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Rechts oder links Warum ist die Knopfleiste unterschiedlich bei Männern und Frauen?

Männer tragen schon mal Röcke, Frauen sowieso Hosen, T-Shirts sind für alle da. Aber wenn es um Hemd und Bluse geht, ist sich die Mode seit Jahrhunderten einig: Bei Männern sind die Knöpfe rechts angenäht, bei Frauen links. Aber warum?

Von: Marc Strucken

Stand: 18.01.2017

Anfangs noch schwer: Knöpfe am Hemd schließen | Bild: Imago/westend 61

Wann sich die Mode überlegt hat "Frauen müssen ihre Bluse andersherum knöpfen!", weiß keiner mehr. Deshalb gibt es ein paar Theorien zur Knopfleiste. Ziemlich einig ist man sich zumindest, wieso der Mann seine Knöpfe auf der rechten Hemdseite trägt: Weil's praktisch war, vielleicht sogar lebenswichtig.

Mann musste immer kampfbereit sein

Noch heute so: Die Uniform hat ihre Knöpfe auf der rechten Seite. Da zieht sich der Säbel leichter.

Es begab sich zu einer Zeit als die Degenträger unter den Männern feststellen mussten, dass man sich mit dem Griff seiner Waffe in der Knopfleiste verheddert hatte, während der Gegner schon zum tödlichen Schlag ausgeholt hat. Die meisten Menschen sind Rechtshänder und trugen den Degen links. Hemd, Wams und Jacke mussten die Knöpfe daher rechts haben. Außerdem konnte der Edelmann seine "Kampfhand" - ähnlich wie Napoleon - zwischen die Knöpfe schieben und warmhalten.

Statussymbol an der Bluse: Knöpfe?

Die gängigste Erklärung für die seitenverkehrte Knopfleiste bei Frauen hört sich zwar zunächst logisch an. Adelige und reiche Ladys hatten Zofen, die ihnen beim Anlegen der Kleidung halfen. Da auch unter den Untergebenen die meisten mit der rechten Hand knöpften, wechselte man die Knopfseite - damit sie es einfacher hatten.

Der Haken an dieser Erklärung: Es wäre wohl der einzige Fall in der Geschichte, bei dem sich die Mode der Einflussreichen nach den Bedürfnissen ihrer Diener/innen gerichtet hätte.

Mode, aber bitte züchtig!

Hier gibt es nichts zu sehen: Die Knopfleiste der Frau hält dicht - auch von links gesehen.

Eine andere Knopf-Therorie lässt tief blicken. Es bieten sich schon mal aufreizende Einblicke, wo sich die Bluse zwischen den Knöpfen aufspreizt. In der Kirche saßen nun die Damen links. Damit die Herren sich aber auf die Messe konzentrieren konnten, verlegte man die Knöpfe auf die andere Seite der Kleidung. Auch führte der Mann seine Dame auf der Straße an ihrem linken Arm.

Vielleicht hatte das unterschiedliche Nähen aber auch rein praktische Gründe: Wieder richtete man sich danach, dass die meisten Frauen Rechtshänder sind und deshalb ihre Baby mit der Linken tragen. Damit sie die Blusen zum Stillen einhändig leichter öffnen können, änderte sich die Knopfleiste entsprechend.

Der Knopf macht den Unterschied

Dass es in der Mode diese Unterscheidung zwischen Blusen und Hemden noch heute gibt, liegt wohl an der Einheitlichkeit. Denn vieles in der Mode wurde einfach irgendwann von irgendwem ausprobiert. Es war ein Erfolg und alle wollten es von da an haben. Wer möchte schon die angenähte Kapuze am Pullover vermissen? Oder gar den Reißverschluss?!


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