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UV Licht gegen Corona Kann natürliches Sonnenlicht Viren abtöten?

Wir alle haben die Hoffnung, dass der Sommer, die Wärme und die Sonne das Coronavirus eindämmen können. Aber ist das wirklich so? Welche Rolle spielen UV-Licht, Luftfeuchtigkeit und unser Immunsystem? Wird im Sommer alles besser?

Stand: 26.02.2021 | Archiv

Frau mit Maske und Sonnenbrille | Bild: mauritius-images

Eine Sache ist klar: Die Gefahr, sich in geschlossenen Räumen mit Corona anzustecken, ist deutlich höher, als draußen an der frischen Luft. Grund dafür sind die Aerosole, die im geschlossenen Raum minutenlang in der Luft schweben und eingeatmet werden können. Im Freien verdünnen sich Aerosole und/oder sinken schneller zu Boden. Ob und wie schnell Aerosole absinken, ist abhängig von der Größe der Tröpfchen, aber auch von Temperatur, Wind, UV-Strahlung und Luftfeuchtigkeit.

Wichtig sind Luftaustausch und hohe Luftfeuchtigkeit

Bei Wind oder Luftaustausch durch Lüften verdünnen sich die Tröpfchen, die den Virus mit sich tragen, schnell mit anderer, frischer Luft. Die eventuell eingeatmete Virusmenge reicht dann nicht mehr aus, um sich anzustecken. Deshalb ist Lüften so wichtig. Gut ist auch eine hohe Luftfeuchtigkeit, denn bei feuchter Luft verbinden sich die Aerosole mit den Tröpfchen in der Luft, werden schwer und fallen schnell zu Boden. Ein Forscherteam aus Leipzig und Indien hat im vergangenen Jahr Daten gesammelt, die beweisen, dass die Ausbreitung des Coronavirus von der Luftfeuchtigkeit beeinflusst wird.

Hohe Luftfeuchtigkeit und Luftaustausch ist wichtig um die Ausbreitung von Corona zu verhindern.

Das Team aus Physikern Instituts für Troposphärenforschung (Tropos) in Leipzig und des CSIR-National Physical Laboratory in New Delhi haben in zehn internationalen Studien zwischen 2007 und 2020 den Einfluss der Luftfeuchtigkeit auf das Überleben, die Ausbreitung und Infektion mit den Erregern der Grippe und verschiedenen Coronaviren untersucht. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal "Aerosol and Air Quality Research" im August 2020 veröffentlicht.

Demnach könne eine relative Feuchte von 40 bis 60 Prozent die Ausbreitung der Viren und deren Aufnahme über die Nasenschleimhaut reduzieren.

Da im Sommer die Luftfeuchtigkeit grundsätzlich höher ist und mehr Luftaustausch stattfindet, weil häufiger gelüftet und weniger geheizt wird, ist die warme Jahreszeit hilfreich, das Virus einzudämmen.

Welche Rolle spielt die Jahreszeit?

Neben Umweltfaktoren spielt auch das soziale Verhalten der Menschen im Sommer eine große Rolle. Dazu kommt, dass der menschliche Körper im Winter viel angreifbarer ist. Je kälter es ist, desto schneller kühlen die Schleimhäute aus, sie sind schlechter durchblutet, schützen nicht mehr ausreichend und das Virus findet schnell Nährboden. Trockene Heizungsluft verstärkt den Effekt. Im Sommer ist das anders. Unsere Schleimhäute sind durchblutet und befeuchtet und schützen uns deshalb besser. Auch unser Immunsystem ist stärker. All das begünstigt die Eindämmung. Doch greifen auch hörere Temperaturen und UV-Strahlen das Virus an und können es vielleicht sogar zerstören?

Welche Kraft steckt im Sonnenlicht?

Sonnenlicht besteht aus ultravioletten Strahlen. Aufgrund ihrer physikalischen und biologischen Eigenschaften wird die UV-Strahlung des natürlichen Sonnenlichts unterteilt in UV-A- Strahlung, UV-B-Strahlung und UV-C-Strahlung.

Nur UV-A und UV-B-Strahlung erreicht die Erde. UV-C-Strahlen werden von der Erdatmosphäre herausgefiltert. Laut Dr. Alois W. Schmalwieser von der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben alle UV-Strahlen das Potential, Viren zu zerstören. UV-C-Strahlung in großem Maß, UV-B-Strahlung weniger und UV-A-Strahlen kaum noch. Und doch reicht deren Anteil im natürlichen Sonnenlicht aus, so Schmalwieser.

"Viren bestehen fast ausschließlich aus RNA. Die Photonen im Sonnenlicht werden vom Virus absorbiert. Die Energie der RNA steigt so weit an, dass sie aufbricht. In diesem Zustand ist das Virus nicht mehr aktiv und kann sich auch nicht mehr reproduzieren."

Alois W. Schmalwieser, Veterinärmedizinische Universität Wien

Kann das natürliche Sonnenlicht Corona zerstören?

