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Mietminderung bei Schimmel Wer zahlt bei Schimmel in der Wohnung?

Schimmel in der Wohnung ist nicht nur unschön, sondern gesundheitsschädlich. Und muss daher schnellstmöglich entfernt werden. Was Sie als Mieter tun müssen und wer die Kosten für den Schaden trägt.

Stand: 31.01.2018

Schimmel am Dachfenster | Bild: colourbox.com

Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn bauliche Mängel der Grund für eine Schimmelbildung in der Mietwohnung sind, muss der Vermieter für die Beseitigung der Schäden aufkommen. Sind mangelnde Lüftung und falsches Heizen die Ursache dafür, dass Schimmel an den Wänden wächst, muss der Mieter dafür selbst aufkommen. Die Beweislast trägt der Vermieter, das heißt, er muss zuerst beweisen, dass der Schimmel nicht wegen Schäden am Bau aufgetreten ist, sondern mit dem Verhalten des Mieters zusammenhängt. Doch manchmal sind die tatsächlichen Ursachen schwer festzustellen und Sachverständige müssen ein Urteil fällen.

Schimmel in der Wohnung - was tun

Wenn Sie Schimmel an der Wand in ihrer Mietwohnung entdecken, sollten Sie umgehend Ihren Vermieter darüber informieren. "Sie haben als Mieter die Pflicht zur Mängelanzeige", sagt Monika Schmid-Balzert, Rechtsanwältin und Geschäftsführerin vom Deutschen Mieterbund, Landesverband Bayern. In diesem Brief an den Vermieter sollten Sie ihm auch eine Frist setzen, bis wann dieser Mangel behoben werden soll, empfiehlt der Mieterbund.

Mietminderung rechtzeitig ankündigen

Im ersten Brief an den Vermieter sollten Sie auch ankündigen, dass Sie, wenn dieser nicht tätig werden sollte, den Schaden auf eigene Kosten beheben lassen und dass Sie sich vorbehalten, die Miete zu mindern. Dieser sogenannte "Minderungsvorbehalt" sollte deswegen im ersten Schreiben stehen, weil Sie sich sonst unter Umständen um einige Monate Mietminderung bringen.

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In den allermeisten Fällen wird der Vermieter reagieren und sich den Schimmelbefall ansehen sowie ihn beseitigen lassen. Wenn das nicht so ist und der Vermieter Ihnen die Schuld am Schimmelbefall gibt, muss er zuerst beweisen, dass der Schimmelbefall nicht durch einen baulichen Mangel wie zum Beispiel fehlende oder fehlerhafte Dämmung, inkorrekte Sanierungsmaßnahmen oder einen Wasserschaden verursacht wurde oder wird.

Wenn der Vermieter beweisen kann, dass kein baulicher Mangel der Grund für den Schimmel ist, und er bei seiner Behauptung bleibt, dass der Mieter schuld ist, kann man sich als Mieter wehren.

"Der Mieter sollte sich ein Hygrometer aus dem Baumarkt besorgen, die gibt es für fünf Euro. Danach sollte er über einen Zeitraum von rund zwei Wochen Protokoll über das eigene Heiz- und Lüftungsverhalten führen und gleichzeitig den Feuchtigkeitsgehalt in der Wohnung notieren."

Monika Schmid-Balzert, Deutscher Mieterbund

Dieses Protokoll kann im besten Falle den Vermieter überzeugen und er übernimmt die Sanierungsmaßnahmen. Oder das Protokoll dient als Grundlage für eine Beratung bei einer Mieterorganisation oder einem Rechtsanwalt sein.

Mietminderung bei Schimmel

Wer die Miete wegen Schimmelbefalls mindert, sollte sich vorher gut informieren - bei einem Rechtsanwalt, der sich auf Mietrecht spezialisiert hat oder einer Mieterorganisation. Denn: Wer die Miete unrechtmäßig zu sehr mindert, gerät in einen Mietrückstand und kann deswegen gekündigt werden.

Um wieviel Prozent Sie die Miete mindern dürfen, hängt nicht nur davon ab, wie groß der Schimmelbefall ist, sondern auch, wo er auftritt. Wächst der Schimmel in Kellerräumen, kann die Miete um einen geringeren Betrag gemindert werden, weil die Kellerräume nicht bewohnt werden. Bei Schimmelwachstum im Schlafzimmer sieht das natürlich anders aus.

Schimmel in der Wohnung - Gerichtsstreit

Kann man sich nicht mit seinem Vermieter einigen, hat der Mieter nur noch die Möglichkeit, den Vermieter auf Mängelbeseitigung zu verklagen.

Schimmel in der Wohnung - häufiges Thema

Schimmel in der Wohnung ist ein häufiges Thema beim Deutschen Mieterbund:

"Die Mängelberatung liegt auf Platz 5 unserer Beratungsthemen und Schimmelbildung ist der wichtigste Mangel einer Mietwohnung."

Monika Schmid-Balzert, Deutscher Mieterbund, Bayern

Richtig heizen

Häufig tritt Schimmel nach Dämmaßnahmen an der Fassade auf, denn, wenn das Haus gut gedämmt ist, muss der Mieter häufiger lüften und ausreichend heizen. Der Vermieter muss den Mieter nach Dämmarbeiten aber explizit darauf hinweisen, dass er sich nun anders verhalten muss. In der Regel muss der Mieter drei Mal am Tag stoßlüften, das hat das Landgericht Berlin (Az.: 65 S 400/15).

Schimmelbildung können Sie einfach vorbeugen: Energie und Kosten sparen - Richtig heizen, Schimmel vermeiden


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