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10 Jahre Neumayer-Station III in der Antarktis "Der Komfort hier ist beeindruckend"

Seit dem 20. Februar 2009 arbeiten Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polarforschung auf der deutschen Neumayer-Station III. Die deutsche Chirurgin Birgit Steckelberg leitet seit zwei Monaten die Forschungsstation. Im Gespräch spricht sie über ihren Alltag und sagt: "Es ist unglaublich mächtig, der Eindruck, wenn man vom Flugzeug aus die ersten Eisberge sieht."

Stand: 20.02.2019

Welche Qualifikation braucht man denn, um die „Neumayer“ managen zu können?

Traditionell ist es so, dass Chirurgen hier vor Ort den ärztlichen Job übernehmen. Vorzugsweise mit einer längeren Erfahrung, und hinzu käme dann noch Erfahrung in verschiedenen chirurgischen Fachgebieten. Ein bisschen Lebenserfahrung insgesamt, um den Job hier meistern zu können, ist sicherlich auch ganz angebracht. Wir sind im Winter zu neunt; neun Erwachsene, vier Forscher und insgesamt fünf Techniker, so dass man auch diese erwachsenen Menschen, die doch alle ihren eigenen Bereich haben, doch insgesamt auch psychisch und physisch sicher durch den Winter bringen muss.

Antarktis, das klingt ja für diejenigen, die noch nicht da waren und das Ganze nur von Film und Fotos kennen, also auch für mich, nach unendlichen Schneeweiten, nach Dauerkälte. Was ist denn die Realität? Was ist anders, als Sie sich vorher gedacht haben?

BS: Das ist gar nicht so weit von der Realität entfernt. Also gerade ich habe als Kind die Bücher über die Expeditionen mit Amundsen und Scott gelesen, natürlich, das ist etwas, was einem lange im Gedächtnis bleibt, und man kann sich natürlich auch heutzutage im Internet über alles Mögliche in der Antarktis informieren. Und es ist dann doch unglaublich mächtig, der Eindruck, wenn man vom Flugzeug aus die ersten Eisberge sieht und diese irrsinnige Eiswüste in ihren ganzen Dimensionen dann irgendwann erfasst. Das ist schon unglaublich beeindruckend. Der Komfort hier auf Station ist auch beeindruckend, auf eine andere Art; man lebt hier eben nicht mehr im Zelt, aber die Forscher hier vom Alfred-Wegener-Institut, und auch die, die im Winter hier sind und die Messstationen in Schuss halten müssen, müssen aber auch bei dem Wetter täglich vor die Tür. Und zwar bei jedem Wetter. Und das kann im Winter schon mal sehr eisig werden. Wir haben ja einen Kälterekord 2010 von minus 50,2 Grad Celsius gehabt und das geht schon im Winter in die Richtung. Jetzt im Sommer ist es nicht ganz so kalt. Da hatten wir im Februar maximal minus 18 Grad.

Ich habe gelesen, Sie haben in der Forschungsstation ein großes Panoramafenster. Wie sieht es denn im Moment draußen aus, im antarktischen Sommer?

Ich kann mal gerade auf den Messmonitor schauen, dann kann ich es Ihnen genau sagen. Wir haben 18,9 Knoten Wind draußen, das ist für diese Verhältnisse relativ moderat, wir haben minus 2,6 Grad Celsius Temperatur, der Himmel ist so leicht bewölkt, man sieht hinten am Horizont einen blauen Streifen. Und ich gucke auf die Eisberge in der Atka-Bucht.

Das klingt von der Ferne erstmal idyllisch. Sie werden ja nicht nur den Sommer, sondern auch den Winter auf der Station verbringen, und da herrscht ja vor allem Dunkelheit. Haben Sie sich denn schon Strategien überlegt, wie Sie Ihr Forscherteam über die Zeit bei Laune halten?

Wir werden ja in erster Linie auf diese Winterzeit vorbereitet, und nicht so sehr auf diesen doch turbulenten Sommer, wenn hier teilweise bis zu 70 Menschen auf der Station sind. Im Winter ist es so, dass dann ab dem 20. Mai die Sonne hier erstmal nicht mehr aufgeht bis zum 23. Juli dieses Jahr. Und wir haben einige Sporteinrichtungen; wir können aufs Laufband, aufs Fahrrad, wir können Tischtennis spielen und solche Dinge machen. Es ist hier tatsächlich ein recht passables elektrisches Klavier vorhanden, einige haben sich noch ein eigenes Instrument mitgebracht, einige haben sich was mitgebracht zum Stricken, zum Lesen, hier gibt es allerdings auch eine sehr große Bibliothek, so dass man auch genug zum Lesen hat. Das wird sich so finden. Das wird sich einjuckeln, was uns alle gemeinsam bei Laune hält.


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