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Naturschützer werden Packen Sie mit an: Als Ehrenamtliche für den Umweltschutz

Fledermäuse zählen, Vogelnester bewachen, Teiche anlegen, Müll an Uferstreifen sammeln: Natur- und Umweltschutz steht ganz vorne, wenn es um ehrenamtliches Engagement geht. Lust und Interesse sind das eine, das richtige Projekt zu finden das andere. Ein kleiner Wegweiser.

Von: Peter Hirsch

Stand: 23.02.2021 | Archiv

Naturschutz | Bild: mauritius-images

Deutschlandweit engagierten sich nach Angaben der Bundesregierung 2020 über 30 Millionen Menschen ehrenamtlich. Vor allem im Bereich Umwelt und Naturschutz ginge ohne ehrenamtliches Engagement vieles gar nicht, sagte kürzlich der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Olaf Brandt: "Ohne den unermüdlichen Einsatz der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer wäre es vielerorts unmöglich, Naturschutzprojekte umzusetzen."

Ehrenamt beim Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz

Gerade zur Laichzeit im Frühjahr werden sehr viele Freiwillige im Naturschutz benötigt.

Der einfachste Weg, sich im Umweltschutz zu engagieren, führt über die großen, bekannten Verbände. Der BUND ist nahezu überall in Bayern vertreten. Hier sind 250.000 Mitglieder in 76 Kreis- und 550 Ortsgruppen organisiert. Ob beim Schutz von Fröschen und Kröten bei ihren Laichwanderungen im Frühjahr oder bei der Wiedervernässung von Mooren als Beitrag zu Klimaschutz und Artenvielfalt - der BUND bietet Ihnen viele Möglichkeiten, in Ihrer näheren Umgebung für die Natur zu arbeiten.

Ähnlich präsent und aktiv ist auch der Landesbund für Vogelschutz (LBV) und da geht's im Detail nicht immer nur um Vögel, sondern auch um Landschaftspflege und Naturschutz. Beim LBV sind 85.000 Mitglieder organisiert, in 350 Kreis- und Ortsgruppen. Sie mähen Wiesen, zählen Vögel, betreuen Schutzgebiete oder arbeiten auch mit Kindergruppen in der Natur. Der LBV betreibt außerdem 11 Umweltstationen in ganz Bayern, zum Beispiel am Altmühlsee im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen oder Kleinostheim am Untermain. Und sollten Sie Lust haben, einen Uhu- oder Wanderfalkenhorst zu bewachen - auch das ist beim LBV möglich.

Landesbund für Vogelschutz LBV: www.lbv.de

Ehrenamt bei den Naturschutzwachten

Viele bayerische Landkreise unterhalten Naturschutzwachten. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter verstehen sich als Bindeglied und Vermittler zwischen Bürgern und Naturschutzbehörde. In der Regel zu zweit auf Streife im Landkreis unterwegs, achten die Naturschutzwächter etwa auf die Einhaltung von Vorschriften (Stichworte Blumen pflücken, Pilze sammeln, Betreten von Schutz- und Ruhezonen).

Naturschutzwächter können auch Anzeigen erstatten oder sogar Platzverweise erteilen, aber sie sollen vor allem im Gespräch Menschen für die Belange von Umweltschutz und Landschaftspflege gewinnen und überzeugen. Deshalb ist es auch gut, kommunikativ zu sein. Mitmachen können alle Bürger in Bayern über 18 Jahre. Claus Wittmann von der Arbeitsgemeinschaft der Angehörigen der Bayerischen Naturschutzwachten AGNA - und auch selbst Naturschutzwächter im Landkreis Altötting - zur Grundvoraussetzung für dieses Ehrenamt:

"Mitbringen sollte man die Liebe zur bayerischen Natur und Heimat. Den Willen, sich neues Wissen anzueignen, sowie die Freude an der Bewegung in der freien Natur. Als Naturschutzwächter ist es notwendig, bei allen Witterungsverhältnissen seine Betreuungsgebiete aufzusuchen."

Claus Wittmann, Arbeitsgemeinschaft der Angehörigen der Bayerischen Naturschutzwachten AGNA

Aufgabe der Naturschutzwächter ist vor allem Kommunikation.

