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Riesenbärenklau Abstand halten: So giftig ist der Bärenklau

Seine imposante Erscheinung zieht an - aber Vorsicht: Schon minimaler Kontakt mit dem Großen Bärenklau kann zu Verbrennungen und Atemnot führen. Das sollten Sie wissen: Wo kann ich Vorkommen melden? Wie versorgt man Bärenklau-Wunden richtig? Und wie entfernt man Riesenbärenklau sicher aus dem eigenen Garten?

Stand: 09.07.2020

Frau steht vor Riesenbärenklau | Bild: colourbox.com

Was ist Riesenbärenklau?

Beim auch "Herkulesstaude" genannten Großen Bärenklau (lateinisch Heracleum mantegazzianum), wie der Riesenbärenklau offiziell heißt, ist der Name Programm:

Riesenbärenklau | Bild: picture-alliance/dpa

Imposant, aber giftig - der Riesenbärenklau

Fast alles an ihm ist ein paar Nummern größer ausgefallen als bei seinem kleinen Bruder, dem gewöhnlichen Bärenklau: Er wächst innerhalb von ein paar Monaten rund drei Meter hoch und die schirmförmigen Blüten-Dolden, die auf seinen dicken, harten Stängel trohnen, können bis zu 50 Zentmeter im Durchmesser erreichen.

Im 19. Jahrhundert ursprünglich als imposante Zierpflanze aus dem Kaukasus eingeführt, hat sich der Riesenbärenklau längst auch bei uns in der freien Natur ausgebreitet. Das Problem: Die Pflanze ist sehr giftig, schon minimaler Kontakt kann ernste gesundheitliche Folgen für Mensch und Tier haben.

Riesenbärenklau: Was ist giftig?

Die Blätter sind wie Bärentatzen geformt - daher der Beiname "Bärenkralle"

Der Saft des Großen Bärenklaus enthält den Giftstoff Furocumarin, der schon in geringen Mengen allergische Reaktionen auslöst: Je nach Intensität des Kontakts und nach persönlicher Konstitution reichen die Symptome von Hautrötungen und Juckreiz bis hin zu Schwellungen, Fieber und Kreislaufproblemen.

Die Giftwirkung des Großen Bärenklaus wird durch Sonnenlicht verstärkt

Besonders tückisch: Furocumarin wirkt phototoxisch, der Pflanzensaft löst bei Sonnenschein auf der Haut Rötungen, Quaddeln, Blasen und andere Verbrennungserscheinungen aus.  Dabei sitzt der Giftstoff in allen Teilen der Pflanze - von Blättern und Stängeln bis zu den Blütendolden. Ärzte warnen zudem davor, die Dämpfe des Pflanzengifts einzuatmen - etwa beim Entfernen eines Bärenklaus. Die Folgen können Übelkeit, aber auch Atemnot und Kreislaufprobleme sein.

Riesenbärenklau: Wunden behandeln

Was tun, wenn Sie einem Riesenbärenklau tatsächlich etwa ein Blatt abgeknickt haben? Dr. Jakob Berger, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes für Schwaben, rät:

"Mit fließendem Wasser und Seife die Stelle gründlich abwaschen und kühlen (Handtuch mit Leitungswasser tränken). Vor allem wichtig ist der Sonnenschutz, um Blasenbildung und Verbrennungen möglichst zu vermeiden."

Dr. Jakob Berger, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes für Schwaben

Wenn weitere Reaktionen ausbleiben, muss man nicht zum Arzt gehen. In jedem Fall rät Dr. Berger: "Man sollte grundsätzlich auch ein, zwei Tage danach noch die Sonne meiden."

Unbedingt zum Arzt gehen sollten Sie dagegen, sobald Brandblasen , starke Rötungen oder Juckreiz oder massivere allergische Reaktionen wie Atemnot auftreten, empfiehlt Dr. Berger:

"Es dauert ja oft zwei bis drei Wochen, bis die Blasen abheilen. Und es kann im schlimmsten Fall zur Narbenbildung kommen, wenn die Blasen nicht gut abheilen."

Wo Riesenbärenklau melden?

In vielen Städte und Gemeinden gibt es sogar Beauftragte für die Bekämpfung des Riesenbärenklaus

Wenn Sie im öffentlichen Raum Riesenbärenklau entdecken, sollten Sie dies bei der zuständigen Stadt oder Gemeinde melden - am besten mit einer genauen Beschreibung und/ oder Foto des Fundortes.

"In sensiblen Gebieten, also zum Beispiel auf öffentlichen Plätzen wie Parks oder Spielplätzen oder auch Naturschutzgebieten wird diese Art auf kommunaler Ebene bekämpft."

Alexander Ulmer, Pflanzenexperte beim Landesbund für Vogelschutz in Bayern

Es besteht zwar keine offizielle "Meldepflicht", aber viele Kommunen haben wegen der besonderen Gefahr, die vom Riesenbärenklau ausgeht, eigene Ansprechpartner dafür, so LBV-Experte Ulmer.  

Ähnliches gilt auch für den Eichenprozessionsspinner. Wenn Sie Raupen oder Nester sehen - unbedingt auf Abstand gehen: Das müssen Sie über die Raupen wissen.

Wie bekämpft man Riesenbärenklau?

In Ihrem eigenen Garten müssen Sie selbst tätig werden, wenn Sie eine Herkulesstaude loswerden wollen - oder ein Gartenbauunternehmen damit beauftragen. Falls Sie einem großem Exemplar zu Leibe rücken wollen, achten Sie unbedingt auf guten Schutz:

  • Ziehen Sie feste, dicke Kleidung (Jeans, dicker Pullover) an, dazu Mütze, Handschuhe und unbedingt eine Schutzbrille für die Augen.
  • Da das Sonnenlicht die durch den Pflanzensaft ausgelösten allergischen Reaktionen verstärkt, gehen Sie besser bei bedecktem Himmel oder in den frühen Abendstunden ans Werk.
  • Wenn der Bärenklau schon blüht: Blütendolden abschneiden. So verhindern Sie zumindest schon mal das weitere Aussamen. Abschneiden allein genügt aber nicht. Damit die Pflanze nicht wieder austreibt, müssen Sie die oberen Wurzelschichten bis zirka 20 Zentimeter Tiefe ausgraben.
  • Blüten, Blätter und das übrige Pflanzenmaterial in den Hausmüll werfen. Die Samen sind auch nach Jahren noch keimfähig - daher auf keinen Fall auf dem Kompost und sicherheitshalber auch nicht im Biomüll entsorgen.
  • Reinigen Sie anschließend gründlich alle Geräte - Sie wollen weder Samen verschleppen noch in Kontakt mit dem giftigen Pflanzensaft kommen. 

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