Bayern 1


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Kirchturm im See Wie ein ganzes Dorf geflutet wurde

Der Kirchturm, der aus dem See ragt. Jeder hat das Bild schon einmal gesehen, doch was verbirgt sich hinter dem faszinierenden Anblick - in der unglaublichen Geschichte wird sie erzählt.

Stand: 10.01.2019

In der unglaublichen Geschichte wird die Geschichte des versunkenen Dorfs am Reschenpass erzählt. | Bild: mauritius-images/ Montage: BR

Der Reschenpass im Dreiländereck zwischen Italien, Österreich und der Schweiz. Wer hier schon einmal unterwegs war, der kennt diesen merkwürdigen Anblick: Aus einem Stausee in 1500 Metern Höhe ragt ein einsamer Kirchturm empor. Einst gehörte er zur Kirche der Gemeinde Graun. Heute ist er Wahrzeichen der ganzen Ferienregion – aber auch Mahnmal für die Wunden, die eine kompromisslose Modernisierung den Menschen hier geschlagen hat.

1950 - Im Vinschgau wird ein Stausee angelegt

August 1950. Mehr als hundert Familien müssen Hals über Kopf ihre Höfe und Häuser verlassen. Ihre Heimatdörfer Graun und Reschen sind im wahrsten Sinne des Wortes dem Untergang geweiht – denn die italienische Regierung und ein Energiekonzern machen wahr, was sie seit Jahren vorangetrieben haben: Für ein Wasserkraftwerk im Vinschgau stauen sie mehrere kleine Gebirgsseen zu einem einzigen großen See. Der Wasserspiegel steigt dabei um über 20 Meter. Alle Äcker und Felder in der Umgebung, die Bauernhöfe und auch die Kirche versinken in den Fluten.

Selbst der Papst konnte die Flutung nicht verhindern

Altgraun vor der Flutung (Bilck Richtung Süden).

Bis zuletzt hatten die Bewohner auf ein Einlenken der Politik gehofft. Der Dorfpfarrer eilte sogar nach Rom um den Heiligen Vater um Hilfe zu bitten – alles umsonst. Die betroffenen Familien werden in Barackenlagern untergebracht und mit bescheidenen Entschädigungen abgespeist. Viele verlassen das Tal für immer.

Der Reschenpass - ein beliebtes Feriengebiet

Wer heute in den neu errichteten Dörfern oberhalb des Reschensees Halt macht, der trifft unter den Einheimischen auf zwei Sichtweisen: Die Jüngeren kennen das dramatische Geschehen nur noch aus Erzählungen. Ihnen bietet der See Erholung - und über den Tourismus ein Auskommen.  

Doch es gibt auch noch die Alten – die, die damals aus ihren Häusern vertrieben wurden. Sie schauen bis heute mit Wehmut und Bitterkeit auf den Kirchturm im Wasser – den einzigen sichtbaren Rest ihrer verlorenen Heimat.  

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