Bayern 1

Zwölfuhrläuten

Filialkirche Heilige Drei Könige in Friedersried (bei Stamsried) i.d. Oberpalz | Bild: ZAK Foto / Markt Stamsried

Mittwoch, 06.01.2016
12:00 bis 12:03 Uhr

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BAYERN 1

aus Friedersried in der Oberpfalz
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Es ist zwölf Uhr. Das Mittagsläuten kommt heute von der Filialkirche Heilige Drei Könige und St. Matthäus in Friedersried. Regina Fanderl über ein ganz besonderes Gotteshaus in einem oberpfälzischen Dorf, das auch nach der Eingemeindung nach Stamsried seinen unverwechselbaren Charakter bewahrt hat.

Eine Sage berichtet, dass die heiligen drei Könige auf ihrem Rückweg aus Bethlehem auch durch die Oberpfalz gereist sind. Vom Schwärzenberg her kommend haben sie am 6. Januar um die Mittagszeit gerastet. Und weil sie so müde und hungrig waren, gaben ihnen die gastfreundlichen Friedersrieder Knödel als Wegzehrung mit. Und deswegen wird in dem oberpfälzischen Dorf gleich zweimal Kirchweih gefeiert. Der Knödl-Kirta am Dreikönigstag und die Matthäus-Kirchweih Ende September.
Der Name Friedersried kommt wohl von einem Friedrich, der dort, im Oberen Bayerischen Wald, gerodet und eine Siedlung gegründet hat. Ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts ist schon die bambergische Ministerialenfamilieder Friedrichsreuter nachzuweisen, die auf einer Burg hausten, von der neben ein paar Mauerresten nur noch die Burgkapelle steht. Das romanische Bauwerk wurde später die Pfarrkirche mit dem Patrozinium der - wie soll’s anders sein - Heiligen Drei Könige - und des Heiligen Matthäus, ihrem Chronisten. Absolut sehenswert ist der für die Romanik typische Saalbau mit seinen mächtigen Säulen, die auf ein früheres Doppelschiff weisen. Der Altar unter dem Kreuzgewölbe des Chors stammt aus dem Jahr 1697 - das Altarblatt zeigt, ein seltener Anblick, die Anbetung der Heiligen Drei Könige. Als man 1959 das zugemauerte romanische Portal freilegte, kam ein schräg an die Wand geführtes Gewändeportal zum Vorschein. Darin befinden sich mehrere kleine Löcher die auf einen heidnischen Weihebrauch zurück gehen sollen. Krieger schärften dort ihre Waffen, ehe sie in den Kampf zogen. Die geheimnisvollen Einkerbungen in dem Portal geben noch heute Rätsel auf.
Auf eine weitere Besonderheit weist ein großes Schild am Eingang. Oben im Turm, gleich neben den Glocken, hat sich mit konstant über 600 Exemplaren des "großen Mausohrs" die größte Fledermauskolonie weit und breit einquartiert. Der geräumige, dunkle und warme Dachboden erfüllt perfekt die Bedingungen für einen geruhsamen Schlafplatz der bedrohten Tiere.

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