Die Naturschutzwacht in Bayern ist föderal aufgebaut. Zuständig für die Ausgestaltung der Naturschutzwacht-Verordnung ist das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Die einzelnen Landratsämter oder Umweltämter der Städte setzen dies in eigener Regie um. Bewerbungen für die Naturschutzwachten nehmen die Landratsämter entgegen, es folgt dann eine spezielle Ausbildung an der ANL, der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen. Claus Wittmann von AGNA würde sich vor allem über mehr jüngere Bewerber freuen. Der Altersdurchschnitt bei den Naturschutzwächtern sei doch relativ hoch. Und es gibt in Zukunft in diesem Bereich noch mehr zu tun: "Hier möchte ich als Beispiel die Schaffung eines bayernweiten Hornissen- und Wespen-Berater-Netzwerks anführen. Die Naturschutzwacht soll hier eine tragende Rolle einnehmen. Diese Aufgabe wird eine Stellenmehrung zur Folge haben müssen", sagt Claus Wittmann.

Arbeitsgemeinschaft der Angehörigen der Bayerischen Naturschutzwachten AGNA: www.agna.de

Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege: www.anl.bayern.de

Ehrenamt bei Ehrensache Natur - Freiwillige in Parks

Der Verein mit Sitz in Berlin vermittelt deutschlandweit Kontakte zur Mitarbeit in Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservaten. In Bayern beispielsweise in der Rhön, im Frankenwald, im Altmühltal oder der Nagelfluhkette im Oberallgäu. Und auch im Nationalpark Bayerischer Wald werden Ehrenamtliche gebraucht, sagt Anne Schierenberg von Ehrensache Natur - Freiwillige in Parks: "Da ist im Moment die Mithilfe bei der Nationalparkwacht im Angebot. Da geht es in erster Linie um die Besucherinfo im Gelände. Um touristische Informationen - wo führt welcher Wanderweg hin. Aber auch Auskünfte zum Beispiel über Fauna und Flora." Und auch die Kontrolle von Wanderwegen oder Gehegen gehört zum Aufgabenbereich dazu.

Ehrensache Natur wendet sich nicht nur an Menschen, die in der Nähe der Parks und Reservate leben. Wer von auswärts kommt, um ein paar Wochen dort zu arbeiten, ist ebenfalls willkommen. Auch bei der Suche nach einer geeigneten Unterkunft wird dann geholfen.

Nationale Naturlandschaften e.V.: www.nationale-naturlandschaften.de

Ehrensache Natur: www.ehrensache-natur.de

National und international helfen - über Freiwilligenagenturen

Angebote zu praktisch allen möglichen ehrenamtlichen Aufgaben können zentral in Freiwilligenagenturen abgerufen werden. Entsprechend auch für Natur und Umwelt. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen stellt für jedes Bundesland eine entsprechende Online-Karte bereit. Dort können Sie nachschauen, welche Agenturen es an Ihrem Wohnort, in Ihrem Landkreis gibt. In München zum Beispiel die Agentur Tatendrang. Aktuell gibt es dort mehrere Angebote zu Umwelt/Natur, d.h. vom "Urban Gardening" bis zur Hilfe am Infostand des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ADFC.

Und auch im Ausland gibt es Möglichkeiten sich zu engagieren. Sie können beim Meeresschildkröten-Schutz in Griechenland, auf Zakynthos, Kreta und dem Peloponnes, von Mai bis Oktober aktiv mithelfen. Oder in Spanien bei der Aufzucht und Pflege von Rötelfalken mitwirken, die unter Naturschutz stehen und später ausgewildert werden sollen.  

Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen: bagfa.de

Wegweiser Freiwilligenarbeit: www.wegweiser-freiwilligenarbeit.com/presse

Kleines Steuergeschenk: Ehrenamtspauschale für Umweltschützer

Und auch, wenn ehrenamtliches Engagement vom "Vergelt's Gott" lebt: Das Ehrenamt wird seit 2021 auch steuerlich mehr gewürdigt. Die steuerfreie Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale ist von 2.400 Euro auf 3.000 Euro im Jahr angehoben worden. Zudem bleibt eine Aufwandsentschädigung für ehrenamtliche Tätigkeiten künftig bis zu 840 Euro im Jahr steuerfrei und nicht nur - wie bis Ende 2020 - bis zu einer Grenze von 720 Euro.

Podcast "Besser leben. Nachhaltig im Alltag mit dem Umweltkommissar"

Alle Episoden zum Nachhören oder auch den Podcast im Abo gibt's jederzeit und kostenlos im BR-Podcast Center, bei iTunes, Spotify und der ARD Audiothek.
Alle Folgen zum Nachlesen finden Sie auf der Übersichtsseite "Besser leben. Nachhaltig im Alltag mit dem Umweltkommissar".

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