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Wann ist man Alkoholiker? Wann wird Alkohol zum Problem?

Ab wann ist Alkoholkonsum gefährlich? Und woran erkenne ich einen Alkoholiker? Ein Interview mit Martin Heyn vom Bayerischen Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung.

Stand: 09.03.2018

Leere Bierflaschen vor der Couch | Bild: mauritius-images

"Alkoholismus ist eine Krankheit, keine Schwäche des Einzelnen"

Martin Heyn, Bayerisches Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung

Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 72.000 Menschen an übermäßigem Alkoholkonsum und dessen Folgen. Damit ist Alkohol nach Tabak die Volksdroge Nummer zwei. Häufig ist nicht nur die Person selbst, sondern auch das Umfeld dramatisch von der Krankheit betroffen. Martin Heyn vom Bayerischen Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung, erzählt ab wann jemand Alkoholiker ist.

Ab wann wird der Alkohol zum Problem?

Bayern 1: Wann ist Alkoholkonsum gefährlich?

Martin Heyn: Ob Alkohol gefährlich ist oder nicht, hängt von mehreren Faktoren ab. Unter anderem spielen der individuelle Gesundheitszustand, die Menge an Alkohol und natürlich auch die Situation, in welcher Alkohol getrunken wird, eine Rolle.

Grundsätzlich spricht man von einem risikoarmen Konsum, wenn Frauen täglich nicht mehr als 12g und Männer nicht mehr als 24 g reinen Alkohol trinken. Das entspricht für Männer ungefähr 0,6 l Bier oder ein Viertel Liter Wein. Frauen sollten allerdings nicht mehr als 0,3 l Bier oder ein achtel Liter Wein pro Tag trinken. In beiden Fällen werden ein oder zwei Tage Abstinenz pro Woche miteinberechnet. Wenn man also nicht mehr als die, von der deutschen Hausstelle für Suchtfragen e.V. empfohlene Menge Alkohol trinkt, treten aller Voraussicht nach keine gesundheitlichen Auswirkungen auf.

Woran erkenne ich ein Alkoholproblem?

Bayern 1: Wie erkenne ich, dass jemand ein Alkoholproblem hat?

Martin Heyn: Es gibt viele Anzeichen dafür, dass jemand ein Alkoholproblem hat. Selbstverständlich trinkt die betroffene Person deutlich mehr Alkohol. Zu Beginn wird sich der oder die Betroffene immer wieder Anlässe suchen, um zu trinken: Mittagspause, Feierabend, Freitagnachmittag, Samstagabendparty. Zusätzlich führt der immer weiter steigende Alkoholkonsum zu vielen nicht eingehaltenen Vorsätzen, zu Kontrollverlust und langsam auch zur Wesensveränderung. Die Sucht ist bereits weit fortgeschritten, wenn der oder diejenige heimlich trinkt und immer nach Alkohol riecht.

CAGE Interview

Um herauszufinden, ob jemand ein Alkoholproblem hat, kann man ein sogenanntes CAGE-Interview führen. Der Test besteht aus vier Fragen. Liegen mindestens zwei Ja-Antworten vor, wiest dies auf eine Alkoholabhängigkeit hin.

C = Cut Down: Haben Sie (erfolglos) versucht, Ihren Alkohlkonsum einzuschränken?
A = Annoyed: Haben andere Personen Ihr Trinkverhalten kritisiert und Sie damit verärgert?
G = Guilty: Hatten Sie schon Schuldgefühle wegen Ihres Alkoholkonsums?
E = Eye Opener: Haben Sie jemals schon gleich nach dem Aufstehen getrunken, um „in die Gänge“ zu kommen oder sich zu beruhigen?

Was kann ich tun, wenn ich einen Verdacht habe?

Bayern 1: Was kann ich tun, wenn ich den Verdacht habe, jemand in meinem Umfeld wird zum Alkoholiker?

