtig funktionieren, und dann gibt es aber auch Erkrankungen wie eine Herzmuskelentzündung, eine Myokarditis, die diese Zellen kaputt macht. Der größte Teil der Patienten ist natürlich älter, aber auch viele junge Patienten haben einen zu langsamen Herzschlag.

radioWelt: Bedeutet der Schrittmacher Einschränken für den Patienten?

Eimo Martens: Die modernen Herzschrittmacher sind sehr klein, vielleicht wie eine zwei Euro-Münze. Sie bedeuten für den Patienten keinerlei Einschränkungen – egal ob bei der Arbeit oder beim Sport. Die Technik hat sich extrem weiterentwickelt. Das größte Problem war, die Batterie klein zu bekommen, heute sind es Lithium-Ionen-Akkus, die etwa 15 Jahre halten – dann aber leider nicht wieder aufgeladen werden können. Das wäre bei einem so lebenswichtigen Gerät zu unsicher, also muss es ausgetauscht werden.


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