Das natürliche Sonnenlicht (UV-A und UV-B-Strahlung) kann Viren zerstören, da sind sich die Forscher um Alois Schmalwieser an der Veterinärmedizinischen Universität Wien sicher.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann natürliches Sonnenlicht Bakterien und Viren inaktivieren.

Sie wollen herausfinden, wie stark die UV-Strahlung im Freien unter verschiedenen Bedingungen gegen Sars-CoV-2 wirkt. Dabei geht es immer um Viren auf Oberflächen oder in der Luft, nicht im oder am menschlichen Körper.

Die Wissenschaftler beschäftigten sich zuerst mit allen bereits verfügbaren Informationen über das Virus selbst, um herauszufinden, wie empfindlich das Virus gegenüber UV-Strahlung ist. "Coronaviren reagieren besonders empfindlich auf Sonnenlicht", so Schmalwieser. Die Forscher fanden heraus, dass der Erfolg, ob natürliche UV-Strahlung das Potential hat, das Virus auf Oberflächen zu zerstören von der sogenannten Fluenz, also von der Stärke der Strahlung, abhängig ist.

Je direkter und länger die Sonneneinstrahlung ist, umso deutlicher die Wirkung. Den Ergebnissen zufolge kann das natürliche Sonnenlicht in Mitteleuropa zwischen Mai und Oktober innerhalb von vier bis fünf Stunden eine Oberfläche komplett desinfizieren. Von Desinfektion spricht man, wenn nur noch ein Virus von möglichen 10.000 Viren aktiv bleibt. Um eine Reduktion der Viren um 90 Prozent herbeizuführen, reichen 15 bis 20 Minuten Sonneneinstrahlung aus, so Schmalwieser.

"Steht eine Parkbank im Sommer in der prallen Sonne, dann reichen 10 Minuten aus, um die Bank ähnlich gründlich zu desinfizieren, wie ein in Alkohol getränkter Lappen."

Alois W. Schmalwieser, Veterinärmedizinische Universität Wien

Den Forschern zufolge belegen die Ergebnisse, dass die natürliche UV-Strahlung im Sommer in Kombination mit Luftfeuchtigkeit und Wind einen großen Anteil daran hat, dass das Virus sich weniger schnell verbreiten kann. Allerdings hat die UV-Strahlung eine zu vernachlässigende Auswirkung auf Viren, die bereits im menschlichen Körper sind. Es gibt auch keinen Einfluss auf den Virustransfer von Person zu Person, da dies innerhalb von Sekunden geschehen kann, betonen die Forscher.

UV-Desinfektion - UV-Licht gegen Corona

Sechs Rolltreppen im U-Bahnhof Marienplatz in München sind mit UV-Desinfektion ausgestattet. Die Testphase läuft.

Unabhängig von natürlichem Sonnenlicht wird künstliches UV-C-Licht schon viele Jahre dafür eingesetzt, Viren und Bakterien auf Oberflächen abzutöten. Vor allem in Operationssälen, in der Lebensmittelindustrie, in der Trinkwasseraufbereitung oder in Laboren wird häufig damit gearbeitet. Und auch Raumluftdesinfektion ist mit UV-C-Strahlen möglich. Die Stadt München zum Beispiel testet derzeit keimfreie Rolltreppen am U-Bahnhof Marienplatz. Verschlossene, im Rücklauf der Rolltreppe eingebaute Module bestrahlen den Handlauf mit UV-C-Licht. Die Strahlen zerstören die DNA der Mikroorganismen und der Handlauf wird so innerhalb von wenigen Sekunden viren- und keimfrei.

Das Bundesamt für Strahlenschutz warnt davor, UV-C-Licht am menschlichen Körper einzusetzen. Treffen die Strahlen in höheren Dosen oder über einen längeren Zeitraum auf den Körper, können sie Hautkrebs und Augenprobleme verursachen.

Ungefährliche UV-C-Strahlung

Trotzdem gibt es die Ideen, wie es doch möglich sein könnte, UV-C-Strahlung gegen Corona am Menschen einzusetzen. An einer für Menschen ungefährlichen Alternative arbeiten Forscher der Columbia University in New York. Sie haben eine UV-C-Lampe entwickelt, die möglichst kurze Wellenlängen aufweist und damit Haut und Augen nicht schädigt. Die Lampe zerstöre, nach Angaben der Forscher 99,9 Prozent der Coronaviren in Aerosolen. Das Deutsche Bundesamt für Strahlenschutz ist jedoch skeptisch: Das geringere Risiko für den Menschen sei noch nicht ausreichend belegt.

Parallel dazu arbeiten Forscher daran, die Desinfektion der Luft mittels UV-C-Strahlung zu optimieren und die Ergebnisse mit Daten zu belegen. Ingenieure der Hochschule Heilbronn und Virologen vom Universitätsklinikum Tübingen haben bereits nachgewiesen, dass Corona-Viren auf festen Oberflächen mittels UV-C-Strahlung unschädlich gemacht werden können. Ob das auch für Corona-Viren in der Luft gilt, wird nun nachgeprüft. Dort werden bis zum Frühsommer erste Ergebnisse erwartet.


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