Martin Heyn: Der erster Schritt wäre, den Betroffenen in seinem Konsum nicht zu unterstützen. Verzichten Sie auf ein gemeinsames Feierabendbier und den Schnaps nach dem Essen. Sollte der Verdacht bleiben, dann sprechen Sie die betroffene Person direkt an. Verpacken Sie Ihre Beobachtungen nicht als Schuldvorwurf sondern als aufrichtige Sorge: „Ich habe das Gefühl, dir geht es gerade nicht gut. Kann ich dir helfen?“ Seien Sie sich jedoch bewusst, dass sie den Erkrankten selbst nicht therapieren können. Daher sollten sie als Angehöriger oder indirekt Betroffener immer Hilfe von Außerhalb holen, zum Beispiel bei Selbsthilfegruppen.

Wie kann ich zu hohem Alkoholkonsum vorbeugen?

Bayern 1: Haben Sie ein paar Tipps zur Prävention?

Martin Heyn: Ja, reduzieren Sie Ihren Konsum. Verzichten Sie hin und wieder auf Alkohol, um selbst bewusster mit dem Suchtmittel umzugehen. Trinken Sie bei manchen „Anlässen“ nichts und seien Sie damit auch konsequent. So können Sie Ihren Mitmenschen gegenüber ein Zeichen setzen. Seien Sie ein gutes Beispiel für Kinder und Jugendliche. Und: Trinken Sie niemals Alkohol im Straßenverkehr, im Beruf oder während einer Schwangerschaft.

Das Interview führte Gabi Fischer


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Hannah, Donnerstag, 15.März, 17:05 Uhr

3. Alkoholismus ist eine anerkannte Krankheit.....

Nicht jeder der eine bestimmte Zeit zu viel trinkt wird Alkoholiker. Es gibt viele die aufhören können aber auch viele die nicht mehr aufhören können und wo es zur Sucht wird. Es gibt Alkohol den man nicht riecht ( z. b. Wodka) und man kann das Trinken lange verheimlichen bis die anderen Misstrauisch werden. Viele kommen vom Alkohol nicht mehr los und sterben daran und es werden leider immer mehr. Alkohol kann man überall kaufen und dadurch ist die Gefahr einen Rückfall zu erleiden sehr hoch. Wir haben Aufklärung in Schulen gemacht, viele Schulkinder trinken, aber auch viele Senioren und sind in Gefängnisse gegangen (viele landen im Gefängnis).
Alkohol ist ein Droge die für alle leicht zugänglich und nicht teuer. Ich bin seit 28 Jahre trocken und clean und Alkoholismus wird weiterhin ein großes Thema unserer Gesellschaft bleiben.

Scholz, Montag, 12.März, 09:01 Uhr

2. Alkohol

Hallo Bayern 1
ich habe gerade Ihre 4 Fragen zu Thema Alkohol gehört, ich bin selber Alkoholiker aber seit 9 Jahren trocken.
Ich finde die Fragen sind zu wenig, dazu möchte ich Ihnen einen Tip geben:
"Symptomliste der Abhängigkeit (Jellinek-Schema)"
Dies beruht auf jahrelangen Studien des Alkoholismus.
Falls es im Netz aufgerufen wird sollte man die Fragen aber ehrlich für sich selbst beantworten!
Grüsse aus Weilheim

Sabine, Sonntag, 11.März, 12:29 Uhr

1. Alkoholismus - Den Alkoholiker retten?

Liebes BR Team,
Zunächst einmal vielen Dank, dass das Thema Alkoholismus thematisiert wird und damit Bewusstsein geschaffen wird. Man kann das gar nicht oft genug thematisieren. Ich möchte hier für Angehörigen eines ganz deutlich festhalten: Man kann eine/n Alkoholiker/in nicht retten! Das geht nicht! Der Akoliker muss selbst an den Punkt kommen, seinen Tiefpunkt erreichen, um Hilfe für seine Krankheit finden zu wollen. Angehörige können immer nur Hilfe für sich selbst holen, so traurig das auch klingt. Es gibt hierfür Hilfeprogramme, die man bei den jeweils örtlichen Beratungsstellen erfragen kann.
Der Alkoholiker wird in aller Regel nicht sehr positiv auf eine Konfrontation reagieren. Liebe Angehörige, bitte kümmert euch zunächst um euch selbst, das ist eure Verantwortung. Auch wenn es hart klingt.
Ich habe das Glück seit 14 Jahren trocken leben zu können und weiß, wovon ich spreche. Ja, Alkoholismus IST eine Familienkrankheit. Die gute Nachricht ist: es gibt tatsächlich Hilfe!