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Rettungskarte fürs Auto Ein Stück Papier, das Leben retten kann

Nach einem Unfall muss es schnell gehen. Jede Minute zählt - für die Opfer wie auch für die Retter. Die Rettungskarte kann bei diesem Wettlauf gegen die Zeit eine entscheidende Rolle spielen.

Stand: 09.05.2018

Eine Rettungskarte | Bild: picture-alliance/dpa

Warum sollte ich eine Rettungskarte im Auto haben?

Stabilere Karosserien, verstärkte Fahrgastzellen, umfassende Airbag-Systeme - in modernen Autos wird sehr viel Sicherheitstechnik verbaut, um den Insassen bei einem Unfall größtmöglichen Schutz zu gewähren. Diese positive Entwicklung stellt die Rettungskräfte der Feuerwehren allerdings vor eine zunehmend schwere Aufgabe: Wo können sie bei einem Unfall ihr Bergungsgerät wie Spreizer, Hydraulikpresse und Rettungsschere ansetzen, um die Fahrzeuginsassen möglichst schnell zu bergen? Denn die Retter stehen unter Zeitdruck: Sie wissen, dass die Überlebenschancen für Schwerverletzte enorm höher liegen, wenn sie innerhalb der sogenannten "goldenen Stunde", also 60 Minuten nach einem Unfall, im Krankenhaus behandelt werden können.

Hier setzt die Idee der Rettungskarte an - eine schematische Zeichnung des Fahrzeugs, die den Feuerwehren dabei helfen soll, Verletzte schnell und sicher zu befreien. Sie zeigt beispielsweise, wo im Auto sich Stahlverstrebungen befinden, an denen jede Rettungsschere scheitern würde; oder wo Airbags und Airbag-Steuersysteme verbaut sind, die nachträglich aufgehen und weitere Verletzungen bei den Insassen hervorrufen könnten. Bei Autos mit alternativen Antriebssystemen, wie Gas-, Elektro oder Hybridfahrzeugen zeigt das Datenblatt den Rettern, wo gefährliche Leitungen verlaufen oder wo Tanks oder Batterien liegen.

 Woher bekomme ich sie?

"Die Autohersteller bieten mittlerweile fast durchgängig die passenden Rettungskarten an", sagt Alexander Kreipl, verkehrspolitischer Sprecher des ADAC. Mithilfe von Fahrzeugmodell und Schlüsselnummer finden Sie entweder auf der Hersteller-Website oder auch beim ADAC die passende Version. Nicht erschrecken, die herunterzuladende Datei kann unter Umständen sehr groß sein, da manche Hersteller mehrere Modellreihen in einer pdf-Datei zusammenfassen.

Lassen Sie sich nicht irritieren, wenn im Datenblatt für Ihr Modell mehr Airbags eingezeichnet sind, als ihr Auto tatsächlich hat: Bei Airbags wird meist die maximal mögliche Menge eingezeichnet, um die Zahl der nötigen Datenblatt-Varianten halbwegs übersichtlich zu halten. Die Rettungskräfte wissen das und können damit umgehen.

Farbige Piktogramme zeigen den Feuerwehrkräften, wo die kritischen Punkte im Fahrzeug sind

Wenn Sie die passende Rettungskarte gefunden haben, bitte unbedingt in Farbe ausdrucken - mit Hilfe der farbigen Piktogramme können die Retter auf einen Blick die kritischen, sicherheitsrelevanten Stellen im Fahrzeug erkennen. Sicherheitshalber sollten Sie nochmal kontrollieren, ob auch wirklich alle Angaben zum Fahrzeugtyp stimmen. Wer mag, kann den Ausdruck zum Schutz vor Feuchtigkeit oder Verfärbungen laminieren oder in eine Folie stecken.

 Wo soll ich die Rettungskarte anbringen?

Die Rettungskarte sollte unter der Sonnenblende auf der Fahrerseite befestigt werden, denn "hier suchen sie in der Regel auch die Rettungskräfte", erklärt ADAC-Sprecher Kreipl. Bei den meisten Fahrzeugen gibt es dort ein Lasche, durch die man das zusammengefaltete Papier stecken kann - alternativ tut es aber auch ein um die Sonnenblende gespanntes Gummiband.

Der Ort hinter der Sonnenblende scheint relativ unfallsicher zu sein. Das zeigen zumindest die Tests des ADAC, sagt Sprecher Kreipl: "Wir haben mehrere Crash-Versuche gemacht - und nach 30 Tests war die Karte noch immer an der richtigen Stelle."

Damit die Retter auf den ersten Blick erkennen, dass  im Fahrzeug eine Rettungskarte angebracht ist, ist abschließend noch ein Aufkleber mit dem Hinweis "Rettungskarte an Bord" sinnvoll - angebracht am linken oberen oder unteren Rand der Windschutzscheibe. Sie bekommen ihn etwa beim TÜV, dem ADAC oder auch der DEKRA.

 Macht das Notrufsystem eCall die Rettungskarte überflüssig?

"Derzeit noch nicht", sagt ADAC-Sprecher Kreipl. Zwar muss seit Ende März diesen Jahres in Pkw-Modellen, für die Hersteller erstmals eine Typengenehmigung beantragen, das europäische Notrufsystem eCall (= emergency call) eingebaut sein. Doch bis auch nur die Hälfte aller Autos, die auf unseren Straßen unterwegs sind, tatsächlich eCall an Bord hat, kann es nach Berechnungen des Zentralverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft noch fast zehn Jahre dauern.

eCall - die Eckpunkte

Über die eCall-Taste im Fahrzeug kann direkt ein Notruf an die 112 ausgelöst werden, der bei der nächst gelegenen Rettungsleitstelle einläuft. Wenn bei einem schweren Unfall die Airbags auslösen, wird automatisch ein Notruf abgesetzt - für den Fall, dass die Insassen das selbst nicht mehr tun können. Dabei werden wichtige zusätzliche Informationen übertragen wie etwa Unfallort, Fahrzeugart, Antrieb (Gas, Benzin/ Diesel, Strom), oder auch die Anzahl der Insassen (laut Gurterkennungssystem).

Eigentlich könnte und sollte neben diesen Informationen auch das Datenblatt der Rettungskarte direkt an die Einsatzkräfte vor Ort geschickt werden, aber dafür fehlt nach Angaben von Kreipl  in vielen Rettungsleitstellen noch die notwendige Software oder auch Zugangsberechtigungen, um die Datenblätter beim Kraftfahrtbundesamt abrufen zu können. Und auch wo das schon klappt, gibt es oft ein weiteres Hindernis, sagt ADAC-Sprecher Kreipl: "Viele Rettungskräfte können diese Daten gar nicht empfangen - auch wenn sie von der Rettungsleitstelle schon übertragen werden könnten." Bis auf weiteres bleibt damit die sicherste Lösung, die Rettungskarte ausgedruckt im Auto dabei zu haben.

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