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Nur noch eins lieferbar -- wie überprüfen Künstliche Verknappung - so entlarven Sie den Trick der Onlinehändler

"Nur noch 1 lieferbar" oder "Rabatt nur begrenzte Zeit" - manche Onlinehändler versuchen, uns so zu schnellerem Kauf zu drängen. Ist das legal und kann ich überprüfen, ob das stimmt?

Stand: 30.07.2020

Frau mit Kredikarte in der Hand beim Onlineshopping | Bild: mauritius images

"Nur noch 1 lieferbar" oder "der Rabatt gilt nur für kurze Zeit" - das liest man in Onlineshops häufig. Oft hat man als Kunde aber den Eindruck, das könne nicht stimmen. Wie kann ich als Kunde überprüfen, ob der Onlinehändler tatsächlich nur noch ein Stück des Produkts auf Lager hat? BAYERN 1 Modertorin Ulla Müller hat mit Katharina Grasl, Juristin bei der Verbraucherzentrale Bayern, gesprochen:

"Für den Käufer ist es sehr schwer feststellbar. Ich merke es natürlich, wenn nur noch ein Stück verfügbar ist und ich das letzte Stück dann kaufe - und dann immer noch eins verfügbar ist. Ansonsten kann man versuchen mehr Stücke als angegeben sind, in den Warenkorb zu legen, aber das zeigt mir auch nur bedingt, ob das stimmt oder nicht. Denn ein verbindlicher Kaufvertrag kommt immer erst zustande, wenn ich die Bestellung abgeschickt habe und mir der Verkäufer den Kauf bestätigt."

Katharina Grasl, Verbraucherzentrale Bayern

Künstliche Verknappung - legal?

Ist diese Taktik, den Kunden mit begrenzten Stückzahlen oder kurzen Rabattzeiten unter Druck zu setzen denn überhaupt legal?

"Unternehmern steht es natürlich frei, ihre Lagerbestände knapp zu halten. Wenn die Angaben auch tatsächlich stimmen, dass nur noch wenige Stück verfügbar sind, dann ist das erlaubt. Was ist nicht erlaubt ist, ist es, mit falschen Angaben zu werben, also mit geringen Stückzahlen zu werben, wenn das Lager noch voll ist."

Katharina Grasl

Wenn ein Onlinehändler mit falschen Angaben werben würde, wäre das ein Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, § 5 OWG, erklärt Katharina Grasl. Als Verbraucher könne man, um sich dagegen zu wehren, den Sachverhalt der Verbraucherzentrale oder der Wettbewerbszentrale melden - allerdings müsse man den Vorgang sehr genau nachweisen und dokumentieren - zum Beispiel mit Screenshots. Dem Online-Händler würde dann zuerst eine Abmahnung erteilt. Wenn er dann eine Unterlassungserklärung abgibt, ist das gut. "Wenn er die nicht abgibt, müsste man vor Gericht klagen", so Katharina Grasl.

Kann ich meinen Onlien-Kauf rückgängig machen?

Um die Lagerbestände zu testen, aus Versehen zuviel bestellt? Kann ich das rückgängig machen?

"Wenn ich eine Bestellung abgesendet habe, dann gibt es noch die Möglichkeit, dass ich den Vertrag widerrufe. Innerhlab von 14 Tagen kann ich dem Verkäufer mitteilen, dass ich den Vertrag widerrufe und dann wird das rückgängig gemacht."

Katharina Grasl

Der Rat der Verbraucherschützer: Lassen Sie sich beim Kauf nicht unter Druck setzen und vergleichen Sie in Ruhe die Preise. Und: Rabatte gibt es auch immer wieder.


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